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Frankfurt: Die zweite Miete steigt dramatisch an

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Von: Florian Leclerc

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Stephan Griebel-Beutin, Conny Petzold und Katharina Wagner (von links) bei der Diskussion. Boeckheler
Stephan Griebel-Beutin, Conny Petzold und Katharina Wagner (von links) bei der Diskussion. Boeckheler © christoph boeckheler*

Das erhöhte Wohngeld und eine Beratung zu Betriebskosten sollen die Belastung abfedern. Das soll kein Almosen, sondern sozialstaatliche Leistung sein.

Angesichts drastisch steigender Nebenkosten empfiehlt Conny Petzold vom Verein Mieter helfen Mietern den Betroffenen, eine Beratung in Anspruch zu nehmen. „Nicht jede Anpassung bei der Heizkostenvorauszahlung muss gerechtfertigt sein“, sagte sie bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wohnen in Frankfurt wird teurer, die Heizkosten explodieren“ im Rahmen der Serie „Gemeinsam durch den Winter – ist der soziale Frieden in Frankfurt in Gefahr?“ am Dienstagabend im Haus am Dom.

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG hat dieser Tage Briefe verschickt, in denen sie eine Heizkostenvorauszahlung von 110 Prozent zusätzlich verlangt. „Wir empfehlen den Mietern, die Erhöhung nicht zu zahlen und Belege zu fordern“, sagte sie. Damit sollen ungerechtfertigte Erhöhungen ausgeschlossen werden. Eine Zahlung müsse erst erfolgen, wenn die Nachweise erbracht seien.

Die steigenden Preise bei der „zweiten Miete“, den Betriebskosten, stellten die Menschen vor große Probleme, führte Petzold aus. Angst vor Wohnungsverlust und einer Schuldenfalle machten sich breit. Die Menschen seien vermehrt auf staatliche Unterstützung angewiesen.

Petzold kritisierte auch die Drosselung der Heizungsleistung in den ABG-Wohnungen auf 20 Grad am Tag und die Temperaturabsenkung in der Nacht. Während gesunde Menschen damit zurechtkämen, könnten Gesundheitsprobleme für Alte, Kranke oder Kleinkinder die Folge sein.

„Es gibt Menschen, die brauchen mehr als 20 Grad. Das ist tatsächlich ein Problem“, sagte Katharina Wagner aus dem Dezernat Planen, Wohnen und Sport. Das Dezernat könne der ABG keine Anweisungen erteilen, sei aber mit dem Unternehmen im Gespräch, um eine Lösung zu finden. Wagner warb dafür, eine Betriebskostenberatung beim Amt für Wohnungswesen oder der Stabsstelle Mieterschutz in Anspruch zu nehmen. Hoffnung setzt sie auf die Wohngeldreform, die zum 1. Januar 2023 greift. Dann können zwei Millionen Haushalte statt bisher 600 000 in Deutschland das Wohngeld beantragen. Der Wohngeldbetrag wird außerdem verdoppelt.

Wie Stephan Griebel-Beutin vom Caritasverband Frankfurt ausgerechnet hat, könnten in Frankfurt 60 000 bis 80 000 Menschen von Januar an Anspruch auf Wohngeld haben. Das Wohngeld sei „kein Almosen“, betonte er, sondern eine sozialstaatliche Leistung. Der Caritasverband werde seine Beratungen wie etwa zum Stromsparcheck ausweiten, kündigte er an.

Auch Mobilität preiswerter

Auf Nachfrage der Journalistin Katja Sturm meldete sich Michael Boedecker von der Nachbarschaftshilfe Nordend Bornheim Ostend zur Wort: „Ein Mietpreisdeckel würde den Menschen helfen,“ Unternehmen wie die Vonovia, die es sich leisten könnten, könnten die Mieten um ein Euro pro Quadratmeter senken.

Zustimmung kam von Conny Petzold: Neben einem Energiepreisdeckel und einem Mietpreisdeckel sei die Mietabsenkung sinnvoll, um sozialen Härten abzufedern, sagte sie.

Veranstaltet wurde die Podiumsdiskussion von der katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Limburg, der katholischen Akademie und der katholischen Stadtkirche. Die Frankfurter Rundschau ist Medienpartnerin. Die nächste Diskussion ist am 14. Dezember um 19 Uhr im Haus am Dom zum Thema: „Wie kann Mobilität in Frankfurt preiswerter, ökologischer und krisenfester werden?“

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