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Frankfurt: „Die Musikmesse hat seit Jahren Verluste erwirtschaftet“

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Von: Florian Leclerc

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Wolfgang Weyand erklärt das Aus für die Musikmesse: Foto: Christoph Boeckheler
Wolfgang Weyand erklärt das Aus für die Musikmesse: © Christoph Boeckheler

Die Musikmesse Frankfurt gab es seit 1980. Nun wird sie eingestellt. Der Leiter der Musikmesse bei der Messe Frankfurt, Wolfgang Weyand, erklärt warum.

Die Nachricht kam Anfang März für viele überraschend. Die Messe Frankfurt wolle sich auf „profitable Umsatzbringer“ konzentrieren, die Musikmesse gehöre nicht mehr dazu und werde eingestellt. Der Leiter der Musikmesse Wolfgang Weyand erklärt, wie es zum Aus für die traditionsreiche Musikmesse kam.

Herr Weyand, nach 42 Jahren steht die Musikmesse in Frankfurt vor dem Aus. Erklären Sie bitte, warum.

Im Wesentlichen liegt das an der Veränderung des Markts und der Vertriebswege. Es gibt den alten Satz: Messen sind da, wo die Hersteller sind. Schauen wir uns den Musikinstrumentenmarkt an, sind im elektronischen Bereich die meisten Hersteller in Asien.

Dort betreibt die Messe Frankfurt die Music China.

Die Music China funktioniert auch sehr gut. In Europa gibt es hingegen immer weniger Hersteller, vom klassischen Instrumentenbau abgesehen. Das zweite Thema ist die Veränderung des Handels. Früher gab es den Musikfachhandel als Vollsortimenter, zu dem man am Wochenende mit seiner Familie gegangen ist und sich ein Keyboard, Schlagzeug oder Tambourin angesehen hat. Dieser Musikfachhandel stirbt allerdings aus. Es gibt immer weniger Händler, und die Händler, die es gibt, sind die großen.

Zum Beispiel das Musikhaus Thomann.

Thomann hat einen geschätzten Marktanteil von etwa 60 Prozent in Deutschland. Dazu kommen noch eine paar weitere Händler, sodass eine Handvoll Händler in Deutschland jetzt einen Marktanteil von 80 Prozent haben. Die Musikmesse war früher eine Ordermesse, wo ein Händler hinkam, sich ein Produkt anschaute und bestellte. Das gibt es bei dieser Handelsstruktur so nicht mehr.

Die Musikmesse war ja in Frankfurt nicht nur für die Händler:innen da, sondern auch für das Publikum.

In den ersten etwa 30 Jahren war die Musikmesse eine reine Fachmesse. Es kam zwar vor, dass Einzelne sich Karten besorgten, weil sie die Musikmesse toll fanden. Aber Publikumstage gab es lange nicht, die haben wir erst in den letzten Jahren eingeführt, etwa mit dem Festivalprogramm.

2013 gab es noch ein Rekordjahr mit 113 000 Besucherinnen und Besuchern, zuletzt kamen vor der Pandemie noch knapp 26 000 Menschen.

Die Zahlen bei den Ausstellern und Besuchern waren zuletzt schlicht rückläufig. Mit dem Musikmesse-Festival haben wir etwa 20 000 Menschen erreicht, was sicherlich ein Erfolg war, aber die Fachbesucherzahlen gingen entscheidend zurück.

Zur Person

Wolfgang Weyand (57) ist seit vier Jahren der „Director Musikmesse & Festival“ bei der Messe Frankfurt. Er war auch für das Musikmesse-Festival verantwortlich. Momentan wickelt er die Musikmesse ab.

Hat die Musikmesse zuletzt Verluste erwirtschaftet oder sanken lediglich der Umsatz und der Ertrag?

Man muss mit ehrlichen Zahlen rechnen. Bei der Messe Frankfurt gibt es die „Messe Frankfurt Exhibition Messen“, die die Veranstaltungen durchführt, und die „Messe Frankfurt Venue“, die die Hallen vermietet. Wir müssen inhouse – innerhalb der Messe Frankfurt – als Exhibition die Hallen von der Venue mieten. Wenn man mit echten Zahlen rechnet, dann hat die Musikmesse Verluste erwirtschaftet.

Seit geraumer Zeit?

In den letzten Jahren schon.

Die Music China macht das besser?

Dort sind die meisten elektronischen Aussteller, Yamaha oder Roland. Die großen Marken kommen alle aus Asien, und die gehen lieber nach Schanghai als nach Frankfurt. Es gibt auch noch eine dritte Musikmesse, die „Namm“ in Los Angeles, sie ist Amerikas größte Messe für Musikinstrumente. Es ist eine Verbandsmesse der National Association of Music Merchants, des amerikanischen Branchenverbands. Der hat einen anderen Einfluss auf die Hersteller als eine Messengesellschaft wie wir.

Es gab auch den Vorschlag, die Musikmesse und die Buchmesse zusammenzulegen.

Wir haben mit der Buchmesse ein Dreivierteljahr konzeptionell zusammengearbeitet, aber es gab nie die Absicht, die Messen zusammenzulegen. Wir wollten die Publikumstage parallel veranstalten. Das hätte den Besucherinnen und Besuchern bestimmt auch gefallen.

Wenn die Stadt Frankfurt große, prestigeträchtige Messen verliert – die IAA nach München, Teile der Fashion Week nach Berlin, nun die Musikmesse –, was sagt das über den Messestandort Frankfurt aus?

Ich kann nur über die Musikmesse sprechen. Natürlich ist es schade, dass sie nicht mehr da ist. Aber die Messe Frankfurt gibt das Thema Musik nicht vollständig auf. Wie arbeiten an Formaten zur musikalischen Bildung und musikalischen Früherziehung, und wir wollen dafür unsere Kontakte zu den Verbänden, dem Landesmusikrat oder den Chören nutzen. Die Fachmesse Musikmesse konnten wir nicht mehr wirtschaftlich fortführen. Aber die Fachmesse Prolight + Sound, die übrigens viel größer ist, findet weiterhin statt.

Interview: Florian Leclerc

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