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„Wenn Sie bitte auf mich und meine Familie aufpassen könnten ... danke.“ Ein Steinkauz, hier beim Wiegen durch einen befreundeten Ornithologen.
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„Wenn Sie bitte auf mich und meine Familie aufpassen könnten ... danke.“ Ein Steinkauz, hier beim Wiegen durch einen befreundeten Ornithologen.

Stadtnatur

Frankfurt: Die Bibel für den Artenschutz

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Die Stadt soll ihre Entwicklung nach Eidechse, Hamster und Steinkauz richten, so will es das fertige Biotopkonzept. Am Montag wird es der Öffentlichkeit vorgestellt.

In einschlägigen Kreisen nennen sie es zärtlich ABSK: Das Arten- und Biotopschutzkonzept der Stadt Frankfurt ist fertig. Es soll die Stadtplanung und Stadtentwicklung auf eine neue Grundlage stellen. Hieß es bisher schon oft „vom Grün her denken“, so kommen künftige Projekte bald gar nicht mehr daran vorbei, vom Artenschutz her zu denken. Das kündigt jedenfalls Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) an, als sie das Werk am Freitag im Umweltamt vorstellt.

Der Dunkle Ameisenwiesenknopfbläuling ist auch dabei. Er darf – als Star eines Fotos – zeigen, wo er seine Eier legt: auf dem blühenden Wiesenknopf, einer Blume. Und nur dort. „Gäbe es diese Blume nicht, gäbe es auch den Bläuling nicht“, sagt Heilig. Und exakt das sei das Geheimnis der Artenvielfalt. Alles hängt von allem ab, Tiere brauchen ihre Biotope und umgekehrt, und sie müssen auch von einem Lebensraum in den nächsten wandern können. Genau daran hapert es aber in Frankfurt.

„Die Standorte sind überhaupt nicht miteinander vernetzt“, sagt Volker Rothenburger, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, „die sind alle isoliert. Da müssen wir was tun.“ Denn obwohl Frankfurt eine sehr artenreiche Stadt ist, obwohl es hier den größten Stadtwald der Republik gibt und einzigartige Naturgebiete wie den Berger Hang, die Schwanheimer Dünen, obwohl hier sogar der seltene Flussregenpfeifer lebt: Wenn die Biotope nicht miteinander vernetzt sind, droht langfristig der Verlust der Vielfalt.

Das also ist eine Hauptaufgabe des Konzepts, das die Stadtverordneten schon vor zehn Jahren in Auftrag gegeben haben. Jetzt ist es da, 1338 Seiten stark, gefüttert mit 250 000 Artnachweisen an 24 000 Standorten. Es basiert auf den jüngsten Erkenntnissen der Biotopkartierung, die Senckenberg seit 35 Jahren betreibt und alle fünf Jahre aktualisiert: kein Strauch, kein Lebewesen der Stadt ist darin vergessen.

Am Konzept arbeiteten die städtischen Stellen gemeinsam mit dem Münchner Planungsbüro PAN und einem 33-köpfigen Expertengremium, einem „Who is who des Artenschutzes in Frankfurt“, sagt Rothenburger, mit zahlreichen Ehrenamtlichen und einem Fachbeirat zur Methodik.

Lebensräume schützen

Sie unterteilten am Ende die Stadt in 88 Zielräume wie beispielsweise den Niddapark, sie prüften: Was ist wertvoll, was ist schützenswert? Und sie formulierten Ziele. Der Stadtwald etwa soll zu 100 Prozent naturnah sein. Was freilich nicht bedeutet, dass nun alle Straßen und Autobahnen darin gesperrt und dem Forst zum Fraß vorgeworfen werden. „Naturnah heißt: Der Schutz der Lebensräume bekommt eine noch viel höhere Relevanz“, sagt Heilig.

„Das Konzept ist nur so gut, wie es auch umgesetzt wird“, sagt Umweltamtsleiter Peter Dommermuth. Alles, was in Frankfurt gebaut wird, muss sich künftig der Prüfung stellen, wie es sich mit dem Arten- und Biotopschutz verträgt – wenn das Werk demnächst den Gang durch Magistrat und Stadtverordnetenversammlung hinter sich gebracht hat. Die Daten dafür sind schnell abrufbar, vieles soll auch der Öffentlichkeit digital auf einem Portal zur Verfügung gestellt werden.

Könnten Mauereidechse und Feuersalamander lesen, hätten sie bald auch Gelegenheit zu erfahren, wo geeignete Stellen für die Biotopvernetzung sind. Entlang von Bahngleisen und Autobahnböschungen etwa sollen Verbundachsen wachsen, „schotterige Stellen“, sagt Rothenburger, „Trittsteinflächen“ – Orte, die Lebensraum sein können, wenn wir sie lassen.

Frankfurt hat eine besondere Verantwortung für 59 Tierarten, die sich vorwiegend hier bei uns wohlfühlen und auf die wir deshalb aufpassen müssen. Der Wanderfalke, der die Hochhausschluchten liebt, zählt ebenso dazu wie die Abgeplattete Teichmuschel (die heißt wirklich so), der Gartenrotschwanz, die Meerforelle (kommt zum Laichen) und der Lilastiel-Rötelritterling (ein Pilz). Und auf seine Streuobstwiesen muss Frankfurt auch achtgeben.

„Chance und Verpflichtung“ ist das Konzept überschrieben. Die Kurzfassung ist unter www.frankfurt.de/absk zu lesen. Und am Montag, 13. September, 18 Uhr, ist das ABSK zentrales Thema der Frankfurter Biodiversitätskonferenz auf dem Unicampus Westend. Dabeisein geht im Internet: youtube.com/watch?v=qaLiwgr_7ag

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