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Jenny trabt gerne allein durch Fechenheim.

Tiere

Die Stute Jenny wird Filmstar

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Der Kurzfilm „The Walk“ porträtiert das Fechenheimer Pferd und seinen Halter. Ende Oktober wird der Film auf einem Festival gezeigt.

Nicht nur die Frankfurter kennen sie, die weiße Araberstute Jenny, die täglich alleine in Fechenheim unterwegs ist. Nun könnte das weiße Pferd noch berühmter werden. Denn über sie und ihren Halter ist ein Kurzfilm entstanden. „The Walk“ wird Ende Oktober auf den Internationalen Filmtagen im Bayerischen Hof aufgeführt.

Michael Jung hat den Film im Rahmen seiner Abschlussarbeit gedreht. Eine Bekannte aus Vancouver hatte ihm geschrieben, ob er schon von Jenny, dem freilaufenden Pferd aus Frankfurt, gehört habe. „Das sind doch Fake News, dachte ich erst, doch im Internet fand ich Berichte und Videos“, erinnert sich Jung. Der Regisseur, der an der Filmhochschule in Leeds seinen Master machte, suchte noch nach einem Thema. Die Geschichte interessierte ihn und er wollte außerdem mehr über den Besitzer des Tiers erfahren.

Also machte der Naturwissenschaftler, der erst vor einiger Zeit zum Film fand, sich von seiner Heimatstadt Bad Vilbel auf den Weg nach Frankfurt zu dem Haus von Werner Weischedel. Dort traf er ihn zwar nicht an, aber nicht weit entfernt – am Main in der Nähe der Straßenbahnendstation Schießhüttenstraße. Der 80-Jährige ritt auf Jenny und telefonierte.

So kam es, dass Jung im Sommer und Herbst 2019 immer wieder mit seiner Kamera nach Fechenheim fuhr, um Weischedel und Jenny aufzunehmen. „Ein Pferd zu filmen, ist gar nicht so einfach“, erläutert er. Aber es klappte und er begleitete die Stute auf ihrem täglichen Weg durch den Stadtteil. Durch die Gassen der Altstadt, entlang der Straßenbahnschienen bis hin zu den Wiesen am Mainbogen. Ein Zettel um ihren Hals weist darauf hin, dass Jenny nicht ausgerissen ist. Abends kehrt sie allein in den Stall von Weischedel zurück.

Viel Material

Der 80-Jährige erzählte Jung viel von seinem Leben. Auch das ist Teil des Films. Etwa wie er als Vierjähriger bei einem Bombenangriff auf Frankfurt verschüttet wurde, seine Mutter und Geschwister verlor. Wie er sich als Kind mit seinen Freunden heimlich in den Frankfurter Zoo schlich und am liebsten Tierpfleger geworden wäre. Das passte seinem Vater gar nicht, der wollte, dass er den heimischen Betrieb übernahm.

Zum Schluss hatte Jung viel mehr Material, als er verwenden konnte. „Ich musste gut auswählen.“ Die meisten Geschichten habe er in dem 12-minütigen Film nur anreißen können.

Gleichzeitig wollte Jung die fehlende Aufarbeitung des Krieges der Deutschen thematisieren. „Nachkriegsdeutschland war ja nicht nur Wirtschaftswunder“, betont er. Weischedel verarbeitete dieses Trauma seiner Meinung nach, in dem er Jenny die totale Freiheit lässt. So sei es auch ein Film über Selbstbestimmung – „dafür ist Jennys Leben eine Metapher“.

„The Walk“ ist vom 20. bis zum 25. Oktober in Hof zu sehen, bis zum 1. November können die Beiträge auch online abgerufen werden, gegen Bezahlung. Aber Jung führt schon Gespräche darüber, dass der Film ebenfalls in Frankfurt gezeigt wird.

walkwithjenny.de; hofer-filmtage.com

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