Umwelt

„Die Luftqualität ist schlechter als erhofft“

Robin Kulpa ist Projektleiter Verkehr und Luftreinhaltung bei der Deutschen Umwelthilfe.

Robin Kulpa von der Deutschen Umwelthilfe hält eine Ausweitung der Fahrverbote für zwingend. Kritik an widersprüchlichen Aussagen.

Herr Kulpa, wie beurteilt die Deutsche Umwelthilfe den neuen Frankfurter Luftreinhalteplan?

Der Planentwurf zeigt, dass unsere Klage auf saubere Luft notwendig ist. Die Luftqualität ist deutlich schlechter als vom Land Hessen erhofft. Bisher haben Stadt und Land sich auf punktuelle Messungen beschränkt. Die nun vorliegende stadtweite Modellierung der Luftqualität zeigt, es handelt sich nicht nur um Grenzwertüberschreitungen an wenigen Punkten, sondern in einem großen Teil des Hauptstraßennetzes.

Wie groß ist der?

Im Jahr 2021 wird noch an 88 Straßen der Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten werden. Die Aufgabe, sicherzustellen, dass die Grenzwerte eingehalten werden, verfehlt der Entwurf.

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Es stehen einige Ideen darin: besserer Nahverkehr, mehr Radwege, flächendeckend Tempo 40.

Aber alles zu unambitioniert. Beispiel: 19 Prozent der Busflotte soll 2021 immer noch nach alter Abgasnorm fahren. Dabei gibt es 80 Prozent Förderung vom Bund, wenn man die Busse einfach nachrüstet und sauberer macht. Die Taktverdichtung im Nahverkehr beschränkt sich größtenteils auf Samstage und Sonntage und löst damit das Problem zu den Hauptverkehrszeiten unter der Woche nicht. Auch beim Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur wäre deutlich mehr nötig.

Es fehlt der Platz.

Nein. Während der Corona-Pandemie haben zahlreiche Städte, Berlin voran, gezeigt, dass man in kurzer Zeit substanzielle Verbesserung durch Umwidmung einer Autospur zum Radweg erreichen kann.

Der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling sagt, er rechne mit Diesel-Fahrverboten innerhalb des Anlagenrings, wenn erst die Konjunktur wieder anläuft. Reichen die nicht?

Nach den vorgelegten Modellierungen, die ein renommiertes Institut, die IVU, erstellt hat, nicht. Selbst wenn alle Maßnahmen umgesetzt werden, auch das Diesel-Fahrverbot, das ja noch unter Vorbehalt steht, kommt es 2021 dauernd zu Grenzwertüberschreitungen. Wenn der Stadt nicht mehr einfällt, müssen wohl die Fahrverbotszonen ausgedehnt werden.

Ohnehin wollen die Verantwortlichen erst noch mal messen lassen. Es wisse ja niemand, wie es in der Corona-Pandemie weitergehe. Womöglich halte auch der Trend zum Homeoffice an und trage weiter zur besseren Luft bei.

Das Problem ist: Wir haben wieder nichts Verbindliches. Stadt und Land haben die modellierten Werte mit den tatsächlich gemessenen abgeglichen und festgestellt, in manchen Bereichen ist die Belastung modelliert sogar niedriger als gemessen. Anstatt aber nun wenigstens anhand der modellierten Werte endlich verbindliche Schritte einzuleiten, hat man zum ersten September erst einmal wieder neue Messpunkte eingeführt. Das führt zu weiteren potenziellen Auseinandersetzungen.

Also kann die Arbeit im Homeoffice das Fahrverbot nicht verhindern?

Der Luftreinhalteplan enthält widersprüchliche Aussagen dazu. Einerseits steht dort, wegen der Corona-Pandemie darf der Jahresmittelwert 2020 nicht zur Bewertung herangezogen werden. Wenn es aber um die Fahrverbote geht, heißt es, der Wert in der Jahresmitte 2020 war ja viel niedriger als 2019, da messen wir lieber noch mal. Am Ende verzögert das nur, dass die Menschen in Frankfurt endlich saubere Luft atmen.

Interview: George Grodensky

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