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Frankfurt: Die Corona-Pandemie zeigt sich auch in der Kriminalitätsstatistik

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Von: Oliver Teutsch

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Die Frankfurter Polizei leistete im vergangenen Jahr 93 000 Einsatzstunden bei Corona-Demos (2020: 38 000).
Die Frankfurter Polizei leistete im vergangenen Jahr 93.000 Einsatzstunden bei Corona-Demos (2020: 38.000). © Michael Schick

Die Zahl der Straftaten ist in Frankfurt im Jahr 2021 zwar insgesamt stark zurückgegangen, doch sexuelle und politisch motivierte Straftaten nahmen zu.

Erstmals seit mehr als 20 Jahren verzeichnet Frankfurt weniger als 100 000 Straftaten innerhalb eines Jahres. Auch ansonsten vermeldete Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Freitag „überaus erfreuliche Gesamtzahlen“. Die Zahl von „nur“ 96 449 Straftaten im vergangenen Jahr sei auch insofern beachtlich, weil die Einwohnerzahl Frankfurts im Vergleich zum Beginn des Jahrtausends um etwa 120 000 gestiegen sei.

Die Zahl der Diebstahlsdelikte sank mit 28 871 sogar auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erfassung im Jahr 1971. Zum Vergleich: 1987 verzeichnete Frankfurt innerhalb eines Jahres noch mehr als 100 000 Diebstähle. Allerdings sind die präsentierten Zahlen in manchen Deliktbereichen mit Vorsicht zu genießen. Denn aufgrund der Pandemie blieben Frankfurt im vergangenen Jahr viele Tausend Reisende und Messegäste fern, die etwa im Bereich Taschendiebstahl als potenzielle Opfer beliebt sind.

Bereswill sprach davon, dass sich „coronabedingt Deliktfelder verschieben“. So sank die Zahl der Wohnungseinbrüche erstmals seit 1971 deutlich unter 1000 (723). Das Minus von 30,5 Prozent gegenüber 2020 ist aber sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass viele Menschen häufiger zu Hause waren. Hingegen stieg die Zahl der Einbrüche in Keller und Fahrzeuge enorm an. Mit der Pandemie habe sich auch die Beschaffungskriminalität von Drogenabhängigen verlagert. So seien bei Kellerdiebstählen im vergangenen Jahr 22 Tatverdächtige Konsumenten harter Drogen gewesen. 2020 war es nur einer. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei Fahrraddiebstählen, die im dritten Jahr in Folge zunahmen. 5221 geklaute Fahrräder bedeuten gegenüber 2020 eine Zunahme von 19,2 Prozent. Unter den geschnappten Tatverdächtigen seien 81 Konsumenten harter Drogen gewesen (2020: elf). Bei Fahrraddiebstählen verzeichnet die Polizei aber auch ein verstärktes Auftreten überregionaler Banden. Die teuren E-Bikes und Pedelecs erfreuen sich auch unter professionellen Kriminellen einer großen Beliebtheit.

Sorge bereitet Bereswill die starke Zunahme sogenannter Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Allein im Bereich der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung wurde gegenüber 2020 ein Anstieg um 53,1 Prozent auf 150 Fälle verzeichnet. Die Polizei geht davon aus, dass solche Delikte immer häufiger angezeigt werden, es aber noch immer eine hohe Dunkelziffer gibt. Eine solche muss es wohl auch bei der häuslichen Gewalt geben. Denn während die Polizei keinen Anstieg verzeichne, werde ihr von Partnerorganisationen ein anderes Bild gemeldet. Die Frauenhäuser in Frankfurt seien an der Kapazitätsgrenze, berichtete Bereswill.

Deutlich zugenommen hat mit 605 Fällen auch die Zahl der politisch motivierten Kriminalität. In vielen Fällen habe es sich dabei um die Zerstörung von Wahlplakaten gehandelt. Allerdings erreichte die Zahl politisch motivierter Taten aus dem rechten Lager mit 279 Fällen einen neuen Höchststand. Die Polizei geht davon aus, dass der Anstieg mit der sensibilisierten Wahrnehmung der Bevölkerung zu tun habe, Gewaltdelikte seien kaum darunter. Hingegen sei die Gewalt gegen die Polizei nach wie vor auf einem hohen Niveau. 1679 Beamt:innen seien im vergangenen Jahr Opfer von Gewalt geworden.

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