1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Die Fastnacht ist zurück

Erstellt:

Von: Kathrin Rosendorff

Kommentare

Bernd Hude in seiner Rolle „Ein Frauenversteher“ beim Frankfurter Prinzenpaar: Prinz Larry I. und Prinzessin Nadin I. Die Prinzessin nennt er eine „heiße Granate“.
Bernd Hude in seiner Rolle „Ein Frauenversteher“ beim Frankfurter Prinzenpaar: Prinz Larry I. und Prinzessin Nadin I. Die Prinzessin nennt er eine „heiße Granate“. © Monika Müller

Bei der ersten Inthronisationssitzung des Frankfurter Prinzenpaars nach der Pandemiepause sind manche Reden fernab des diesjährigen Regenbogen-Mottos, das eigentlich für eine bunte, freie Welt stehen soll. Witze übers Gendern, Klimaktivsten und Winnetou.

Eine Biene Maja schwenkt begeistert ihren Regenbogenleuchtstab, ein Andreas Gabalier mit Sonnenbrille und Lederhose klatscht im Sitzen mit. Die Kostüme des Publikums sind so bunt wie auf der Bühne. Mister Tomm, der „Stimmenimitator“, performt dort gerade live als Elvis, Udo Lindenberg, Michael Jackson oder auch mal als Eros Ramazzotti, immer im passenden Kostüm. Als Tina Turner schlüpft er in Sekundenschnelle in einen goldenen Glitzerrock und zieht eine blonde Perücke auf. Y.M.C.A von Village People, die einstige Hymne der homosexuellen Szene, wird bei der Frankfurter Fastnacht vom Präsidenten des Großen Rats, Axel Heilmann, umgetextet zu „Denn du bist meine Stadt Frankfurt am Main“. Willkommen bei der ersten Inthronisationssitzung des Großen Rats der Karnevalsvereine nach der zweijährigen Pandemiepause.

Vierhundert Gäste schunkeln am Freitagabend im Titusforum des Nordwestzentrums. Einige Tische in den hinteren Reihen bleiben leer. Fastnachtsfan Karin aus Bornheim ist ganz begeistert, hier zu sein, sie hat die Tickets erst am Vortag gewonnen. Sie habe also ihre Verkleidung improvisieren müssen, sie und Kumpel Siggi haben sich als Gärtnerpaar verkleidet. „Es ist mein erstes Mal bei der Inthronisationssitzung. Ich freue mich so, denn ich liebe Fastnacht.“ Was genau da? „Alles ist toll. Die Büttenreden, die Musik, die Stimmung, das Schunkeln. Mein Lieblingslied ist ‚Dicke Mädchen haben schöne Namen‘. Hoffentlich kommt das später.“

Aber nicht nur das Programm und die Kostüme sind bunt: Denn das diesjährige Motto der Kampagne des Prinzenpaars Larry I. (Larry Alexander Crichton) und Nadin I. (Nadin Otto) hat den Regenbogen als Symbol und lautet „Frankfurts Fastnacht schrill und fein und sechsfarbbunt noch obendrein“. Die Narren und Närrinnen im Publikum schwenken auch kleine Regenbogenflaggen. Prinzessin Nadin I. betont bei ihrer Rede, „die bunte Botschaft ist uns wichtig. Lebe frei, dann lebst du richtig. Denn Freiheit ist ein Menschenrecht.“

Klingt modern, toll, ganz nach 2023. Doch nicht alle Reden auf der Bühne passen zu dem Regenbogenmotto. Zwischendrin fühlt man sich, als sei man in einer Dorfkneipe im Jahr 1950 gelandet. So gibt es zwischendrin Witze auf Mario-Barth-Niveau, also dass Frauen nicht einparken könnten oder dass die Prinzessin eine „heiße Granate ist“, so scherzt der „Frauenversteher“ Bernd Hude, der in seiner Rolle als Dauersingle sagt, dass um 19 Uhr immer bei ihm das „Handmännchen“ komme. Aber zum Schluss sagt er dann aber immerhin, „umarmt und liebt euch. Die Welt ist kunterbunt.“

Der bekannte Karnevalist Ralf Falkenstein, der auch 27 Jahre als Chef des Protokolls bei „Hessen lacht zur Fassenacht“ im HR-Fernsehen war, motzt in seiner Rolle und mit Narrenkappe hingegen über einiges in der heutigen bunten Welt: „Die Schlimmsten aktuell auf der Piste: sogenannte Klimaaktivisten“, aber auch das Gendern, die One-Love-Binde bei der WM in Katar („Beim Spiel für Deutschland, würd’ ich sage, wird Schwarz-Rot-Gold am Arm getragen“) gehören zur Rubrik „Vieles, was ich heut’ so sehe, kann ich nicht unbedingt verstehen“.

Fastnachtstermine in Frankfurt

Der Kinderfastnachtszug geht am Samstag, 18. Februar, von der Hauptwache zum Römer los. Beginn um 12.11 Uhr. Ab 13.11 Uhr gibt es die Erstürmung des Römers und die Schlüsselübergabe an das Frankfurter Prinzenpaar (nur geladene Gäste).

Die Vor-dem-Zug-Party am Römer, „bis de Zuch kommt“, beginnt am Sonntag, 19. Februar, um 11 Uhr. Ab 12.21 Uhr geht dann der große Frankfurter Fastnachtszug durch die Innenstadt los, Abmarsch und Zugbeginn am Untermainkai. Eine Tribüne für Zuschauer und Zuschauerinnen wird auf dem Römerberg aufgebaut.

Der Klaa Pariser Fastnachtszug durch den Stadtteil Heddernheim beginnt am Dienstag, 21. Februar, um 14. 31 Uhr. rose

An einer Stelle sagt er, „unübersichtlich und diskret wird’s bei der Sexualität. Männlich, weiblich und divers, für manche normal, für annern pervers“. Dem Großteil des Publikum gefällt dieser Humor, es lacht, klatscht, einige schwingen wenig passend dazu die Regenbogenleuchtstäbe. Aus dem Saal hört man aber auch ein bisschen Protest und so etwas wie Buhrufe.

Und zwar auch an der Stelle, an der Falkenstein im Namen der Narrenfreiheit und Teil seines „Protokolls“ sagt, „letzte Woche, da ist es passiert, da bin ich komplett eskaliert. Auf DVD lief Winnetou“, beginnt er. Dann verwendet er die rassistisch besetzten Z- und N-Worte für Paprikaschnitzel und Schokokuss. Und dann gibt es noch den Teil seines „Protokolls“, in dem er betont, kein Nazi zu sein und nicht die AfD zu wählen. Er sei ein Normalo. „Es geht vielen schlecht in dieser Welt, doch auch Deutschland benötigt Geld.“ „Ein Appell an die Politiker, den Menschen zuerst mal vor eurer Tür zu helfen.“

Diese Rede verpasst OB-Kandidat Mike Josef (SPD), weil er erst später als Zuschauer im Saal Platz nimmt. OB-Kandidat Uwe Becker (CDU) lässt sich schon früher sehen. Fernab der Büttenreden wärmen sich im Foyer die Gardetänzerinnen der „Blau-Gelben Garde- und Showtanzgruppe Contacter“ aus dem baden-württembergischen Gerlingen auf. Ein junger Mann aus dem Team hilft einer Tänzerin bei den Dehnübungen, ein Spagat gegen die Wand. Die Showtanzgruppe komme oft nach Frankfurt zur Fastnacht, erzählt eine der Tänzerinnen. Später am Abend werden sie neben klassischem Gardetanz auch einen Auftritt zum Motto „Indischer Frühling – Das Fest der Farben“ vorführen.

Die Nacht der Narren ist lang, der offizielle Beginn ist um 19.31 Uhr, die Veranstaltung dauert bis Mitternacht. Zur Stärkung bestellen die Gäste nicht nur Hochprozentiges, sehr beliebt sei auch das „Mettwurstbrötchen“, sagt eine Dame, die im Foyer am Stand arbeitet. Ein Herr, der bedient und auf seinem Block auch im dunklen Saal Bestellungen notiert, sagt, er möge die fröhliche Stimmung. Vom Programm bekommt er aber eigentlich kaum was mit. Denn er rennt die meiste Zeit. An so einem Abend lege er laut Schrittzähler 15 Kilometer locker zurück, berichtet er.

Sehr viel Applaus und Zugabewünsche gab es für Mister Tomm, der Stimmenimitator, hier als Tina Turner.
Sehr viel Applaus und Zugabewünsche gab es für Mister Tomm, der Stimmenimitator, hier als Tina Turner. © Monika Müller
Auch im Publikum war das diesjährige Kampagnenmotto mit dem Symbol des Regenbogens zu sehen. Auf der Bühne waren die Reden nicht immer passend.
Auch im Publikum war das diesjährige Kampagnenmotto mit dem Symbol des Regenbogens zu sehen. Auf der Bühne waren die Reden nicht immer passend. © Monika Müller

Auch interessant

Kommentare