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Der angebliche Teppichhändler aus Frankfurt konnte eine alte Frau um 40.000 Euro betrügen (Symbolbild)
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Der angebliche Teppichhändler aus Frankfurt konnte eine alte Frau um 40.000 Euro betrügen (Symbolbild)

Aus dem Amtsgericht

Frankfurt: Alte Frau wird von „Teppichhändler“ um Tausende Euros betrogen

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Ein Prozess, wie ihn die Brüder Grimm nicht schöner hätten schildern können. Ein angeblicher Teppichhändler aus Frankfurt betrügt eine alte Frau um Tausende Euros.

Es war einmal vor langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, da lebte ein Mann namens Gino, der war ein ehrlicher persischer Teppichhändler. Und weil er nicht gestorben ist, erscheint er am Dienstagmorgen vor dem Amtsgericht.

Das ist natürlich ein Märchen. In Wahrheit ist das gar nicht so lange her, das Wünschen hat noch nie geholfen, und der 39 Jahre alte Gino W. ist weder ehrlich noch persisch noch Teppichhändler. Gestorben ist er zwar noch nicht, hat aber immerhin eine ärztlich attestierte fiebrige Erkältung und bleibt daher seinem Betrugsprozess fern.

Frankfurt: Mit strömenden Tränen bekam er Mitleid und Geld

Das hier ist kein Märchen: Es war einmal vor kurzer Zeit, da erschien Gino, der Teppichhändler, bei einer alten Frau. Die hatte zwar mehr als genug Teppiche, ließ Gino aber trotzdem ein, denn der hatte ihr erzählt, sein armer alter Vater sei soeben verstorben und habe ihm nichts als den Teppichhandel hinterlassen, und er dauerte sie. Im Wohnzimmer der Frau hub Gino plötzlich ein großes Wehklagen an, und Zähren strömten aus seinen Augen gleichsam Euphrat und Tigris. Nun hatte die alte Frau zwar schon 91 Lenze ins Land gehen, aber nimmer einen Mann derart bitterlich weinen sehen, und sie fragte nach dem Grund seines Kummers. „Ei Gevatterin, wie sollte ich nicht weinen?“, klagte da Gino und erzählte, er habe zwei Töchter, schön wie Ebenholz, die würden im fernen Persien gefangengehalten und sollten dort gezwungen werden, zwei Männer zu freien, die ihnen zuwider seien. Ach, hätte er doch nur 20 000 Euro, so könnte er seine beiden Töchter freikaufen und heimholen.

„Wenn’s weiter nichts ist“, sprach die Frau, die selbst zwei Söhne hatte und diese auch nicht gerne zwangsvermählt sehen wollte, ging zu ihrem Tresor, holte 20 000 Euro heraus und gab sie dem weinenden Teppichhändler. Der trocknete kurz seine Tränen, besann sich dann aber eines Besseren und klagte erneut: „Sagte ich beide Töchter? Ich meinte natürlich: 20 000 pro Tochter.“ „Wenn’s weiter nichts ist“, sprach die Frau abermals. Mit 40 000 Euro und trockenen Augen verließ Gino das Haus der alten Frau, und hätte er zwei Töchter gehabt, womöglich hätte er sie sogar freigekauft.

Amtsgericht Frankfurt: Ein Jahr Bewährungsstrafe und 300 Stunden gemeinnützige Arbeit

„Seine Schulden wurden immer höher – wie das so ist im normalen Leben“, erklärt Ginos Verteidiger vor dem Amtsgericht. Aber sein fiebriger Mandant sei geständig, und 500 Euro habe er ja schon zurückgezahlt, der Rest erfolge in so hohen Raten, wie Hartz IV das gestatte.

Gino W. ist märchenhafterweise nicht vorbestraft und erfährt also die Milde des Amtsgerichts, das ihm in Abwesenheit zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Die alte Frau ist umsonst als Zeugin angereist, aber dennoch zufrieden. „Ich bin froh, dass er Ersttäter ist – dann ist meine Menschenkenntnis ja doch nicht so doof.“ Das Schlimmste an der ganzen Sache sei auch gar nicht der lügende Teppichhändler, sondern ihre eigene Familie gewesen: „Die haben mich beschimpft, das bin ich gar nicht gewohnt.“ (Stefan Behr)

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