Der Traum von vielen Frankfurtern, dass der Mainkai ein Radweg bleibt, ist vorerst ausgeträumt.
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Der Traum von vielen Frankfurtern, dass der Mainkai ein Radweg bleibt, ist vorerst ausgeträumt.

Verkehr

Autos fahren wieder am Mainkai – das führt zu gefährlichen Situationen

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Seit Dienstagnachmittag ist mit entspanntem Flanieren am Mainkai in Frankfurt Schluss. Es gibt aber gleich zu Beginn Proteste und gefährliche Verkehrsmomente. Denn viele Passanten sind von der Öffnung überrascht.

Frankfurt – Am Dienstagmittag ist alles noch extrem entspannt am Frankfurter Mainkai: Ein paar Jogger nutzen die letzten Stunden vor der Öffnung am nördlichen Mainufer, um auf der dreispurigen Straße ganz ungestört von Autos zu rennen und zu schwitzen. Eine Mutter spaziert mit Kinderwagen und der Oma des Babys die Straße entlang. Sie ist wütend, dass dies vorerst das letzte Mal sein wird. „Die Entscheidung, den Mainkai wieder für Autos zu öffnen, ist einfach sehr schlecht. Ich habe es geliebt, hier zu flanieren“, sagt sie. Die Betonpoller sind da schon weggeräumt.

Das Verkehrsexperiment, den Straßenabschnitt am nördlichen Ufer zwischen Untermainbrücke und Alte Brücke Fußgängern und Radfahrern vorzubehalten, ist nach 13 Monaten beendet. Die Römer-Koalition aus CDU, SPD und Grünen war sich bis zuletzt immer noch uneinig: Während Sozialdemokraten und Grüne den Verkehrsversuch fortsetzen wollten, war die CDU dagegen. Initiativen wie „Mainkai für alle“ haben heftig gekämpft, um den Mainkai autofrei zu lassen.

Mainkai in Frankfurt: Viele geben reichlich Gas

Ob er in Zukunft wieder zu einer Flaniermeile werden könnte, bleibt offen. Aber jetzt ist erstmal Schluss mit Flanieren. Um 15 Uhr rollen die ersten Autos wieder los, erst ganz zaghaft, ein paar Fahrer scheinen noch verunsichert, können es kaum glauben. Aber nicht nur sie. „Ist der Mainkai jetzt wieder offen oder nicht?“, fragt eine Passantin einen Polizisten eine halbe Stunde nach der Öffnung. Denn da versperren Polizisten mit ihren Motorrädern die Durchfahrt. „Eigentlich ist wieder offen, aber es gibt eine Spontandemo“, antwortet einer der Polizisten.

Und tatsächlich singen und protestieren am Eisernen Steg Aktivisten von Fridays for Future. Bewaffnet sind sie mit Gitarre und Klappstühlen, die sie am Ampelübergang aufstellen. „Wir geben uns nicht mit der Entscheidung zufrieden. Wir werden das nicht so stehen lassen“, sagt die 18-jährige Aktivistin Robin. „Diese 15-minütige Blockade heute ist erst der Anfang“, kündigt sie an.

Wenige Minuten später ist der Weg für Autos und Lastwagen wieder frei. Es ist zunächst noch nicht die Masse an Autos, aber die meisten, die hier entlangfahren, geben reichlich Gas. Eine Taxifahrerin hupt eine junge Radfahrerin, die noch wie gewohnt mitten auf der Straße fährt, ungeduldig an und schneidet sie mit ihrem Wagen. Auch viele andere Autofahrer und Lastwagenfahrer rasen, als wäre hier eine Rennstrecke. „Das ist super gefährlich. Vorhin ist eine Frau fast angefahren worden. Auch ich habe erst vorhin auf Facebook erfahren, dass heute die Autos wieder hier fahren dürfen. Da hätte man wirklich Schilder gerade hier an der Ampel am Eisernen Steg anbringen können“, sagt Aline (28), die im Ostend lebt.

Noch rollen nur wenige Autos, die Nachricht muss sich erst noch herum sprechen.

Mainkai in Frankfurt: „Es war viel entspannter ohne die Autos“

Und tatsächlich: Viele Passanten trotten noch ganz gemächlich über die Ampel. Ein Mann sagt, während ein Lastwagen an ihm vorbeibraust: „Ich hatte das gar nicht mehr auf dem Schirm, dass es heute wieder losgeht. Ich finde das echt blöd.“ Auch ein Vater fährt noch mit seiner kleinen Tochter mit dem Rad in der Mitte der Fahrbahn. Eine Frau aus Hausen sagt: „Dass Autos hier wieder rollen dürfen, ist befremdlich.“ Eine 27-Jährige aus dem Gallus betont: „Es war viel entspannter ohne die Autos. Ich hätte es aber schöner gefunden, wenn die Fläche besser gestaltet gewesen wäre. Ich fände es gut, wenn in Zukunft der Mainkai für immer gesperrt wird und man dann auch mehr Grünflächen und Cafés hinbaut. Da gibt es ja tolle Ideen, die schon vorgestellt wurden. Das wäre kulturell eine Bereicherung.“ Die Frau aus Hausen sagt: „Auch für Touristen wäre es autofrei attraktiver mit dem Römer in der Nähe.“ Selbst ein Autofahrer sagt: „Ich müsste nicht hier durchfahren. Aber wenn sie es sperren, dann sollten sie es bitte hübscher gestalten.“

Eine junge Mutter aus Sachsenhausen ist wie andere Passanten zwiegepalten: „Als Familie ohne Auto und mit Kleinkind und Baby sind wir für eine Verkehrswende in Frankfurt zugunsten von Fußgängern und Radfahrern. Aber wir waren selbst von der Sperrung betroffen, Wir wohnen direkt an der Walter-Kolb-Straße und der Verkehr hatte extrem zugenommen.“ Ihr Sohn Carl, vier Jahre alt, findet es super, dass die Autos wieder fahren dürfen: „Mehr Ruhe vor meinem Zimmerfenster.“ Seine Mutter hofft auf eine bessere Zukunft: „Ein gutes, durchdachtes Konzept für eine langfristige Verkehrswende wäre toll.“

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