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Hohe Spritpreise treffen Frankfurter Bevölkerung: Umstieg auf E-Autos keine Lösung

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Von: Jana Ballweber, George Grodensky

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Benzinpreise erreichen neue Höchststände.
Benzinpreise erreichen neue Höchststände. © Christoph Boeckheler

Autofahrer:innen in Frankfurt ärgern sich über die Benzinpreise. Taxi- und Carsharing-Unternehmen würden gerne auf E-Autos umsteigen – es gibt aber ein Problem.

Frankfurt – Die Preistafel an der Tankstelle ist ein beliebtes Fotomotiv. Also, die Preise jenseits der Zwei-Euro-Grenze. Unter denen, die im Stadtteil Griesheim tanken müssen, ist der Frust groß. „Ich pendele jeden Tag von Mainz nach Frankfurt und muss allerspätestens um sieben Uhr anfangen, oft auch früher. Das ist mit Bus und Bahn so gut wie gar nicht machbar“, klagt ein Autofahrer. Er rechnet mit bis zu 120 Euro, die er jeden Monat mehr für Sprit ausgeben muss, sollten die Preise so hoch bleiben. Verständnis für die Steigerung hat er nicht: „Der Staat kassiert zu viele Steuern. Die Preise müssten nicht so hoch sein.“

Der Autoclub „Mobil in Deutschland“ sieht das genau so. Er hat eine Petition zur „Spritpreisbremse“ lanciert. „Ganz Europa hat im Moment niedrigere Preise als Deutschland“, sagt Präsident Michael Haberland. Er fordert, die Politik möge die Mehrwertsteuer senken oder die Mineralölsteuer aussetzen. „Auch das Aussetzen der Kraftfahrzeugsteuer wäre ein Ansatz.“

Hohe Spritpreise an Tankstellen: „Das muss jetzt für eine Zeit mal sein“

Lena Reiß an der Tankstelle in Griesheim sieht das anders. Auch sie könne auf das Auto nicht verzichten, da sie auf dem Land wohne. „Kurze Strecken machen wir sowieso mit dem Fahrrad, aber für längere Strecken brauchen wir das Auto. Bus und Bahn kann man auf dem Land total vergessen.“ Doch die politische Lage sei nun mal schwierig, und an den Preisen könne man fürs Erste nichts ändern: „Ich verstehe das. Das muss jetzt für eine Zeit mal sein.“

Angesichts der hohen Preise versucht Reiß aber, das Auto so wenig wie möglich zu nutzen; die finanzielle Belastung wäre zu hoch, würde sie einfach weitermachen wie bisher. Fahrten reduzieren will auch ein weiterer Autofahrer, der gerade seinen Tank füllt: „Sobald es in ein paar Wochen ein bisschen wärmer ist, steige ich aufs Fahrrad um, um zur Arbeit zu kommen. Ich bin froh, dass ich es nicht so weit habe. Ich weiß nicht, wie ich das sonst regeln würde.“

Taxis in Frankfurt stark von hohen Spritpreisen betroffen: E-Autos keine dauerhafte Lösung

Dem Frankfurter Taxigewerbe steht diese Option nicht offen. Überhaupt habe er „keinen Zauberstab im Tornister“, sagt Hans-Peter Kratz, der Vorsitzende der Taxivereinigung Frankfurt. Die Benzinpreise seien für seine Schützlinge alleine wegen ihrer Symbolik hart zu verkraften. „Das spürt man sofort im Portemonnaie.“ Die Branche liege derzeit bei 25 Prozent der Einkünfte von vor Corona, 2019.

Kratz seufzt. „Ein Taxi ist ja nicht nur ein Auto, das bewegt wird. Darin sitzt immer ein Mensch.“ Und den plagt nicht nur der Spritpreis, sondern auch die hohe Stromrechnung und Mehrausgaben im Supermarkt. 5000 solcher Menschen arbeiten in Frankfurter Taxis, hessenweit sind es rund 30 000. Beförderungstarife zu erhöhen, wie das etwa die Bahn gerne mache, sei im Taxigewerbe nicht so einfach. „Da kochen viele Köche mit.“

Dennoch hofft Kratz, die Bürokratie möge diesmal in den Hintergrund rücken und eine moderate Erhöhung ermöglichen. Angesichts der Benzinpreise die Flotte der E-Autos auszubauen, sieht Koch eher als mittelfristige Lösung. „Das steht und fällt mit der Ladeinfrastruktur.“ Auch privat sei es nicht ohne weiteres möglich, sich eine Wallbox, eine eigene Ladesäule, zu montieren, sagt Kratz. In der Innenstadt schon, aber nicht in den Randbezirken, da sei schnell das Netz überlastet. „Und ich kann mir ja kein Windrad hinters Haus stellen.“

Frankfurt: Carsharing-Betreiber hoffen auf Umdenken der Politik

Mehr Elektroautos einsetzen würde auch der Carsharing-Anbieter Book-n-Drive gerne. „Das lässt sich mit der aktuellen Ladeinfrastruktur aber nicht verwirklichen“, sagt Andreas Hornig, einer der zwei Geschäftsführer. Wegen der anhaltenden Preisspirale auf dem Spritmarkt hat das Unternehmen bereits im Vorjahr seine Preise um einen Cent pro gefahrenen Kilometer anheben müssen. Bislang reagiere die Kundschaft verständnisvoll.

In Sachen Elektromobilität hofft Hornig auf die Politik. Das neue Carsharing-Gesetz vom Oktober 2021 gibt der öffentlichen Hand mehr Möglichkeiten, Flächen für Carsharing auszuweisen. Jetzt müssten die Kommunen nur noch die Ladesäulen dazu bauen. „Carsharing-Anbieter können die Ladeinfrastruktur nicht mitbringen, das gibt das Geschäftsmodell nicht her.“ (Jana Ballweber, George Grodensky)

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