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Frankfurt: Die Tänzerin ist wieder schön

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Von: Thomas Stillbauer

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Sie ist so frei: die restaurierte „Tänzerin“ im Palmengarten.
Sie ist so frei: die restaurierte „Tänzerin“ im Palmengarten. © Renate Hoyer

Im Palmengarten findet auch die Kunst ihre Bewunderer und Sponsorinnen. Weitere Patenschaften sind erwünscht.

Es war einmal eine Tänzerin, die tanzte jahrein, jahraus im Palmengarten in der Nähe der Siesmayerstraße. Sie fand nicht viel Beachtung, gemessen an ihrer Schönheit, und sie war auch ein wenig in die Jahre gekommen. Was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass sie bald 120 wird.

Doch seit Mittwoch tanzt sie wieder in all ihrer jugendlichen Anmut und am würdigeren Ort, auf der Birkenwiese an der Weggabelung zum Blüten- und Schmetterlingshaus. Dass sie ihre Jugend zurückgewonnen hat, dafür haben mehrere tüchtige und wohlmeinende Leute gesorgt.

Etwa Rüdiger Weinelt aus Eschenburg. Er hat nicht nur die Patina von der bronzenen Schönen entfernt, sondern auch Körperteile ersetzt, die gelitten hatten. Wir können es Ihnen nicht ersparen, liebe Leserinnen und Leser: Ja, es musste geschweißt werden. Sechs Wochen war die Tänzerin bei Weinelts Kunstguss GmbH, nun tanzt sie wieder.

Großen Anteil daran haben Hildegard und Günter Prack. Seit langem bereits Förderin und Förderer der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, folgten sie dem Ruf des Palmengartens, Patenschaften für die dortigen Kunstwerke zu übernehmen. Die Leidenschaft des Paares gehöre der Musik, sagt Hildegard Prack, doch die Tänzerin habe ihnen einen „choc de coeur“ versetzt – salopp wiedergegeben: Sie waren schockverliebt in die 1903 von Arthur Lewin-Funcke geschaffene Figur, die eine Berlinerin später dem Palmengarten schenkte. Die Pracks trugen den Löwenanteil der 8300 Euro Sanierungskosten.

Mit 25 Euro ist man dabei

Die Sache mit dem Herzen und der Liebe trifft auch auf Valesca und Peter Schober zu, die ebenfalls einen Beitrag zur Genesung der Tänzerin leisteten. Auf die Frage, ob sie ein Faible für die Kunst hätten, sagt Valesca Schober: „Oh ja – und besonders ein Faible für den Palmengarten. Wir haben uns hier kennengelernt, und zu unserem 15-Jährigen habe ich ihm diese Patenschaft geschenkt.“ Manche Geschichten, die das Leben schreibt, sind so schön, die kannst du dir nicht ausdenken. Günter Prack gratuliert dem Mit-Gönnerpaar zum guten Geschmack. Und darauf die Schobers: „Ebenso!“

Die Tänzerin steht auf keinem Sockel, sie tanzt barfuß auf der Wiese. Zunächst habe sie etwas weiter hinten stehen sollen, sagt Palmengarten-Landschaftsgärtner Jörg Plaßmann, aber da habe sie in all ihrer Zierlichkeit verloren und kindlich gewirkt: „Sie musste in den Vordergrund.“ Palmengartendirektorin Katja Heubach freut sich: „Eine Erfrischung, sie so zu sehen.“ Und kündigt an, ihr im Garten der Kunst mehr Geltung zu verschaffen. Bislang werde sie mitunter von Kindern beklettert, die Kunst aber, wenn sie wieder in Schönheit erstrahle, lasse auch den Respekt wachsen: „Dann ist die Versuchung geringer, sich dranzuhängen wie ein Äffchen – an die Bäume und an die Kunst.“

In diesem Sinne ruft der Palmengarten auf, weitere Patenschaften für die 24 Kunstwerke auf dem Gelände zu übernehmen. Mit 25 Euro ist man dabei, 51 Sponsorinnen und Sponsoren haben bisher gut die Hälfte der nötigen 65 500 Euro gespendet. Zehn Kunstwerke warten noch auf ihre Verjüngungskur, etwa die Skulptur „Frühling“ von 1930, Pluto, dem ein Zeigefinger fehlt, und die dramatische Rettungsszene von Perseus und Andromeda.

Palmengarten-Kulturfrau Kirsten Grote-Bär wirbt mit Leidenschaft und Sachverstand um Beiträge: „Wir müssen schnell sein, sonst bekommt die Kunst Risse.“ Dann wird die Aufgabe ungleich schwerer. Perseus und Andromeda unterstreichen das. Sie haben zwar den Drachen zu ihren Füßen besiegt, sind aber auch nicht jünger geworden, und von Bäumen zugewachsen sind sie auch. Die Zweige, verspricht Grote-Bär, würden dann natürlich zurückgeschnitten. Der Palmengarten ist schließlich ein Ort für die kultivierte Stadtnatur – und für die Kunst.

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