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Frankfurt: Die ersten eigenen vier Wände

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Von: Timur Tinç

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Schöne Wohnungen in guter Lage für Familien, die lange darauf warten mussten.
Schöne Wohnungen in guter Lage für Familien, die lange darauf warten mussten. © christoph boeckheler*

In Frankfurt-Sachsenhausen ist eine Übergangsunterkunft mit 26 Wohnungen für Geflüchtete und Wohnungslose entstanden. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding hat die ehemalige Brache für 14,5 Millionen Euro entwickelt. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) betreut die Familien vor Ort.

Elke Voitl (Grüne) steht am Montagmittag in einer noch leeren Fünf-Zimmer-Wohnung in Sachsenhausen. Eine abgetrennte Küche ist dabei, ein Bad mit Badewanne und ein WC mit Dusche. In den kommenden Wochen wird eine neunköpfige Familie von Geflüchteten diese Wohnung beziehen. Die ersten eigenen vier Wände seit sie in Frankfurt sind. „Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt die Frankfurter Sozialdezernentin. Die Familie habe jahrelang in einer Gemeinschaftsunterkunft gelebt, und bei neun Personen werde es auch auf 90 Quadratmetern schnell eng.

Eine eigene Wohnung zu haben ist für viele Geflüchtete, die in Frankfurt leben, etwas, worauf sie seit Jahren warten. Seit dem Ausbruch des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hat sich die Situation noch einmal verschärft. Die Zahl der Menschen, die in städtischen Not- oder Übergangsunterkünften leben, ist von 5100 auf 9300 gestiegen. 3600 davon sind Wohnungslose. Jede noch so kleinste Entspannung hilft.

Auf der ehemaligen Brache in Sachsenhausen wurden insgesamt 48 Wohnungen von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding für 14,5 Millionen Euro gebaut. 26 davon werden künftig vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betrieben. Die restlichen Wohnungen werden auf dem Förderweg 1 vermietet. „Auf ähnlichen Flächen wie hier sind teuerste Eigentumswohnungen entstanden“, berichtet ABG-Geschäftsführer Frank Junker. „Das haben wir hier nicht gemacht, weil wir sagen, dass es unsere Aufgabe ist, mit der Stadt Wohnraum für die Geflüchteten zu schaffen.“

Zwar handelt es sich bei den 26 Wohnungen, die zwischen zwei und fünf Zimmer haben, auch hier um Übergangsunterkünfte. Allerdings, so Junker, wisse man aus Erfahrung, dass die Menschen meistens mehrere Jahre in den Wohnungen leben. Zumal es für Großfamilien ohnehin fast unmöglich ist, große Wohnungen zu günstigen Preisen zu finden. „Wer hier raus- geht, muss so stabil sein, dass er einen Job hat und eine eigene Wohnung findet“, betont Voitl.

DRK betreut Familien

In die 26 Wohnungen werden rund 120 Personen einziehen. Mit oder ohne Fluchterfahrung, die aus prekären Lebensumständen kommen. Die Menschen stammen unter anderem aus Afghanistan, Eritrea und Ghana. Ausgewählt werden sie vom Frankfurter Sozialamt. „Ein stabiles Wohnumfeld ist die Voraussetzung für Integration und Teilhabe an der Gesellschaft“, betont Voitl. Damit das gelingt, stehen Sozialarbeiter:innen des DRK den Familien zur Seite. „Wir helfen den Familien, wenn es darum geht, einen Kindergartenplatz zu finden oder zu vermitteln, dass es an der Schule ein gelungener Start wird“, erklärt Dierk Dallwitz, Geschäftsführer des DRK Bezirksverband Frankfurt. Es gehe nicht darum, die Eltern an die Hand zu nehmen, sondern sie zu befähigen, sich künftig um diese Themen selbst zu kümmern.

Die ABG untersucht derzeit eine Reihe von Flächen und Gebäude, ob man dort Geflüchtete unterbringen kann. Unter anderem das Juridicum auf dem Uni-Campus Bockenheim. „Das würde den Markt entspannen“, sagt Frank Junker.

In einer so guten Lage wie in Sachsenhausen solche Wohnungen zu bekommen, sei ein langer Kampf gewesen und nicht selbstverständlich, befindet Voitl. Bei den vielen Menschen, die eine Unterkunft bräuchten, wäre eigentlich ein neuer Stadtteil nötig. Trotzdem seien die 26 Wohnungen für die rund 120 Menschen eine Erleichterung, weil sie nun endlich eine eigene Küche und ein eigenes Badezimmer haben.

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