Auch auf der kommenden Buchmesse soll es noch richtige Bücher geben.
+
Auch auf der kommenden Buchmesse soll es noch richtige Bücher geben.

Buchmesse

Frankfurt: Digitale Buchmesse als Test

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Die Frankfurter Buchmesse findet in diesem Jahr vor allem online statt. Die Eintrittspreise auf dem Messegelände werden „extrem gesenkt“.

Genau 71 Jahre nach ihrer Gründung steht die traditionsreiche Frankfurter Buchmesse vor einem grundsätzlichen Wandel. 2020 wird sich das größte Medientreffen der Welt, erzwungen durch die Corona-Pandemie, weitgehend ins Internet verlagern. Doch Buchmessendirektor Juergen Boos machte in einer Online-Pressekonferenz deutlich: Die diesjährige „Special Edition“ vom 14. bis 18. Oktober ist nur „eine Art Test“, ein „Blick in die Zukunft“, wie der 59-Jährige sagte. Künftig wird sich die Buchmesse mehr und mehr in den sozialen Medien abspielen, die physische Präsenz auf dem Frankfurter Messegelände könnte an Bedeutung verlieren. Boos: „Wir werden in diesem Jahr viel lernen können.“

Die Bundesregierung unterstützt die Wandlung der Messe mit einer erklecklichen Summe. Zwei Millionen Euro gibt Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) an Zuschuss für den Ausbau der digitalen Angebote, weitere zwei Millionen Euro fließen 2020 in eine kleine physische Präsenz auf dem Messegelände. Diese finanzielle Unterstützung erlaubt der Buchmesse ein bemerkenswertes Lockangebot: Die digitalen Zusatzleistungen seien für die Verlage kostenfrei nutzbar, sagte Boos.

Der Manager bemühte sich, die Entwicklung positiv zu zeichnen: „Wir haben jetzt die einmalige Chance, die Weichen für die nächsten Jahre zu stellen.“ Er hob hervor, dass bei aller forcierten Digitalisierung die Buchmesse „eine politische Plattform“ bleibe. Gerade in diesem Jahr werde es in den online gestreamten Diskussionen stark um europäische Solidarität gehen.

Es wird auch in diesem Jahr auf dem Messegelände Publikumstage für die Allgemeinheit geben, das Wochenende 17. und 18. Oktober. Allerdings lassen die derzeit geltenden Corona-Einschränkungen nur 20 000 Menschen gleichzeitig auf der Buchmesse zu, damit sind Besucher, Verlagsmitarbeiter, Sicherheits- und medizinisches Personal gemeint. Zum Vergleich: Sonst kamen an den Messetagen insgesamt 300 000 Menschen. Genutzt werden lediglich die Messehallen 3, 4 und 6 auf jeweils zwei Ebenen.

Buchmesse

Die Frankfurter Buchmesse 2020 wird vom 14. bis 18. Oktober sowohl digital als auch auf dem Messegelände ausgerichtet. Wegen der Corona-Pandemie werden viele Angebote ins Internet verlagert, die physische Schau wird nur klein ausfallen. Genutzt werden lediglich die drei Messehallen 3, 4 und 6.  Es entfallen der Gastland-Pavillon auf der Ebene 1 des Forums, das Lesezelt auf dem Freigelände, der Weltempfang und das große ARD-Forum.

Nachdem alle großen deutschen Verlagsgruppen, aber auch US-amerikanische Aussteller und viele aus Fernost keine Stände auf dem Messegelände aufbauen wollen, ist unklar, wie viele Verlage überhaupt anreisen. Boos wollte auf Nachfrage keine Angaben dazu machen, wie viele Aussteller sich bisher angemeldet haben. Er sprach von großem Interesse im europäischen Raum, unter den deutschen Verlagen sei „das Bild gemischter“.

Um überhaupt Besucher aufs Gelände zu locken, sollen die Eintrittspreise „extrem gesenkt“ werden. Wer das Areal betreten möchte, muss zuvor in einem Fragebogen Auskunft über seinen Gesundheitszustand geben. Nach den derzeit geltenden Corona-Vorschriften müsste beim Messebesuch eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Die Veranstalter hoffen, dass diese Einschränkungen bis Oktober fallen. Sollte die Buchmesse in den nächsten Wochen doch noch abgesagt werden müssen, bekommen die Verlage bis zum 15. August die Standmiete komplett erstattet.

Für die konkrete Organisation dieser „Special Edition“ gibt der Direktor das Motto aus: „Wir müssen experimentieren.“ Boos versicherte, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels werde wie gewohnt in der Paulskirche verliehen und der Deutsche Buchpreis zuvor im Kaisersaal des Römers. Das „Bookfest“, das begleitende Veranstaltungsprogramm der Messe, wandelt sich am 17. Oktober zu einem großen Onlineprogramm, „16 Stunden für die ganze Welt von Asien bis Los Angeles“, wie Buchmessen-Sprecherin Katja Böhne ankündigte. 60 Internet-Trailer sind geplant, überwiegend vorproduziert. Es soll allerdings auch physische Veranstaltungen im Stadtgebiet geben.

Ab Mitte August können Verlage Veranstaltungen anmelden. Ebenfalls im Internet offeriert die Messe auch „Themen-Specials“, geordnet nach Fachgebieten wie „Krimi, Kinder, Politik, Reise, Kochen“.

Kommentare