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Trotz aller Unwägbarkeiten bleibt Jan Deutschmann, Inhaber des Laufshops Leder auf dem Kornmarkt in Frankfurt, optimistisch.
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Trotz aller Unwägbarkeiten bleibt Jan Deutschmann, Inhaber des Laufshops Leder auf dem Kornmarkt in Frankfurt, optimistisch.

Einzelhandel

Frankfurt in der Corona-Pandemie: „Die Stadt ist wie ausgestorben“

  • Helen Schindler
    VonHelen Schindler
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In der Innenstadt von Frankfurt wartet der Einzelhandel auf Kundschaft. Durch die Corona-Krise gibt es rund um die Zeil hundert Leerstände. 

Frankfurt am Main - Nicht erst seit Corona gibt es in der Frankfurter Innenstadt viele Probleme, aber die Pandemie beschleunigt den Strukturwandel im Einzelhandel. Schlendert man dieser Tage durch die Innenstadt, über die Nebenstraßen der Zeil, trifft man kaum auf Menschen. Die allermeisten Geschäfte sind leer, die Mitarbeitenden warten auf Kundinnen und Kunden. Am Mittwochmittag ist das Wetter alles andere als einladend, fast durchgehend regnet es. Da lockt es kaum jemanden nach draußen, weder um die Außengastronomie zu nutzen, noch um einkaufen zu gehen. Noch scheint der Einzelhandel nicht davon zu profitieren, dass seit Montag ein Test nur noch empfohlen, aber nicht mehr verpflichtend ist, um shoppen gehen zu dürfen.

Aus dem Secondhandladen Aschenputtel gegenüber der Kleinmarkthalle kommt gerade eine Kundin; das Geschäft ist somit wieder leer. „Wir hoffen, dass am Wochenende, wenn das Wetter besser ist, wieder mehr los sein wird“, sagt Mitarbeiterin Nicole Reiter. Das Geschäft profitiere davon, wenn sich an der Kleinmarkthalle freitags und samstags viele Leute versammelten. Dass die Testpflicht nun weggefallen sei, sei eine Belastung weniger für die Kundinnen und Kunden, sagt Reiter. „Ich glaube, dass ganz viele kommen würden, wenn das Wetter mitspielen würde.“

Frankfurt: Internationale Touristinnen und Touristen fehlen wegen der Pandemie komplett

Reiter blickt auf deprimierende Monate zurück, „die Innenstadt war auf einmal so ausgestorben“. Internationale Touristinnen und Touristen fehlten komplett. Reiter hofft, dass die Menschen jetzt, wo die Außengastronomie öffnen darf, wieder Lust bekommen, sich schön zu kleiden und vor Ort zu stöbern. „Aber ein Teil des Konsums wird dauerhaft an den Onlinehandel verloren sein. Deshalb bauen wir gerade einen Onlineshop auf.“

Gefragt nach dem Zustand des Einzelhandels in der Frankfurter Innenstadt zieht Joachim Stoll, Vizepräsident des Handelsverbands Hessen-Süd, ein ernüchterndes Fazit: „Im Vergleich zu anderen deutschen Städten geht es speziell dem Frankfurter Einzelhandel besonders schlecht.“ Zurückzuführen sei das auf die Spezialisierung der vergangenen Jahre: Vor Corona seien in großer Zahl Messegäste und Touristinnen und Touristen, vor allem asiatische, in der Innenstadt bedient worden. Diese fehlten nun als Kundinnen und Kunden ebenso wie die zahlreichen Einpendler:innen.

Stoll: Hundert Leerstände rund um die Frankfurter Zeil seit Corona

Während es vor der Corona-Pandemie fast keinen Leerstand in der Innenstadt gegeben habe, seien es aktuell im Umfeld der Zeil hundert Leerstände, Tendenz steigend. Trotzdem sieht Stoll in der Innenstadt großes Potenzial. Aber: „Man muss sie pflegen.“ Er fordert ein kurz- und mittelfristiges Konzept für die Innenstadt, das sowohl ein „modernes Verkehrskonzept“ als auch ein Nutzungskonzept umfasst. „Die Stadt muss entwickelt werden. Sie lebt nicht mehr von alleine.“

Im Laufshop Leder am Kornmarkt wartet Inhaber Jan Deutschmann auf Kundschaft. „Der erste Tag, an dem wieder Click & Meet möglich war, war außergewöhnlich gut“, sagt er. „Aber jetzt ist es sehr, sehr ruhig.“ Ob das am Wetter liegt, vermag er nicht zu sagen. „Ich hatte das Gefühl, dass die Testpflicht eine Hürde für viele war. Dass es die nun nicht mehr gibt, ist eine Erleichterung – aber die wenigsten wissen davon.“

Frankfurt: Kaum Laufkundschaft im Laufshop Leder

Normalerweise hat Deutschmann viel Laufkundschaft. „Aber momentan ist es schon wenig. Die Stadt ist wie ausgestorben, es wird ja hier aktuell auch sonst wenig geboten, alles ist leer.“ In den vergangenen Monaten lebe er deshalb von seiner Stammkundschaft. Immerhin: Am Mittwoch seien zwei, drei Leute an seinem Geschäft vorbeigelaufen und spontan hereingekommen. „Es wird wieder mehr“, ist Deutschmann zuversichtlich.

Grundsätzlich sei er optimistisch, aber ihm sei auch bewusst, dass in der aktuellen Lage nichts mehr planbar sei. „Wir werden sehen, ob sich die Leute so sehr ans Onlineshoppen gewöhnt haben, dass sie gar nicht mehr in die Läden gehen wollen.“

Im Teehaus Schnorr freut man sich, wenn die Kundinnen und Kunden wieder verkosten dürfen

Beim Teehaus Schnorr auf der Neuen Kräme darf ohne Termin eingekauft werden, denn als Lebensmittelgeschäft zählt es zur Grundversorgung. „Wir können froh sein, dass wir dauerhaft aufhaben dürfen“, sagt Hans-Jürgen Nies, Manager im Teehaus Schnorr. „Aber wir haben nicht unsere übliche Kundenfrequenz, das ist alles sehr überschaubar.“ Die Situation sei schwierig. „Wir befinden uns an einem strategisch relativ guten Platz, normalerweise ist das Tourismusgeschäft sehr zuträglich.“ Dass das fehlt, merke das Teehaus sehr. Maximal zwei Haushalte dürfen sich in dem kleinen Feinkostladen aufhalten, mehr gibt die Quadratmeterzahl nicht her.

„Uns fehlt besonders die Verkostung“, sagt Nies. „Normalerweise stellen wir die Produkte vor, gießen unsere Tees hier frisch auf.“ All das sei aktuell nicht möglich. So sei es auch schwierig, neue Produkte einzuführen. Normalerweise könnten die Kundinnen und Kunden diese verkosten, „da erübrigt sich jede Beschreibung“. Trotz allem blickt Nies optimistisch in die Zukunft. „Ich hoffe, dass das Jahr einen einigermaßen vernünftigen Abschluss findet. Wir hoffen und sind einfach mal positiv gestimmt, denn nur so geht es weiter.“ (Helen Schindler)

Das hessische Wirtschaftsministerium fördert gute Ideen zur Belebung von Ortskernen und Stadtzentren mit zehn Millionen Euro. Ob Außengastronomie oder Pop-up-Store - schnell zu verwirklichen sollen sie sein.

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