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Frankfurt: Die Snapbänder bleiben

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Von: Florian Leclerc

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Rainer Michaelis mit einem Fahrrad, mit dem die Fahrradstaffel der Verkehrspolizei unterwegs ist. Foto: Monika Müller
Rainer Michaelis mit einem Fahrrad, mit dem die Fahrradstaffel der Verkehrspolizei unterwegs ist. © Monika Müller

Rainer Michaelis, der Leiter der städtischen Verkehrspolizei, geht in den Ruhestand. Er war verantwortlich für zahlreiche Verkehrskampagnen, die viele kennen werden.

Im Keller der städtischen Verkehrspolizei klebt das Wort „Museum“ auf einem Spind. Dort hat der Leiter Rainer Michaelis über Jahrzehnte Dienstkleidung aufbewahrt. Olivgrüne Trenchcoats, weiße Anoraks mit silbernen und orangenfarbenen Streifen, Schirmmützen, gefütterte Stiefel und Sandalen – „die Herren trugen damals wirklich Sandalen“, sagt Michaelis, und kramt ein ausgetretenes Exemplar hervor.

In 16 831 Kalendertagen seit seiner Ausbildung, so hat er das ausgerechnet, hat Michaelis einiges gesehen. Neue Dienstkleidung, neue Vorschriften, einen Wandel im Verkehrsverhalten.

Der Verwaltungsangestellte, der auch zum gehobenen Dienst ausgebildet wurde, kam 1976 ins Bad Sodener Ordnungsamt, als stellvertretender Leiter. 1987 wechselte er ins Frankfurter Ordnungsamt. Die Anordnung von Verkehrsschildern und Markierungsarbeiten, das Beantworten von Ortsbeiratsanfragen und Bürgerschreiben waren seine Aufgaben.

Dann kamen die 1990er Jahre und plötzlich war Tempo 30 gefragt. „Ich kam in die Tempo-30-Arbeitsgruppe, um Tempo 30 flächendeckend in den Wohnquartieren einzuführen.“ Was heute selbstverständlich ist, nahm damals seinen Gang. Verwaltungsintern ging Michaelis zum Sicherheits- und Ordnungsdienst des Ordnungsamts. 2006, zur Neugründung des Straßenverkehrsamt als Amt 36, wurde er Leiter der Stadtpolizei/Verkehrssicherheit, heute als städtische Verkehrspolizei bekannt.

Kampagnen wie zu „Marc, Wirbelbrüche“

Es folgten Verkehrskampagnen, die viele Frankfurterinnen und Frankfurter kennen werden. Etwa zu „Marc, Wirbelbrüche“, der mit dem Fahrrad auf der falschen Seite fuhr und einen Umweg übers Krankenhaus machen musste. Oder zum „Elterntaxi“, vor dem die Verkehrspolizei warnt, weil Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, oft, wenn kein Parkplatz da ist, verkehrswidrig halten, und dabei andere Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen, gefährden. Den Falschparkerinnen und Falschparkern in Schulnähe klebt die Verkehrspolizei Flyer unter die Windschutzscheibe, bei der Kampagne „Sicher zur Schule“. Gelbleuchtende Snapbänder werden seit Jahren verteilt und sind an so manchem Fahrrad zu sehen – oder am Knöchel der Radfahrenden, damit die Hose nicht schmutzig wird. Die Änderung im Mobilitätsverhalten hin zum Fahrrad begrüßt er.

Auch die Technik hat sich gewandelt. Michaelis erinnert an die „blauen Zettel“, die früher ausgefüllt werden mussten, um Verkehrsverstöße zu dokumentieren, hin zu den als „Knochen“ bezeichneten Datenerfassungsgeräten, die so hießen, wie sie aussahen, bis zu den modernen Handys, in die man nun die Daten eingibt. Dass Verkehrsüberwachung, also das Verteilen von Knöllchen, keine Abzocke sei, wird Michaelis nicht müde zu betonen. „Es gibt nur einmal Regeln im Straßenverkehr, sonst würde der Straßenverkehr nicht funktionieren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verkehrspolizei überwachen einfach nur die Einhaltung der Regeln, Quoten gibt es nicht“. In anderen Ländern sei das Bußgeld deutlich höher – etwa in der Schweiz.

Neben der Verkehrsüberwachung, auch per Fahrradstaffel, kontrolliert die Verkehrspolizei Baustellen, regelt den Verkehr, wenn die Ampel ausfällt und überwacht Gefahrguttransporte. In Kitas bringen Verkehrspolizistinnen und Verkehrspolizisten den Kindern bei, was bei dem Weg zur Kita, oder später in die Schule, zu beachten ist. „Wir stellen auch Durchsuchungszeugen, wenn die Polizei eine Durchsuchung durchführt.“ Das wüssten die wenigsten.

Rainer Michaelis, der stellvertretender Leiter des Straßenverkehrsamts ist, war seinerzeit auch für die Amtsleitung im Gespräch. Er wollte nicht. „Für die Amtsleitung braucht es Kontinuität, und ich wusste, dass ich mehr Zeit mit der Familie verbringen wollte“, sagt der 62-Jährige. Er habe drei Kinder und zwei Enkelkinder, das jüngste sei ein halbes Jahr alt. Und er wolle reisen, mit seiner Frau im Wohnmobil, in dem das Fahrrad mit dabei sei. Michaelis hat so viele freie Tage auf dem Lebensarbeitszeitkonto plus Resturlaub, dass er Anfang April, nicht erst Ende August, seine letzten Arbeitstage hat.

Kommunalpolitisch ist er auch engagiert. In Weilmünster im Hintertaunus, wo er wohnt, ist er Vorsitzender der CDU-Fraktion, obgleich parteilos. Neben Windrädern sei die bessere Anbindung mit dem ÖPNV im Umland und zum Ballungsraum ein großes Thema.

Dieser Tage muss Michaelis sein Büro ausräumen. Die Parkuhr im Büro wird er wohl seinem Nachfolger oder der Nachfolgerin überlassen. Das „Museum“ im Keller auch.

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