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Obdachlose schlafen auf Matratzen in den Arkaden am Schauspiel.
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Obdachlose schlafen auf Matratzen in den Arkaden am Schauspiel.

Obdachlosigkeit

Die Not von Obdachlosen wird sichtbarer

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Träger und Initiativen kritisieren den Mangel an sozialem und bezahlbaren Wohnraum in Frankfurt. Die Spendenbereitschaft für Obdachlose steigt.

Das Coronavirus macht vor niemandem halt. Wohnungslose oder obdachlose Menschen müssen sich nicht einmal mit dem Virus infizieren, um die Folgen zu spüren. Die Plätze in den Notunterkünften sind seit Monaten begrenzt, manche Betroffene, die unter psychischen Erkrankungen leiden, überfordern die Abstands- und Hygieneregeln. Manche können nicht mit anderen Personen in einem Raum schlafen, berichten die Einrichtungen. Und selbst die jährlichen Weihnachtsessen, wie etwa im Ratskeller des Römers, organisiert von der Bernd Reisig Stiftung, fallen aus. Als Alternative startet heute die Verteilkation „Weihnachtspäckchen für Obdachlose“. Verschenkt werden nützliche Dinge und Leckereien.

Die Hilfe für die Menschen jedoch ist ungebrochen. In den Notunterkünften der Diakonie Hessen in Frankfurt sei eine „relativ hohe“ Spendenbereitschaft zu beobachten, sagt Stefan Gillich, Leiter für Existenzsicherung, Gemeinwesendiakonie und Armutspolitik bei der Diakonie Hessen. „Die Not von Bedürftigen wird in der Pandemie sichtbarer.“

Vor allem Sachspenden wie Schlafsäcke, Jacken oder Mützen werden abgegeben. „Wir sind voll bis oben hin“, sagt Jürgen Mühlfeld, Leiter des Diakoniezentrums Weser 5. Die Solidarität der Bürgerinnen und Bürger geht in der Unterkunft über die Spendenbereitschaft hinaus. Seit April arbeiten fünf Frauen ehrenamtlich in der Einrichtung. „Sie können wegen der Corona-Krise ihren Jobs nicht mehr nachgehen. Seitdem arbeiten sie hier. Das ist gelebte Solidarität“, lobt Mühlfeld den Einsatz.

Auch in den Wohnungsloseneinrichtungen der Caritas Frankfurt, zu denen etwa die Bärenstraße gehört, werden sie mit Sachspenden überhäuft. „Die Lager sind voll. Die Hilfe der Menschen ist schön, doch es wäre sinnvoller, wenn sie vorab anrufen und fragen würden, was wirklich benötigt wird“, sagt Angelina Schmidt, Referatsleiterin der Caritas-Wohnungshilfe. Dünne Winterjacken helfen Menschen auf der Straße in den kalten Nächten nicht.

Auch Schmidt ist der Ansicht, dass die Spendenbereitschaft und das Verständnis für Obdachlose durch die Pandemie gestiegen ist. „Obdachlose können eben nicht nach Hause und sich vor Corona schützen. Das sehen die Menschen nun deutlicher als zuvor.“

Es fehlt an Wohnraum

Schmidt und Jürgen Mühlfeld finden zwar die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger gut und wichtig, dennoch seien Spenden nur eine „Symptombehandlung“, sagt Schmidt. Mühlfeld ergänzt: „Das Kernproblem sind die fehlenden bezahlbaren Wohnungen.“ Er vermisse in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung hin zu mehr sozialem Wohnungsbau. Der Wohnungsmarkt gehorche anderen Gesetzen, sagt er. „Die Schwächsten fallen durchs Raster.“

Schmidt fügt an, dass Corona die Situation wohnungsloser und obdachloser Menschen verschärfe. „Die Lage war davor schon schlecht. Ich erwarte im kommenden Jahr eine weitere negative Entwicklung auf noch bestehende Arbeits- und Mietverhältnisse.“

Mühlfeld fordert, mehr Hotels im Bahnhofsviertel anzumieten. „Die stehen teilweise immer noch leer.“ Hotels seien jedoch nur eine Zwischenlösung. „Die Menschen benötigen eine längerfristige Perspektive. Der Frust steigt, wenn sie immer nur in Hotels oder Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden“, sagt Schmidt. Ein breites Bündnis, zu dem unter anderem der Förderverein Roma und die Seebrücke gehören, fordert eine „dezentrale, menschenwürdige Unterbringung von Wohnungslosen und Geflüchteten“. Wie in jedem Jahr verweise die Stadt bei der Unterbringung von Obdachlosen im Winter auf die B-Ebene von U-Bahn-Stationen. „Die Stadt will damit den Eindruck erwecken, Menschen in der kalten Jahreszeit eine Unterkunft bereitzustellen“, heißt es. Bereits im April hat das Bündnis die Forderung „Open the Hotels“ aufgegriffen und in einem Brief an das Sozialdezernat nach einer langfristigen Strategie zur menschenwürdigen Unterbringung von Schutzsuchenden gefragt. Doch dieser Brief sei bis heute unbeantwortet geblieben.

Aus dem Sozialdezernat heißt es hingegen, dass seit vielen Jahren nach Bedarf Hotels angemietet würden. Derzeit seien es 44, in denen etwa 1700 anerkannte Flüchtlinge, Asylsuchende und Wohnungslose lebten. Darüber hinaus seien 4700 Menschen in Übergangsunterkünften untergebracht. Die Platzzahl könne, wenn nötig, aufgestockt werden. Hotels seien aber kein Allheilmittel. „Manche wollen nicht untergebracht werden. Wir können sie auch nicht dazu zwingen, solange sie nicht sich selber oder andere gefährden“, sagt Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU).

Der Kältebus etwa suche die Leute auf, versorge sie mit Tee und Schlafsäcken. Diese Menschen sind auf der Straße sichtbar, aber man könne daraus nicht schließen, dass es für Obdachlose keine anderen Möglichkeiten gebe. „Das verkennt, dass wir ein mehrstufiges Hilfesystem für Obdachlose haben. Die, die Hilfe annehmen können, müssen nicht in der Kälte schlafen.“

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