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Agnes Kammerer ist gebürtige Österreicherin.

Portrait der Woche

Die Neue am Schauspiel

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Agnes Kammerer spielt die Celia in Shakespeares„Wie es euch gefällt“. Es ist das erste Stück, das unter Corona-Bedingungen am Schauspiel Frankfurt aufgeführt wird.

Agnes Kammerer musste sich erst einmal daran gewöhnen, dass sie nicht einfach so drauflosspielen kann wie sonst, sondern jetzt immer diese Handbremse in ihre Gedanken miteinbauen muss: „Abstand halten.“ „Der größte Unterschied bei den Proben war, dass die Regieassistentin, die zusätzlich die Rolle der Hygieneschutzbeauftragten hat, immer, wenn wir uns auf der Bühne zu nah kamen, uns zurief: ‚Stopp, bitte Abstand halten und nicht anfassen‘“, erzählt die 30-jährige Schauspielerin und lacht.

Mit Mund-Nasen-Schutz muss Agnes Kammerer aber nicht auf die Bühne. Seit dieser Saison ist sie neues Ensemblemitglied am Schauspiel Frankfurt und spielt die Rolle der Celia in William Shakespeares Liebesverwechslungs-Komödie „Wie es euch gefällt“. Diese feiert an diesem Freitag (11. September) Premiere – und ist das erste Stück am Schauspiel Frankfurt, das unter Corona-Bedingungen aufgeführt wird. Die eigentliche Premiere war für Mai geplant gewesen.

Kammerer sitzt an diesem Tag in der Panoramabar des Schauspiels mit diesem schönen Ausblick auf den Willy-Brandt-Platz. Sie trägt graue Jeans zu kariertem Hemd und Sneakers. Dass Kammerer im niederösterreichischen Melk an der Donau geboren und aufgewachsen ist, hört man nicht. „Ich hatte viel Sprecherziehung. Aber wenn ich wieder zu Hause bin, spreche ich nach einer Sekunde wieder meinen Heimatdialekt“, sagt sie.

Tickets

Für die Premiere von „Wie es euch gefällt“ am 11. September um 19.30 Uhr im Schauspielhaus am Willy-Brandt-Platz gibt es noch Resttickets. Coronabedingt dürfen um genug Abstände zu gewähren nur 160 statt 680 Zuschauer in den Großen Saal. Tickets kosten zwischen 25 und 59 Euro. Alle Termine: www.schauspielfrankfurt.de/rose

Wenn sie lächelt, sieht man ihre Grübchen. Ihre kurzen dunklen Haare betonen ihre blau-grünen Augen. Wie ist es nun für sie unter Corona-Bedingungen zu spielen? „Anfangs waren wir alle froh, dass wir wieder arbeiten dürfen. Aber jetzt wird es spannend. Wir haben wahnsinnig viele Vorstellungen. Hoffentlich bleiben alle gesund“, sagt Kammerer. Und sie betont: „Wir spielen eine Komödie und es dürfen nur 160 Zuschauer ins große Haus statt wie normalerweise 680. Gerade die Komödie lebt sehr von den Zuschauer-Reaktionen. Es ist eine Energie, die sich auch auf uns überträgt. Da müssen wir als Ensemble jetzt sehr zusammenhalten.“ Auch fallen alle Kussszenen weg. „Es wird anders gehandhabt“. Mehr will sie noch nicht verraten. Auch wird es keine Premierenfeier geben.

Aber wie ist sie überhaupt Schauspielerin geworden? Ihre Eltern sind beide Lehrer. Kammerer besucht ein Gymnasium mit musikalischem Schwerpunkt. „Im Ort, wo ich aufgewachsen bin, gab es jedes Jahr ein Sommertheater. Das war für mich ein großes Glück, denn Theater-AGs gab es zu meiner Schulzeit in Österreich nicht. Im Sommertheater konnte ich alle Bereiche des Theaters durchlaufen: Von der Kostümassistentin bis zur kleinen Schauspielrolle.“

Sie habe schon als Kind gewusst, dass sie Theaterschauspielerin werden will. „Und durch mein Umfeld wusste ich, dass es sehr hart und schwierig ist, auf einer Schauspielschule angenommen zu werden.“ Doch sie will den Weg gehen.

Sprachen als Leidenschaft

Nach der Matura, da ist sie gerade 17 Jahre alt, tourt sie zunächst mit der Wiener Theaterkompanie „europeangrouptheatre“ ein Jahr durch Österreich. Mit 18 Jahren bewirbt sie sich an mehreren Schauspielschulen, geht aber um die Wartezeit zu überbrücken, für ein paar Monate nach San José, Costa Rica und macht dort Freiwilligenarbeit in einem Kindergarten. Spanisch lernte sie bereits in der Schule, Sprachen seien eine Leidenschaft von ihr.

An mehreren Schauspielschulen wird sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen. „Ich war sehr jung, als ich anfing vorzusprechen, da haben viele Schulen gesagt: ‚Lass’ dir noch Zeit.‘ Das war gut, weil die Ausbildung schon psychisch und kräftemäßig an einem zerrt. Aber ich war immer noch sehr jung, als ich mit 19 anfing.“

Von 2010 bis 2014 studiert sie dann Darstellende Kunst an der Universität Mozarteum für Schauspiel und Regie in Salzburg. Danach wird sie direkt festes Ensemblemitglied am Oldenburgischen Staatstheater, wo sie sechs Jahre lang bleibt. Bis sie ein Angebot am Schauspiel Frankfurt erhält. Im Mai zieht sie von Oldenburg nach Frankfurt. „Was ich sehr schön hier finde ist, dass es sehr divers ist. Das erinnert mich an Wien. Und toll ist der Main, weil ich das Wasser liebe.“

Sie kann sich auch vorstellen wieder etwas in Richtung Film zu machen. 2015 spielte sie im österreichischen Kinofilm „Blockbuster – Das Leben ist ein Spiel“ mit, dessen Erlös an die Kinderkrebsforschung ging. Eine weitere wichtige Erfahrung sei ihre Begegnung mit dem preisgekrönten österreichischen Filmregisseur und Drehbuchautor Michael Haneke bei seinem Kurs an der Wiener Filmakademie gewesen: „Ich bewundere seine Arbeit seit Jahren.“

Dass Agnes Kammerer in diesem Sommer 30 Jahre alt geworden ist, löse bei ihr weder eine Torschlusspanik, noch die Angst aus, irgendwann nicht mehr aus Altersgründen – wie dies oft bei Fernsehschauspielerinnen der Fall ist – besetzt zu werden. „Ganz im Gegenteil. Was Rollenbesetzungen angeht, haben Alter und Geschlecht im Theater immer weniger eine Bedeutung. Da gibt es gerade einen großen Wandel. Ich habe schon Omas, aber auch schon Männerrollen gespielt.“

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