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Fernbahntunnel in Frankfurt: Neue Details zum Milliardenprojekt

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Von: Florian Leclerc

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Schon jetzt sind täglich etwa eine halbe Million Reisende am Frankfurter Hauptbahnhof unterwegs.
Schon jetzt sind täglich etwa eine halbe Million Reisende am Frankfurter Hauptbahnhof unterwegs. © Peter Jülich

Die Deutsche Bahn stellt das Milliardenprojekt Fernbahntunnel in Frankfurt vor. Weitere Veranstaltungen sollen folgen. So ist der Stand der Dinge.

Frankfurt - Es wird noch gut 20 Jahre dauern, bis Frankfurt einen neuen Fernbahnhof für ICE bekommt, aber die Weichen werden schon jetzt gestellt. Ein Jahr, nachdem eine Machbarkeitsstudie gezeigt hatte, dass ein ICE-Bahnhof unter dem Frankfurter Hauptbahnhof grundsätzlich möglich ist, hat die Deutsche Bahn die Planungsleistungen ausgeschrieben.

Dazu zählen die Vorplanung, Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung und die Ausführungsplanung - „alles in einem Vorgang, um Zeit zu sparen“, sagte Gerd-Dietrich Bolte, der für die Deutsche Bahn die Infrastrukturprojekte in der Mitte Deutschlands leitet. „Ohne den Fernbahntunnel wird es nichts mit dem Deutschlandtakt“, sagt er. Mit dem Deutschlandtakt werden ab Dezember 2025 Fernzüge alle halbe Stunde in den großen Städten abfahren. Auch in Frankfurt muss die Infrastruktur der Bahn dafür an zahlreichen Stellen verbessert werden.

Fernbahntunnel in Frankfurt: Neue Gleise und Bahnsteige geplant

Unter anderem wird am Südbahnhof das Gleis 10 neu gebaut und ein neues Stellwerk installiert. Am Frankfurter Hauptbahnhof entsteht das Gleis 25 an der Nordseite neu, wo sich derzeit Parkplätze befinden.

Der Fernbahnhof soll vier Gleise an zwei Mittelbahnsteigen bekommen. Er wird in etwa 40 Metern Tiefe an der Südseite des Hauptbahnhofs liegen, entlang der Mannheimer Straße. Der Bahnsteig wird etwa 450 Meter lang, damit die mehr als 400 Meter langen ICE dort halten können.

Das Projekt Fernbahntunnel in Frankfurt

Der Fernbahntunnel in Frankfurt soll zehn Kilometer lang werden. Er hat einen Ausgang im Westen und zwei Ausgänge, nordmainisch und südmainisch, im Osten. Der Tunnel schließt an den neuen Fernbahnhof mit vier Bahnsteigen unter dem Hauptbahnhof an. Das Projekt soll die Fahrzeiten deutschlandweit verkürzen, die Kapazitäten erhöhen und Fernzüge pünktlicher machen. Schon jetzt passieren ein Drittel der Fernzüge den Frankfurter Hauptbahnhof. (fle)

Die Deutsche Bahn erwartet 20 Prozent mehr Kapazität durch den Fernbahntunnel - also können ein Fünftel mehr Züge den Hauptbahnhof passieren. Auch die Fahrzeiten würden kürzer - von Frankfurt nach Hamburg, Berlin oder München um jeweils etwa eine halbe Stunde.

Fernbahntunnel in Frankfurt: So ist die Streckenführung geplant

Die Machbarkeitsstudie hatte eine mögliche Streckenführung unter dem Main hindurch gezeigt - andere Strecken unter der Innenstadt oder unter den Bankentürmen waren wegen der Fundamente der Hochhäuser nicht möglich gewesen.

Im Westen werden die Züge, die über eine Eisenbahnbrücke aus Niederrad kommen, durchs Tunnelportal in die Tiefe fahren. Nach dem Halt im Fernbahntunnel geht es unter dem Main hindurch, wo sich die Strecke in einen nordmainischen Tunnel und einen südmainischen Tunnel spaltet. Im Süden kommen die ICE in Oberrad aus dem Tunnel, im Norden nördlich der Hanauer Landstraße.

Neue Querverbindung für Frankfurter Fernbahntunnel unter den Gleisen geplant

Für Reisende sowie für Anwohnerinnern und Anwohner wird eine neue Querverbindung unter den Gleisen im Vorfeld des Hauptbahnhofs gebaut - mit einem Ausgang „Gutleut“ und einem Ausgang „Messe“. Die Querverbindung wird östlich des Hafenbahntunnels liegen. Die Kosten des Fernbahntunnels wurden zuletzt mit etwa 3,5 Milliarden Euro angegeben, die der Bund übernimmt.

Im Raum „Skyview“ im 32. Stock des Silberturms stellte die Deutsche Bahn das Projekt am Montag den Beteiligten und der Öffentlichkeit vor. Es war der Beginn einer frühen Öffentlichkeitsbeteiligung, der weitere Veranstaltungen, digital und analog, folgen sollen, kündigte Gerd-Dietrich Bolte an. An verschiedenen Stationen konnten die Gäste, unter anderem aus der Stadtverwaltung, aber auch von der Initiative Frankfurt22, sich ein Bild von dem Projekt machen.

Der Fernbahntunnel in Frankfurt als Grafik.
Der Fernbahntunnel in Frankfurt als Grafik. © Deutsche Bahn/FR

Hans-Jürgen Hammelmann von Frankfurt22, der auch für die Linke im Ortsbeirat 2 sitzt, kritisierte das Projekt als „Milliardengrab“. Schneller als den Fernbahntunnel ließen sich zwei neue Gleise zwischen Südbahnhof und Hauptbahnhof bauen. Das sei preiswerter und produziere weniger CO₂. Bolte hielt dem entgegen, dass dafür etwa 50 Gebäude in Sachsenhausen abgerissen werden müssten. Das sei nicht nachhaltig. (Florian Leclerc)

Am Prestige-Projekt der Deutschen Bahn in Frankfurt gibt es auch Kritik. Unter anderem die hohen Kosten und die lange Dauer der Bauphase stoßen bitter auf. Man befürchtet finanziell erhebliche Mehrkosten.

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