1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Die Macht der Konsumierenden

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Florian Leclerc

Kommentare

Sabine Wolters (Mi.) zeigt, welche Wege eine Jeans hinter sich hat, bevor sie verkauft wird. Monika Müller
Sabine Wolters (Mi.) zeigt, welche Wege eine Jeans hinter sich hat, bevor sie verkauft wird. Monika Müller © Monika Müller

Ein konsumkritischer Rundgang zeigt die Schattenseiten von Handelsketten. Der Rundgang ist Teil von „Politik im Freien Theater“.

Sabine Wolters steht vor dem ausstaffierten Schaufenster des Bekleidungsgeschäfts H&M auf der Zeil. Das Schaufenster ist rot dekoriert. Die Schaufensterpuppen tragen Kleid, Blazer, Pulli oder Jeansjacke.

„Wo kommen die Waren eigentlich her, die hier scheinbar wie aus dem Nichts auftauchen?“, fragt sie. Dann zieht die Jugendbildungsreferentin des BUND Hessen zahlreiche Folien, die zusammengefaltet sind, aus ihrem Beutel. Eine kleine Gruppe von Zuhörerinnen und Zuhörern schaut erwartungsvoll.

Zu dem „konsumkritischen Rundgang“ hat der BUND Hessen zusammen mit dem „Entwicklungspolitischen Netzwerk Hessen“ eingeladen. Der Rundgang ist Teil des Festivals „Politik im Freien Theater“, das noch bis zum 8. Oktober in Frankfurt stattfindet. Dabei gibt es etwa 200 Veranstaltungen – Theaterabende, Workshops für Jugendliche, Performances, Ausstellungen, Lesungen, Konzerte. Alles unter dem Leitmotiv„Macht“.

Eine Jeans reist fast einmal um den Globus

Macht geht natürlich auch von Konsumentinnen und Konsumenten aus. Sie entscheiden, was sie kaufen oder nicht. Als Einzelperson ist diese Konsummacht begrenzt. Wird daraus eine gesellschaftliche Bewegung, kann sie ganze Industrien in eine andere Richtung drängen.

Sabine Wolters klappt die erste Folie auf. Baumwollpflanzen und weiße Baumwollknäuel sind zu sehen. Indien und Kasachstan steht auf der Folie – als Beispiele dafür, wo Baumwolle wächst. Die nächste Folie zeigt Garn, das in diesem Beispiel in China gewickelt wird.

In Taiwan wird das Garn gefärbt, in Polen zu Stoffen verwebt, in Frankreich werden die Labels hergestellt, die Schnittmuster kommen aus Schweden, wo H&M den Hauptsitz hat. Genäht wird auf den Philippinen, in sogenannten „Sweatshops“. Die heißen so, weil die Näher:innen dort bei eintönig anstrengender Arbeit einen spärlichen Lohn bekommen. Die Jeans, die im Textilhandel ausliege, sei fast einmal um die Welt gereist, erklärt Wolters. 40 000 Kilometer. Der Transport sei für die Unternehmen günstiger, als die Ware dort herzustellen, wo sie gekauft werde.

So eine Jeans trage man aber nicht allzu lange. Durchschnittlich etwa eineinhalb Jahre, sagt sie. Dann lande die Jeans in der Regel in der Altkleidersammlung, werde nach Afrika verschifft, bei guter Qualität getragen, sonst weggeworfen. Dann häuften sich Jeans, Pullis, Jacken, Hosen zu Bergen von Altkleidern auf den Müllhalden.

Die Zahl 40 000 kommt dann noch mal vor. So viele Liter Wasser bräuchten Baumwollpflanzen, um genug Baumwolle für eine Jeans herzustellen, sagt sie.

Altes Handy bei Zoo abgeben

Fünf Stationen hat Wolters auf dem Programm. Nach dem Textilgeschäft einen Schuhladen, dann ein Handygeschäft, eine Fastfoodkette und einen Schokoladenverkauf. Um es kurz zu sagen: Von fairer Schokolade können Menschen, die Kakaobohnen anpflanzen, besser leben. Wer wenig Fleisch isst, hilft dem Klima, denn bis ein Hamburger auf dem Teller liegt, wurden Unmengen an Ressourcen wie Land, Wasser, Energie und Getreide verbraucht. Ein altes Handy kann man beim Frankfurter Zoo abgeben. Der sorgt dafür, dass es umwelt- und menschenschonend recycelt wird.

Schuhe kann man beim Schuster flicken lassen. Oder gebraucht kaufen. Oder auf fairen Handel achten. Denn von einem Schuh, der 100 Euro kostet, kommen im Beispiel von Wolters nur zwei Euro bei den Menschen an, die sie zusammengeschustert haben. Acht Euro kostet das Material. Fünf Euro der Transport. Elf Euro gehen in die Forschung und ins Design. Vier Euro behält die Fabrik. 8,50 Euro gehen in die Werbung. 13,50 Euro bleiben als Profit. Mit dem übrigen Betrag, fast die Hälfte, muss der Einzelhandel sein Geschäft bestreiten und die Miete auf der Frankfurter Zeil zahlen.

Nach dem Rundgang überlegt man sich genau, wo man als Nächstes einkauft.

Auch interessant

Kommentare