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Frankfurt: Diesterwegschule hat keinen Pausenhof

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Von: Stefan Behr

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Der Schulhof der Diesterwegschule – hier ein paar Tage vor Schulanfang – sieht immer noch so aus.
Der Schulhof der Diesterwegschule – hier ein paar Tage vor Schulanfang – sieht immer noch so aus.Foto; Enrico Sauda © Enrico Sauda

Der Schulbeginn in der Ginnheimer Container-Diesterwegschule ist von Elternprotest begleitet

Das Schönste an der Schule sind zweifellos die Pausen. Was man schon daran erkennen kann, dass ein Großteil der ehemaligen Eleven diese Erkenntnis bis ins Arbeitsleben bewahrt und beherzigt. Für die Schülerinnen und Schüler der Diesterwegschule in Ginnheim, die gestern ihren ersten Schultag hatten, könnte es hingegen etwas dauern, bis sie dieser Lebensweisheit teilhaftig werden. Denn ihrer Schule fehlt leider ein Pausenhof.

Was klingt wie ein Schildbürgerstreich, ist schon seit Tagen ein Aufreger in dem sonst eher entschleunigten Stadtteil. Aber seit vor etwas mehr als einer Woche bekannt wurde, dass die Schule keinen Hof hat, unterhalten sich Fuchs und Hase nun über die Diesterwegschule, ehe sie sich Gute Nacht sagen.

Flugblätter kursieren, die fragen: „Ist das euer Ernst?“. Aus vielen Fenstern hängen selbst gemachte Laken, auf denen „Aua! Ich hatte Pause!“ noch eine der harmloseren Formulierungen ist.

Die Eltern sind am Dienstagmittag gekommen, um ihre Kinder nach dem ersten Schultag abzuholen. Jetzt stehen sie auf dem Weg vor der hoflosen Schule, und das Dilemma wird deutlich. Klingelnde Fahrradfahrer sind noch das kleinste Problem. Der Baustellenverkehr in der ansonsten verkehrsarmen, von Schrebergärten geprägten Ecke ist ein weit größeres, lebensgefährliches.

In einem offenen Brief an die Verantwortlichen hatten die Eltern vorgeschlagen, „ein, zwei der relativ großen Schrebergärten, die teils nicht genutzt werden, übergangsweise als Schulhof zu nutzen. Dafür müssten schnell die Besitzer ausfindig gemacht werden“.

Vanessa Vollrath, stellvertretende Vorsitzende des Schulelternbeirats der Diesterwegschule, sagt, dass dieser Vorschlag seitens der Stadt nur auf verhaltene Begeisterung gestoßen sei. Dafür sei die Zeit zu knapp, denn noch im Herbst, so habe es geheißen, könne ein begehbarer Pausenhof fertiggestellt werden. Aber der Herbst ist ein dehnbarer Begriff, und zudem, sagt Vollrath, hätten sich bereits zwei Gartenbesitzer bei der Schule gemeldet, die bereit seien, ihre Parzellen zur Verfügung zu stellen.

Ein weiterer Vorschlag lautet, zumindest während der Pausen die Straße zu den Kleingärten, die vom Baustellenverkehr ohnehin nicht genutzt wird, zu sperren. Passiert ist bislang noch nichts von alledem.

Auch andere Fragen bleiben offen, die die Eltern in ihrem Brief formuliert haben: „Wie soll der Unterricht in den hellhörigen Containern stattfinden, wenn parallel draußen Bauarbeiter noch monatelang einen Schulhof bauen? Wo sollen die Kinder ihre Fahrräder und Roller abstellen?“

Die kommissarische Schulleiterin Josefa Maria Hybner-Kauß ist mit der gegenwärtigen Situation für ihre rund 400 Schülerinnen und Schüler auch nicht glücklich. Die Sanierung des alten Schulgebäudes, die den Umzug in die Container-Penne nötig gemacht hatte, kann noch Jahre dauern – gut möglich, dass die gestern eingeschulten Kinder dort ihre komplette Grundschulzeit verbringen werden. Das zuständige Amt für Bau und Immobilien – das gestern bis Redaktionsschluss nicht erreichbar war – habe von Lieferproblemen der Baufirma gesprochen.

Sie muss sich derzeit mit einer Politik der kleinen Schritte zufriedengeben. In Gesprächen habe man erreicht, dass jetzt zumindest entlang der von den Baulastern genutzten Ginnheimer Waldgasse ein kleiner Pfad innerhalb des Schulgeländes zur Schulkantine führt. Der ist zwar eine einzige Schotterpiste, aber wenigstens laster- und bauarbeitenfrei.

Für Freitagmorgen haben die Eltern einen Demonstrationszug geplant, der vom alten zum neuen Schulhaus führen soll, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

In Ginnheim selbst gibt es zu dem Thema allerdings ohnehin bereits jetzt keine zwei Meinungen. Allen, die die Schule in ihrer derzeitigen Form auch nur von außen gesehen haben, ist klar, dass Unterricht oder auch nur Ähnliches dort unmöglich ist.

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