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Blick in die Thomaskirche: die erneuerte Kirchenorgel mit hochmodernem Inhalt.
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Blick in die Thomaskirche: die erneuerte Kirchenorgel mit hochmodernem Inhalt.

Kirchenmusik

Frankfurt: Die Kirchenorgel kann jaulen und heulen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Die Heddernheimer Thomasgemeinde feiert ihr modernes Instrument mit einer Festwoche. Wer will, kann sich noch eine Pfeife sichern.

Es kommt nicht häufig vor, dass es im Gotteshaus aussieht wie bei Hempels unterm Sofa. Aber selbst der Himmel muss flexibel sein, und es ist ja für einen guten Zweck: Die evangelische Thomaskirche in Heddernheim hat ihre neue Orgel. Die wilden Spuren des Einbaus sollen im Nu wieder beseitigt sein.

Was bleibt, ist ein fulminantes neues Instrument – nein, ein halbneues Instrument, eine Symbiose aus Tradition und moderner Elektronik, wie Kantor Tobias Koriath beschreibt. Hier die etwa 1800 Orgelpfeifen, davon 532 neu von der bald 200 Jahre alten Licher Orgelbaufirma Förster und Nikolaus eingesetzt. Dort ein ausgeklügeltes Schwellwerk zum Auf- und Zuklappen, aber das ist noch gar nichts. Am Spieltisch hat Koriath nun drei statt bisher zwei Manuale (das sind die Tastenreihen), er hat einen Touchscreen (ja, so hätte Johann Sebastian Bach jetzt vermutlich auch geguckt), er kann das Ganze elektrisch hoch- und herunterfahren wie einen dieser modernen Büroschreibtische. Das ist gut für Kinder, die jung mit dem Orgelspiel anfangen wollen. „Früher hat der Orgellehrer gesagt: Komm, wenn du groß genug bist, um mit den Füßen an die Pedale zu kommen“, sagt Koriath. Das ist vorbei. Und: Mit hochgefahrenem Spieltisch kann er jetzt im Stehen musizieren. „Die Orgel ist eines der ungesündesten Instrumente“, berichtet der Kantor, weil: Rücken.

FESTPROGRAMM

Vom 10. bis zum 19. September feiert die Thomasgemeinde ihre neue Orgel mit insgesamt 14 Veranstaltungen. Mitfeiern geht nur mit Anmeldung unter www.evangelisch-nordwest.de oder Telefon 069/509 54 34-20.

Am Freitag, 10. September, 19,30 Uhr, spielt der Leipziger Thomasorganist Ullrich Böhme zur Eröffnung Werke von Bach, Buxtehude und Frescobaldi.
Am Samstag, 11. September, folgen ein öffentlicher Orgelworkshop, ein Familien- und ein experimentelles Konzert.

Am Sonntag, 12. September, erklingt die Orgel im Festgottesdienst, es gibt eine Orgelführung. Mehr Musik und unter anderem ein Stummfilm mit Orgelbegleitung (Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Mittwoch) folgen. Programminfo:
www.evangelisch-nordwest.de

Dann führt er die Winddrossel vor. Sie verstimmt die Töne ein wenig. Gruseliger Effekt. „Die Orgel kann jetzt jaulen, sie kann heulen!“ Sie kann auch große Terzen auf einer Taste vereinen, und wenn dann Melodien gespielt werden, klingt das wie Filmmusik oder eine alte US-Fernsehserie. „Ich kann viel mehr vortäuschen, als ob ich viele Hände hätte“, sagt Koriath. Er kann jetzt sogar mit einem Augenzwinkern das Notenblatt umblättern. Wenn das nicht Zauberei in der Kirche ist. Aber nein – nur modernste Technik. Manche hätten Angst, die Pfeifen könnten irgendwann ganz verschwinden und nur noch Technik spielte bald in der Kirche, heißt es. Genau das vermeide die Thomasgemeinde aber, sagt Projektleiterin Gabriele Slutzky, indem sie vom alten Instrument so viel wie möglich erhalten habe, Stichwort Nachhaltigkeit. „Und es ist auch immer noch ein Unterschied, wenn die Musik aus den großen Orgelpfeifen kommt und im Körper vibriert.“

520 000 Euro hat der Spaß gekostet – es macht wirklich Spaß, sich die vielen Möglichkeiten vorführen zu lassen –, finanziert von einer großen Gemeinschaft, darunter viele Menschen, die spendeten, und solche, die Patenschaften für Orgelpfeifen übernahmen. Die Aktion habe auch den Stadtteil zusammenrücken lassen, sagt Gabriele Slutzky, da sei etwas entstanden. „Man sieht: Mit einem guten Angebot kann man die Leute ansprechen.“

70 000 Euro von der Gesamtsumme sind noch offen. Es gibt auch einige Töne, die noch Pfeifenpatinnen und -paten suchen. In einem nächsten Schritt soll die Orgel dann schönes Licht und Perkussion bekommen. Aber fest steht: Es klingt fantastisch, dieses Instrument, wenn ein fabelhafter Organist wie Tobias Koriath dransitzt. Gemeinde und Publikum können sich in der Festwoche davon überzeugen, in der die Einweihung der neuen Orgel gefeiert wird.

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