1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: „Die Ukraine sieht euch“

Erstellt:

Von: Jana Ballweber

Kommentare

Tausende Schülerinnen und Schüler protestierten gegen Krieg. christoph Boeckheler (2)
Tausende Schülerinnen und Schüler protestierten gegen Krieg. christoph Boeckheler (2) © christoph boeckheler*

Kinder und Jugendliche demonstrieren in Frankfurt für Frieden.

Ein sofortiger Stopp des Krieges, sichere Fluchtrouten und Deutschlands Unabhängigkeit von fossilen Ressourcen: Die Forderungen, mit denen Frankfurter Schüler:innen am Mittwoch auf die Straße gingen, waren nicht gerade klein. Doch überall ist spürbar: Wenn die große Politik Einfluss auf das Leben der Kinder und Jugendlichen nimmt, wollen sie mitreden.

Die Demonstration zog vom Opernplatz zum Römer. Nach Angaben der Organisator:innen waren etwa 2500 bis 3000 Schüler:innen gekommen, die Polizei sprach von 1300 Demonstrierenden. Sprechchöre richteten sich gegen Nationalismus und Aufrüstung und warben für Solidarität. Auf Plakaten, viele in den ukrainischen Nationalfarben blau und gelb, bekräftigten die Teilnehmer:innen ihre Solidarität mit der Ukraine und ihre Wut auf Wladimir Putin.

Nicht die russische Bevölkerung sei für den Krieg verantwortlich, sondern der russische Präsident, betonten auch die Redner:innen: „Unsere Demo richtet sich nicht gegen Russland, sondern einzig und allein gegen den Diktator Putin.“ Dieser sei schuld daran, dass Kinder, denen schon zwei Jahre Pandemie den Zugang zu Bildung erschwert hätten, nun wieder darauf verzichten müssten. „Wir fordern sichere Flucht-routen aus den umkämpften Städten, besonders für Kinder“, sagte Anouk Niederberger, Mitorganisatorin und Schülersprecherin der Ziehenschule, zum Auftakt der Kundgebung. Die Kinder, die in Deutschland Zuflucht finden, sollten so schnell wie möglich in den Schulalltag integriert werden.

Für das Recht auf Bildung demonstrieren und dafür selbst auf die eine oder andere Schulstunde verzichten? Für die Protestler:innen kein Widerspruch: „Wenn Menschen sterben, gibt es Wichtigeres als Schule“, sagte Diana, Neuntklässlerin der Musterschule. Sie habe Familie in der Ukraine. „Meine Verwandten erzählen uns die ganze Zeit, was vor sich geht. Besonders in Kiew ist es schlimm.“ Auch zwei Zwölftklässlern ist an diesem Tag die Solidarität wichtiger als der Schulbesuch: „Hier passieren Völkerrechtsbrüche und Menschenrechtsverletzungen. Da können wir nicht einfach seelenruhig weitermachen, als wäre nichts gewesen.“

Von Eltern unterstützt

Drei Achtklässler:innen der Freien Waldorfschule Frankfurt waren mit einer Entschuldigung ihrer Eltern gekommen: „Meine Eltern finden das gut, dass ich hier bin“, berichtete Yannik Kessler. Es sei ihm wichtig, dabei zu sein, weil ihn die Geschichten aus der Ukraine an das erinnern, was seine Großeltern aus dem Zweiten Weltkrieg erzählten. Vieles am Krieg fühle sich für die Jugendliche sehr nah an. Ida Hübner fügte hinzu: „Ich habe einen Bruder, und fände es einfach schrecklich, wenn ich mich von ihm trennen müsste, weil er in den Krieg ziehen muss.“

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Römer kamen zwei Schülerinnen mit ukrainischen Wurzeln zu Wort. Jewa und Anastasia wurden in der Ukraine geboren und haben noch viele Familienangehörige in den umkämpften Gebieten. „Wir legen uns jeden Abend ins Bett und müssen uns keine Sorgen machen, ob wir morgen wieder aufwachen. Gleichzeitig sitzen Menschen woanders in Bunkern und finden keine Ruhe“, beklagten sie. Vom Mut ihrer Landsleute im Kampf für Freiheit und Demokratie seien sie beeindruckt. An die Menschen in Deutschland hatten die Schülerinnen eine Botschaft: „Spendet. Geht weiter auf Demos, seid weiterhin so laut. Die Ukraine sieht euch.“

Im Anschluss an die Reden gedachten die Teilnehmer:innen der Kriegsopfer mit einer Schweigeminute und sammelten Spenden, die dem „Bündnis Entwicklung hilft“ zugutekommen sollen.

Auch interessant

Kommentare