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Der Mainkai soll ab 1. September wieder für Autos befahrbar sein, ohne Radwege oder mehr Komfort für Fußgänger.

Interview

„Die Menschen fordern, den Mainkai autofrei zu gestalten“

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Andreas Bürger von der Initiative Mainkai für alle schlägt vor, wie die Straße ohne ein Platzen der Koalition gesperrt bleiben kann.

Die Mehrheit der Frankfurterinnen und Frankfurter spricht sich für die Sperrung des Mainkais aus. Das hat eine Umfrage des Bürgeramts Statistik und Wahlen ergeben. Andreas Bürger, Sprecher der Bürgerinitiative Mainkai für alle, ordnet das Ergebnis ein.

Herr Bürger, die Bürgerinnen und Bürger sprechen sich mehrheitlich für die Sperrung des Mainkais aus. Fühlen Sie sich bestätigt?

Bei einem Verhältnis von 57 zu 21 ist mehrheitlich eigentlich ein zu schwaches Wort. Das Votum ist eindeutig und wir haben es endlich offiziell: Die Menschen fordern, den Mainkai autofrei zu gestalten. Sie sind dafür, die Vorherrschaft des Automobils in der Innenstadt zu durchbrechen. Dabei gilt es, auch Belastungen an anderer Stelle im Auge zu behalten. Aber, und das ist wichtig: Die stetig wachsende Zahl der Fahrzeuge ist das eigentliche Problem, nicht ob der Mainkai gesperrt ist oder nicht. Und die zahlreichen Verkehrsprobleme anderswo in der Stadt werden wir nicht am Mainkai lösen können, das muss vor Ort geschehen.

Der Mainkai soll am 1. September wieder für Autos befahrbar sein. Wie wollen Sie das noch kurzfristig verhindern?

Unsere Aktionen zum Thema laufen seit Monaten und wir sind auf der Zielgeraden. Kreative Demonstrationen und die Podiumsdiskussion mit hochkarätiger Besetzung im Haus am Dom sind Beispiele dafür. Nunmehr ist für die Menschen in Frankfurt sehr transparent, welche Partei was will am Mainkai.

Andreas Bürger von Mainkai für alle.

Inwiefern?

Derzeit blockiert die CDU eine Lösung, die im Sinne der Mehrheit der Menschen wäre. Wir gehen aber sehr davon aus, dass man dort jetzt nochmal nachdenklich wird. Denn jedem ist klar, dass Wählerinnen und Wähler es nicht bis zur Kommunalwahl im März 2021 vergessen haben werden, wenn man den Mainkai jetzt in die Vergangenheit zurück katapultiert – und wer das getan hat. Viele Menschen aus verschiedensten Stadtteilen tragen den Mainkai mittlerweile in ihren Herzen und zahlreiche Initiativen werden nicht locker lassen.

Welche Aktionen sind geplant, wenn der Mainkai wieder befahrbar ist?

Noch ist nichts entschieden. Wir schaffen Transparenz und konzentrieren uns darauf, die Verlängerung des Versuchs zu erreichen. Parallel zeigen zahlreiche Initiativen unermüdlich, welches Potenzial der Mainkai bietet. Sollte es die CDU tatsächlich wagen, ab 1. September wieder Pkw und Lkw am Mainkai fahren zu lassen, werden sehr viele Menschen Wege finden, ihrer Empörung Ausdruck zu verleihen.

Zur Person

Andreas Bürger ist 51 Jahre alt. Er engagiert sich seit sechs Monaten in der Bürgerinitiative Mainkai für alle. Der Diplom-Ökonom arbeitet in der Konsumgüterindustrie. fle

Was sagt die Öffnung des Mainkais für Autos über den Zustand der Koalition in Frankfurt aus?

Die Koalition ist in der Mainkai-Frage nicht mehr handlungsfähig, sie kommt zu keiner gemeinsamen Linie. Wenn es aber doch neue Fakten gibt, dann sollte man ruhig mal den Mut haben, ein Stück zurückzurudern. Der Bürgerwille in Zahlen liegt jetzt auf dem Tisch. Die Koalition könnte sich auch auf „Uneinigkeit“ einigen und die Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung am 3. September freigeben – auch ohne die Koalition platzen zu lassen.

Wo steht Frankfurt bei der Verkehrswende?

Durch das permanente Ringen Einzelner um Partikularinteressen geht leider der Blick auf das Ganze verloren und wir kommen trotz Dringlichkeit kaum voran. Dabei herrscht mittlerweile weltweit Einigkeit darüber, dass das „Weiter so!“ der letzten Jahrzehnte in Sachen Umwelt und Verkehr nicht nur keine Lösung ist, sondern das Problem selbst darstellt. Mobilität und Stadtgesellschaft müssen gemeinsam neu und ganzheitlich gedacht werden. Dabei braucht es natürlich Experten aus den Fachgebieten Verkehr, Soziales, Umwelt, Städteplanung uns so weiter. Vor allem aber braucht es die Kraft, visionär zu denken, das „Wir“ an der einen oder anderen Stelle vor das „Ich“ zu stellen und den Willen zu handeln. Der Mainkai kann und sollte dafür Start- und Kristallisationspunkt sein.

Interview: Florian Leclerc

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