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Dieser Mann mimt perfekt einen Verletzten nach einer fiktiven Explosion im Industriebetrieb.Foto: Renate Hoyer
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Dieser Mann mimt perfekt einen Verletzten nach einer fiktiven Explosion im Industriebetrieb.Foto: Renate Hoyer

Frankfurt

Frankfurt: Die Katastrophe üben

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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150 Rettungskräfte trainierten unweit des Frankfurter Osthafens am Samstag ihren Einsatz bei extremen Unglücken. Wichtig sei dabei eine realitätsnahe Darstellung.

Schon die erste von mehreren Explosionen in einem Industriebetrieb nahe dem Frankfurter Osthafen ist gewaltig laut. Eine unbekannte Anzahl an Menschen ist möglicherweise verschüttet oder vom Feuer eingeschlossen. Qualm steigt auf. Wenige Minuten später trifft als Erstes das Rettungsfahrzeug der Malteser ein. Ein Mann, der es allein geschafft hat, aus dem Gebäude zu rennen, liegt schreiend am Boden. Seine Stimmung ist zwischen verzweifelt und aggressiv: „Mein Bauch tut so weh. Jetzt machen Sie doch was gegen die Schmerzen. Helfen Sie mir endlich. Ich habe Frau und Kinder.“ Die Rettungssanitäter:innen bleiben trotz seiner panischen Schreie ruhig, als sie ihn versorgen, unweit von ihnen beginnen die Feuerwehrkräfte, Flammen zu löschen.

„Es ist wichtig, dass die Einsatzkräfte auch in so einer extremen Situation in ihrem Tunnel drinbleiben, also ihre Abläufe konzentriert beibehalten. Auch wenn jemand so schreit, denn so reagieren Opfer oft“, sagt Andreas Mohn, Sprecher der Feuerwehr Frankfurt. Und um in einem realen Katastrophenfall einen kühlen Kopf zu bewahren, gibt es an diesem Samstagmittag diese Großübung des Katastrophenschutzes und des Rettungsdienstes der Stadt. Rund 150 Kräfte der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks, des Malteser Hilfsdiensts, des Deutschen Roten Kreuzes, des Arbeiter-Samariter-Bundes sowie der Johanniter-Unfall-Hilfe sind bei „Frankopia 2021“ dabei.

Es ist die erste Großübung seit Pandemiebeginn, die ansonsten einmal im Jahr immer mit unterschiedlichen Szenarien geübt wird. Norbert Klein vom Technischen Hilfswerk, der an diesem Tag einer der Übungsleiter ist, sieht den Katastrophenschutz aktuell vor gewaltigen Umbrüchen. „So was wie die Flutkatastrophen in NRW und Rheinland-Pfalz in diesem Sommer habe ich vorher noch nie gesehen.“ Auch Frankfurter Kräfte waren dort im Einsatz.

Als die ersten Fahrzeuge der Rettungskräfte und Feuerwehr auf dem Übungsgelände ankommen, betont Klein, es sei später eine Herausforderung, wie sie das enge Gelände wieder verlassen, ohne einander zu behindern.

45 Fahrzeuge sind im Einsatz, viele davon kommen. wie auch die Helfer:innen, aus dem Lahn-Dill-Kreis. „Der Großteil sind ehrenamtliche Kräfte, nur eine Handvoll sind hauptberufliche Kräfte heute“, sagt Veith Bosenbecker von der Branddirektion Frankfurt. Gerade für die Ehrenamtlichen sei so eine Übungsgelegenheit wichtig. Er betont auch, dass an diesem Tag ebenfalls die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Hilfsorganisationen, Feuerwehr und Rettungsdiensten geübt werde. „Es gilt die 3-K-Regel. In der Krise Köpfe kennen“, so Bosenbecker.

Realistisches Szenario

Katastrophenschutz sei Ländersache. Das Land Hessen finanziere so auch diese Übung, die mehrere Tausend Euro koste, darunter fielen beispielsweise Kosten für die Ausstattung oder Essens-versorgung der Helfer:innen.

„Eine realistische Unfalldarstellung ist extrem wichtig, um auch bei einer echten Katastrophe agieren zu können“, so Feuerwehr-Sprecher Mohn. Die Helfer:innen wüssten vorab nie, welches Szenario ihnen begegne; auch das sei realtitätsnah. Deswegen brennen nicht nur Tonnen und werden Benzinbomben gezündet, sondern es sind auch 20 Mimen und Miminnen an diesem Tag im Einsatz.

Eine Mimin ist Lina (20) aus dem Lahn-Dill-Kreis. Sie hat eine fiese Verletzung auf ihren Arm geschminkt bekommen, die täuschend echt aussieht. Sie lehnt sich als Opfer unweit des schreienden Mannes erschöpft gegen eine Tonne. Eigentlich absolviert sie gerade ihre Ausbildung zur Notfallsanitäterin. Sie war schon öfter als Mimin im Einsatz. „Es ist superwichtig, um die Theorie in die Praxis umzusetzen“, betont sie.

Hat sie keine Angst, dass sie in Panik geraten könnte, wenn sie wirklich mal bei einer Katastrophe Menschen retten müsste? „Nein, ich werde versuchen, ruhig zu bleiben. Das Menschenretten ist immer in mir.“

Die Feuerwehr löscht für die reale Darstellung echte Feuer einer Tonne.

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