Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Corona-Pandemie

Frankfurt: Die Demokratie gegen Radikalisierung verteidigen

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
    schließen

Was tun gegen „Querdenken“ und Rechtsextreme? Bei der „Digitalen Demokratiekonferenz“ in Frankfurt geht es um gesellschaftliche Radikalisierung in Zeiten von Corona.

In einem Punkt herrscht Einigkeit: Wir haben ein Problem. Die Corona-Pandemie zeigt, wie stark antidemokratische Tendenzen in der Gesellschaft geworden sind. Was man dagegen tun kann, ist am Donnerstag Thema der digitalen Konferenz „Auf dem Prüfstand: Zum Umgang mit Radikalisierung in Zeiten der Pandemie“, zu der die „Partnerschaft für Demokratie Frankfurt“ eingeladen hat – ein Bündnis aus dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten (Amka), der Bildungsstätte Anne Frank und dem Frankfurter Jugendring.

Immerhin behaupte heute niemand mehr, dass rassistische Anschläge oder rechte Chats unter Polizist:innen „Einzelfälle“ seien, sagt Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte, bei der Abschlussdebatte am Nachmittag. In der Pandemie zeige sich ein Bündnis aus „Waldorfschule und Rechtsradikalen“, antidemokratische Einstellungen müssten endlich grundlegend angegangen werden – und dafür brauche es unter anderem neue, digitale Präventionskonzepte.

Thomas Mücke, Geschäftsführer des „Violence Prevention Network“, das mit radikalisierten Jugendlichen arbeitet, ist skeptisch: Gegenrede gegen extremistische Ideologien funktioniere in realen Gesprächen am besten, es sei wichtig, „dass wir möglichst nah an die jungen Menschen herankommen“. Zudem müsse eingeräumt werden, dass extreme Einstellungen sich auch in der oft beschworenen „Mitte der Gesellschaft“ breitmachten.

Frankfurts Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) sagt, das Miteinander müsse in einer diversen Gesellschaft neu gedacht werden. Um Jugendliche gegen Ideologien zu stärken, müsse man das Thema Antidiskriminierung forcieren – damit jeder in Frankfurt sich zugehörig fühle. Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill räumt ein, dass es nach den Skandalen der letzten Zeit notwendig sei, das Vertrauen in die Polizei zu stärken. Er arbeite intensiv an besseren Kontakten etwa zur Jüdischen Gemeinde oder zu muslimischen Gruppen.

Zu Beginn der Konferenz hatte bereits die Sozialpsychologin Pia Lamberty, die zu Verschwörungsmythen forscht, die Gefahr solcher Erzählungen betont. „Die Pandemie hat die Gefährlichkeit von Verschwörungserzählungen eindrücklich gezeigt“, sagte Lamberty. Obwohl solche Erzählungen seit den Anschlägen vom 11. September 2001 Zulauf erhielten, zeige sich durch die „Querdenken“-Bewegung, Drohungen gegen Ärzt:innen und „leider auch viel Gewalt“, was Verschwörungsglaube anrichte. Rund 25 Prozent der Deutschen glaubten zumindest teilweise an Verschwörungsmythen, so Lamberty. Diese stillten in Krisensituationen psychische Bedürfnisse: Sie böten die Möglichkeit, sich als scheinbar erleuchtet aufzuwerten, ermöglichten ein „Identitätsangebot“ und das Gefühl, mit einfachen Erklärungen die Welt zu durchschauen.

Studien belegten, dass Verschwörungsgläubige eher Impfungen ablehnten, Vorurteile gegen die Wissenschaft hegten und rechtsextreme Parteien wählten. Verschwörungsglaube gehe zudem oft mit antisemitischen oder rassistischen Einstellungen einher, schüre Feindbilder und könne als Katalysator für Gewaltanwendung wirken, sagte Lamberty. Die Gesellschaft müsse sich darauf einstellen, dass das Problem nicht mit dem Coronavirus verschwinden werde: Der Klimawandel sei bereits das nächste große Thema der Verschwörungsszene.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare