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Sonnenschein in Frankfurt am Main
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Frankfurt in der Sonne – und während der Corona-Pandemie. 

Corona-Krise

Frankfurt in Corona-Zeiten: Die verunsicherte Stadt

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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  • Thomas Stillbauer
    Thomas Stillbauer
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Frankfurt im Frühling 2021: Die Corona-Inzidenz steigt, der Einzelhandel verlangt Öffnungen, Spaziergänger sehnen sich nach Abstand. Ein Stimmungsbild.

Frankfurt – An manche Sachen gewöhnst du dich nie. Schon gar nicht an Corona. Der dreizehnte Monat der Pandemie hat hier bei uns begonnen, und die Orientierungslosigkeit nimmt eher noch zu. Was darfst du, was nicht? Was durftest du zwischendurch und darfst es jetzt nicht mehr? Was willst du eigentlich dürfen – und was sollen die anderen endlich nicht mehr dürfen? Szenen aus einer verunsicherten Stadt, Notizen aus Frankfurt.

Die drei Jungen treffen sich regelmäßig auf dem kleinen Basketballfeld im Seckbacher Huthpark. Sie spielen zwei gegen einen, immer nach zehn Punkten bildet sich das Zweierteam neu. Aber dürfen sie eigentlich hier spielen? Sie kommen aus drei verschiedenen Haushalten. Und spielt es vielleicht eine Rolle, dass einer der Jungen erst 13 Jahre alt ist? Die Basketballspieler zucken mit den Schultern.

Frankfurt in der Corona-Pandemie: Jugendliche kennen Kontaktbeschränkungen nicht

Dass die Osterruhe abgesagt ist, haben sie ein paar Tage zuvor mitbekommen. Aber die aktuellen Kontaktbeschränkungen in Hessen kennen sie nicht – genau genommen wissen die wenigsten Menschen, was gerade erlaubt ist. Vor einem Jahr, im ersten Lockdown, hatte die Stadt den Basketballplatz mit Flatterband abgesperrt. Das wirkte etwas hilflos, zumal die Befestigungen nie lange hielten. Aber die Jungen aus Seckbach haben das Verbot akzeptiert. Auf den Seiten der hessischen Landesregierung könnten sie nun nachlesen, dass sie eigentlich nicht spielen dürfen, weil Freizeitsport nur „ allein, zu zweit oder mit den Mitgliedern aus zwei Hausständen“ erlaubt ist. Doch nach einem Jahr Pandemie haben die Basketballer darauf keine Lust mehr.

„Maximal zwei Kunden.“ Steht an den Bäckerläden und meint selbstverständlich auch Kundinnen. Entweder interessiert das manche Leute nicht, oder sie können nicht bis zwei zählen, oder sie können nicht lesen, oder sie können sehr gut lesen und legen die Worte auf die Goldwaage. Wie auch immer: Ein Paar betritt die Bäckerei. Darinnen befindet sich bereits ein Kunde. Er bittet höflich um Verzeihung und weist darauf hin, dass nur zwei Personen erlaubt seien; momentan handle es sich jedoch um derer drei.

Frankfurt in der Corona-Pandemie: Sieben-Tage-Inzidenz steigt

Nun könnte der Hereingekommene trefflich sagen: „Da steht Kunden. Meine Frau ist aber Kundin.“ Das sagt er aber nicht. Er könnte auch sagen: „Wenn ich positiv wäre, wäre sie auch positiv, wenn ich negativ bin, ist sie auch negativ, es macht also keinen Unterschied.“ Sagt er auch nicht, und das wäre natürlich sowieso Unsinn. Was er sagt, lachend, ist: „Wir sind nur eine Person.“ Corona, so romantisch. Schon fast ansteckend romantisch.

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt und steigt. Auch in Frankfurt. Vor ein paar Wochen noch hatte die Stadtregierung stolz verkündet, dass es in keiner Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohner:innen so wenige Fälle gebe wie in Frankfurt. Am 19. Februar lag die Stadt bei 49,4 Neuinfektionen pro 100 000 Menschen innerhalb einer Woche. Ziel sei es, dauerhaft unter die Grenze von 50 zu kommen, hieß es seinerzeit. Das misslang. Am Mittwochmittag beträgt die Inzidenz für Frankfurt 146. Auf den Intensivstationen in Frankfurt liegen 75 Menschen, die an Covid-19 leiden. 26 von ihnen werden beatmet, 35 Betten sind noch frei. Das sind die Zahlen zur Krise.

Frankfurt in der Corona-Pandemie: Unklarheit über Impfung bei Hausärzt:in

Die Impfung. Her damit. Aber wo und wann? Bei Hausärztinnen und Ärzten, von heute an. So viel ist klar. Nur leider nicht in allen Praxen. Anruf beim eigenen Hausarzt: Kann ich kommen, kann ich das Serum haben? Weiß sie nicht, sagt die Sprechstundenhilfe. Dazu seien noch keine Informationen gekommen. Aha, und jetzt? Weiß sie auch nicht. Freunde haben bei ihrer Hausärztin angerufen, in einer anderen hessischen Stadt. Wie ist es dort gelaufen? „Wir haben einen Impftermin.“ Erstaunlich. Die Freunde sind weder über 70 Jahre alt, noch aus irgendeinem anderen Grund den Priorisierungsgruppen 1 oder 2 zuzurechnen. Es gebe, was die vorgeschriebene Reihenfolge betrifft, einen gewissen Graubereich in den Praxen, stand gestern in der FR. Das stimmt.

Frankfurt in der Corona-Pandemie: Shopping – mal mit Click & Meet, mal mit Click & Collect, mal gar nicht.

Bisweilen ist von einem Kontrollverlust des Staats die Rede. Gibt es den? Am frühen Abend am Mainufer sieht es fast danach aus. Es ist Frühling geworden in Frankfurt, und wie immer um diese Jahreszeit zieht es Tausende an den Fluss. Sie stehen zusammen, hören Musik, essen und trinken etwas, manche tragen Maske, andere nicht. Wie viele Verstöße gegen die Corona-Regeln zwischen Westhafen und Hafenpark zusammenkommen, lässt sich gar nicht mehr zählen. Doch die Polizei zeigt keine Präsenz.

Frankfurt in der Pandemie: Mütter helfen immer gegen Corona

Wenig später aber wird es im Günthersburgpark hektisch. Vier Mannschaftswagen fahren vor, Polizistinnen und Polizisten leuchten den Park mit großen Taschenlampen aus. Die vielleicht 100 oder 200 Menschen, die sich hier getroffen hatten, packen zusammen und gehen. Warum wird hier kontrolliert und dort nicht? Warum kassiert die Stadtpolizei von Menschen Bußgeld, die allein auf weiter Flur sind und keine Masken tragen, aber beendet nicht das muntere Treiben an jenem Abend am Main? Vermutlich weil sie nicht annähernd so viel Personal hat, wie sie bräuchte, um ständige Präsenz zu zeigen. Dass die Corona-Regeln überall durchgesetzt werden können, ist eine Illusion in diesen Tagen.

Was jedenfalls immer hilft gegen Corona: Mütter. Wer beispielsweise Heuschnupfen hat, den trifft gerade jetzt ein erhöhtes Infektionsrisiko. Nicht mit Heuschnupfen, sondern mit Covid-19. Starker Pollenflug schwächt die körpereigene Abwehr von Allergikern. Greifen dann Viren über die Atemwege an, kann sich der Organismus nicht mehr so gut wehren. Ein Forschungsteam stellte vier Prozent mehr Corona-Infektionen fest, wenn mehr als 100 Pollen pro Kubikmeter herumschwirrten. Das wusste der Sohn. Was ihm nicht einfiel: „Maske tragen – auch draußen!“ Fazit: Wer solche Anweisungen der Mutter auf seinen frühmorgendlichen Spaziergängen befolgt, bleibt nicht nur von Corona verschont. Er hat auch plötzlich viel weniger Allergiebeschwerden.

Frankfurt wird doch keine Modellstadt in der Corona-Pandemie

An einem Donnerstag kurz nach einer weiteren Bund-Länder-Konferenz ruft Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) bei der Presse an. Der Politiker wirkt entschlossen. Frankfurt, so sagt er, müsse nun Modellregion für kontrolliertes Öffnen werden. Ähnlich wie Tübingen sollen die Menschen wieder in die Kneipen und in die Theater gehen dürfen, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen können. Das Land hat in Aussicht gestellt, dass drei Kommunen solche Regelungen anbieten können, Frankfurt müsse unbedingt dabei sein, fordert Feldmann.

Unterstützung bekommt er von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne), der eigentlich eher vorsichtig ist. Doch vor allem bei Twitter hagelt es Kritik. „Modellprojekt ist nur ein anderes Wort für Durchseuchung“, schreibt etwa die Stadtverordnete Jutta Ditfurth (Ökolinx). Am Ende erübrigt sich die Diskussion. Die Landesregierung hatte offenbar nie vor, Metropolen wie Frankfurt oder Wiesbaden zu Modellregionen zu machen. Sie entscheidet sich für: Dieburg, Alsfeld und Baunatal. Ob Stefan Majer unglücklich ist?

Frankfurt in der Corona-Pandemie: Auch neue Läden öffnen

In einem Stadtteil hat ein kleiner Laden aufgemacht. Wir verraten lieber nicht, in welchem Stadtteil. Wir verraten auch lieber nicht, was für ein Laden. Es besteht nämlich eine gewisse Unsicherheit darüber, ob dieser Laden überhaupt geöffnet sein darf. Dürfte er nicht, wäre es schon eine beachtliche Leistung, dass er seit zwei Monaten läuft. Und wie läuft er? „Es geht“, sagt der Inhaber. Wie kommt er überhaupt auf die Idee, mitten in der Pandemie ein Geschäft zu eröffnen? Andere machen zu, weil sie nichts mehr verkaufen können – er macht auf. „Mit Arbeit ist es generell schwierig zurzeit“, sagt er. Dann stand plötzlich dieser kleine Laden leer. „Wir haben gesagt: Versuchen wir’s.“ Eigentlich, sagt er, hätte er früher aufmachen sollen.

Frankfurt in der Corona-Pandemie: Testcenter gibt es viele, doch wo ist der Abstrich kostenlos?

Die Orte, an denen üblicherweise konsumiert wird, was er verkauft, sind nämlich schon lange geschlossen. Der kleine Laden ist insofern typisch und doch untypisch für Corona-Frankfurt. Für ihn ist es fraglich, wie es weitergeht, das gilt für alle – aber für ihn könnte es schwieriger werden, wenn das normale Leben zurückkehrt. Wer eine Nische gefunden hat, jetzt, der hat es nicht mehr so eilig mit dem Ende der Pandemie, zumindest beruflich.

Frankfurt in der Corona-Pandemie: Gewerbevereine fordern Öffnung

Es ist die pure Verzweiflung, die aus dem Brandbrief der Frankfurter Gewerbevereine spricht. Der Tenor lässt sich auf vier Wörter zusammenfassen: Wir müssen jetzt öffnen! Die Interessensvertretung des Einzelhandels in den Stadtteilen verschickt das Schreiben an den Ministerpräsidenten und den Gesundheitsminister. An den Oberbürgermeister und den Wirtschaftsdezernenten. „Wir werden bald nicht mehr da sein.“ So beginnt der Brief. Doch eine Öffnung der Geschäfte erscheint in weiter Ferne. Wie viele Läden wird es in Bornheim, Bockenheim und Sachsenhausen noch geben, wenn das alles vorbei ist?

Abstand, bitte. Das haben wir gelernt, das haben wir intus. Wirklich? Wer am Main oder an der Nidda spazierengeht, wird ins Zweifeln geraten. Ganz, ganz selten kommt es vor, dass ein entgegenkommendes Paar in den Gänsemarsch wechselt, um genug Abstand zu anderen Passant:innen zu halten. Oft genug halten das selbst Dreiergruppen nicht für nötig, auch wenn man einander dann im Vorübergehen berührt. Es ist ja nur ganz kurz.

Aber es gibt doch inzwischen die Virusmutationen, die bekanntermaßen viel ansteckender, ja, „viel tödlicher“ sind – eine interessante Formulierung, das nur am Rande. Tödlich, tödlicher. Am tödlichsten. Toter als tot geht nicht. Wenigstens nicht einatmen, wenn jemand zu nahe kommt, oder ist das Quatsch? Wie lang muss man dem Virus ausgesetzt sein, damit es seine volle Tödlichkeit entfalten kann? Und warum machen sich die anderen Spazierenden über so etwas offenbar gar keine Gedanken? Die schmalen Wege draußen, bevölkert wie noch nie. Und bald der Sommer.

Frankfurt in der Corona-Pandemie: Wird der Hafenplatz zum neuen Opernplatz?

Wird der Hafenpark zum neuen Opernplatz? Vorigen Sommer hatten sich die Menschen abends vor dem Konzerthaus getroffen – bis die Stimmung kippte und es Randale gab. Nun kommen vor allem junge Leute in dem Park unweit der EZB zusammen. Auch da gab es schon Handgreiflichkeiten, vor allem aber werden die Corona-Regeln nicht eingehalten. Die Stadt schickt jetzt zahlreiche Übungsleiter der Sportjugend in den Park, kräftige Typen, die autoritär auftreten können und an die Maskenpflicht und andere Vorgaben erinnern.

Polizeipräsident Gerhard Bereswill findet das gut. „Sich draußen zu treffen, ist keine Straftat, deshalb sehe ich hier auch polizeiliche Maßnahmen nicht an erster Stelle“, sagt er. Doch wie lange geht das gut, wie kooperativ werden die Jugendlichen bleiben, wenn in zwei, drei, vier Monaten immer noch keine Clubs geöffnet sind und sie – eigentlich – noch nicht einmal Alkohol trinken dürfen im Hafenpark? Die Stadt sagt, sie prüfe ob „einzelne große Sporthallen für coronakonforme Mitternachtssport-Aktivitäten geöffnet werden können“. Das hieße dann Training an Rudergeräten und Ergometern. Ob es das ist, was die Jugendlichen wollen?

Frankfurt in der Corona-Pandemie: Klare Regeln – an die sich manche nicht halten.

Frankfurt: Viele Corona-Testcenter, wenig kostenlose Tests

Was ist eigentlich mit den Tests? Ein Abstrich pro Woche ist kostenlos, und Testcenter gibt es mittlerweile gefühlt an jeder Ecke. Doch wer etwa über die Website des Arbeiter-Samariter-Bundes einen kostenlosen Test ausmachen will, wird enttäuscht. Der nächste freie Termin in einem der drei Frankfurter Zentren der Hilfsorganisation sei der 6. April, heißt es am Mittwochmittag. Das ist in einer Woche. Einen bezahlten Antigentest hingegen bekäme man wesentlich schneller. Für 42,50 Euro. Bei anderen Organisationen sieht es etwas besser aus. Aber der Weg zum schnellen Schnelltest führt nur über viele Klicks im Internet.

Nach den Osterferien sollen die Kinder an den hessischen Grundschulen wieder für fünf Tage in den Unterricht. Eigentlich. Ob das klappt, weiß niemand. Zumal die Lehrerinnen und Lehrer doch überwiegend mit Astrazeneca geimpft werden, was jetzt nur noch den älteren Menschen vorbehalten ist. Wenn es aber keinen Unterricht an allen Tagen geben sollte, müssten die Eltern langsam mal nach einer alternativen Betreuung Ausschau halten. Das Thema dominiert die Whatsapp-Gruppen, in denen sich die Mütter und Väter der einzelnen Klassen austauschen. Belastbare Antworten hat niemand, Lösungen erst recht nicht.

Das gilt für so viele Fragen, die die Menschen in Frankfurt derzeit beschäftigen. (Georg Leppert, Thomas Stillbauer)

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