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Frankfurt: Die Alte Brücke neu entdecken

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Von: Stefanie Wehr

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Architekt Christoph Mäckler (links) verriet den Anwesenden viele interessante Details zur Baugeschichte der Brücke.
Architekt Christoph Mäckler (links) verriet den Anwesenden viele interessante Details zur Baugeschichte der Brücke. © Rainer Rüffer

Der Tag des offenen Denkmals führt zur 800 Jahre alten Querung über den Main. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Alte Brücke mehrfach zerstört, wieder aufgebaut und verändert.

Vor 800 Jahren wurde die Alte Brücke erstmals erwähnt – im Jahre 1222, weshalb die Stadt kurzerhand das Jubiläumsjahr für die älteste Brücke Frankfurts ausgerufen hat. Grund genug für den Frankfurter Brückenbauverein, um am Tag des offenen Denkmals am Sonntag einen Empfang am nördlichen Brückenpfeiler auszurichten.

Zudem bot der Historiker, Städtebauer und Gästeführer Björn Wissenbach, der Mitglied im Vorstand des Brückenbauvereins ist, vier ausgebuchte Führungen und eine zusätzliche für Presse und Stadtpolitiker an, die vom Architekten Christoph Mäckler, Vorstandsvorsitzender des Vereins, sowie dem angehenden Mobilitätsdezernenten Wolfgang Siefert (Grüne) und der Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung (ASE), Michaela Kraft, und den Mitarbeitern der Abteilung Brückenbau begleitet wurde.

Die Alte Brücke, die mehrmals zerstört, wieder aufgebaut und ausgebessert wurde, verdankt ihr heutiges Aussehen dem Architekturbüro Mäckler, das 2002 den Wettbewerb für die bestandsnahe Grundsanierung gewonnen hatte. Für 32 Millionen Euro wurde sie 2013/14 saniert, der Stahlunterbau erneuert, Sandsteinbrüstungen ersetzten die „Autobahngeländer“ (Mäckler), die die Alte Brücke seit der Nachkriegszeit verschandelt hatten. Die historisch anmutenden grünen Straßenlaternen, so Mäckler, wurden „einzig für die Brücke entworfen und stehen sonst nirgendwo“. Erst 2016 kam die sanierte Statue Karls des Großen, für die der Brückenbauverein 120 000 Euro investierte, an ihrem heutigen Platz auf der Ostseite. 2018 kehrte schließlich der goldene Brickegickel auf die Brücke zurück, inklusive des historischen Brückenkreuzes, das im Zuge der Sanierung abmontiert worden war.

Während Wolfgang Siefert die Alte Brücke als „ersten Baustein der Mobilitätswende“ lobte, weil „hier erstmals Fahrspuren zugunsten von Radwegen weggenommen wurden und siehe da, es war nicht das Ende des Abendlandes“, bedauerte Christoph Mäckler, dass die Brücke überhaupt Teil einer Hauptverkehrsachse ist: „Es ist schade, dass sich die Planer für Autobahnspuren entschieden haben. Ein Kopfsteinpflaster wäre mir lieber gewesen. Es hätte der großen historischen Bedeutung der Alten Brücke viel mehr Rechnung getragen.“

Die Alte Brücke war von Beginn an eins der wichtigsten Wegekreuze weithin, erläuterte Wissenbach. Sie verband nicht nur Hibbdebach und Dribbdebach, sondern legte den Grundstein für die Entwicklung Frankfurts zur Handels- und Messestadt. In Ost-West-Richtung verlief als Wasserstraße der Main, auf dem die Flößer ihr Gut zwischen den Brückenpfeilern hindurch bugsierten – der goldene Gickel leuchtete in der Sonne und wies ihnen den Weg entlang des Hauptbrückenpfeilers. Das Brückenkreuz mit der Jesusfigur unter dem Hahn sollte den der Todesstrafe Geweihten, die von der Brücke in den Main gestoßen wurden, einen friedvollen Übergang in den Tod ermöglichen. Nicht begehbar ist ein Treppenabgang zum Tiefkai auf der Frankfurter Westseite der Brücke. Die Idee, darin eine Bar zu eröffnen, wurde verworfen.

Der Brückenbauverein sammelt aktuell Geld für den Wiederaufbau des Langen Franz, des im Zweiten Weltkrieg zerbombten nördlichen Rathausturms. Auch dieser hat einen Bezug zur Alten Brücke: Seine Turmkrone war dem Sachsenhäuser Brückenturm nachempfunden, der 1765 abgerissen worden war. Bisher wurden mehr als 643 000 Euro an Spenden gesammelt.

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