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Effi B. Rolfs und Matthias Stich in ihrem Theater. Monika Müller (2)

Kultur

Die Schmiere wird 70 Jahre alt

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Mit einer Ausstellung, die bis ins Jahr 1950 zurückreicht, feiert das Kabaretttheater Schmiere seinen 70. Geburtstag.

Das Schmiere-Publikum sei ein treues Publikum, sagt Effi B. Rolfs. „Teilweise wissen die Gäste mehr über das Theater als wir“, scherzt sie. Effi B. Rolfs und der Co-Theaterleiter Matthias Stich sind seit 30 Jahren dabei. Das Theater gibt es seit 70 Jahren. Für ihr treues Publikum haben Rolfs und Stich ein Programm zusammengestellt, das auf die Geschichte des Kabaretts zurückblickt.

Alles fing mit dem hölzernen Bauwagen an, den Theatergründer Rudolf Rolfs, der Vater von Effi B. Rolfs, 1950 auf dem von Trümmern umgebenen Römerberg aufstellte. „Die Schmiere – das schlechteste Theater der Welt“ war darauf zu lesen, in krakeliger Schrift. Theater war in dem Wagen aber nicht zu sehen, sondern zuerst im Kurhaus in Bad Vilbel, bald im „Steinernen Haus“ in der Braubachstraße in Frankfurt. Ab 1959 dann im Keller des Karmeliterklosters, wo die Schmiere bis heute residiert.

„Den politischen Wahnsinn in intelligente Unterhaltung verpacken“, so beschreibt Effi B. Rolfs das Programm der Schmiere, die mit ihren Aufführungen nahe am Geist der jeweiligen Zeit ist. Das Kabarett nahm die spießbürgerlichen 50er Jahre aufs Korn, engagierte sich für die Friedensbewegung und gegen Atomwaffen und spielte Stücke mit zotigem Humor. Die Ära Rudolf Rolfs endet 1989, Effi B. Rolfs und Matthias Stich übernahmen. 15 756 Vorstellungen wurden bisher gespielt, rund eine Million Gäste kamen, die letzten am 12. März 2020.

Veranstaltung

Die Ausstellung „70 Jahre Schmiere. Vom Wirtschaftswunder in die Pandemie, 1950-2020“ ist vom 4. November an jeweils mittwochs, donnerstags und freitags zwischen 16 bis 20 Uhr zu sehen. Gäste laufen jeweils zu zweit durch die Ausstellung. Sie brauchen dafür zwischen 30 und 60 Minuten. Ein Ticket kostet fünf Euro. Karten sind unter www.die-schmiere.de erhältlich. In der Schmiere im Karmeliterkloster, Seckbächer Gasse 4, gelten die üblichen Corona-Regeln: Abstand und Maskenpflicht. Die begleitende Ausstellung „Sex on the Beach“ mit Gemälden von Edda Rössler dauert vom 4. bis zum 20. November. Der Katalog „70 Jahre Die Schmiere“ kostet zehn Euro. Enthalten ist ein Gutschein für eine Aufführung im Wert von etwa 15 Euro. fle

„Einen Tag später mussten wir schließen“, berichtet sie. Das betraf neben Rolfs und Stich, die regelmäßig auf der Bühne stehen, die sechs Kabarettist:innen im Ensemble und die zwei Menschen mit Minijobs. Etwas stolz berichtet Rolfs, das Theater sei bislang unsubventioniert durchgekommen, es trage sich allein durch die Einnahmen an der Kasse. Nun half das Land Hessen, die neue Ausstellung auf die Beine zu stellen.

Die Schmiere bietet seit 1950 Satire und Kabarett.

Farbenfrohe Gemälde

Die Gäste laufen mit Kopfhörer durch verschiedene Räume, wo auf Fernsehgeräten Szenen aus den vergangenen sieben Theaterjahrzehnten zu sehen sind. In den Räumen gibt es Fotografien und Texte, die sich auf die jeweilige Zeit beziehen. Auch den Kolleginnen und Kollegen des Ensembles ist ein eigener Raum gewidmet. An einer Stelle stehen die Gäste auf der Bühne und blicken auf das Publikum, das in diesem Falle aus einem Wandbild mit den Schauspielerinnen und Schauspielern besteht.

Der Rundgang führt im Einbahnstraßenprinzip durch den Theaterkeller. Am Ausgang, wo der Fundus der Schmiere ist, zeigt die Künstlerin Edda Rössler ihre aktuelle Ausstellung „Sex on the Beach“. Zu sehen sind farbenfrohe Gemälde, die sich aus einer jeweiligen Stimmung entwickelt hätten, erläutert Rössler, die die Bilder auch verkauft. Alle vier Wochen wird die Ausstellung wechseln. Ab dem 25. November stellt Uschi Heusel aus.

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