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Frankfurt: Dialog oder Statements?

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Von: George Grodensky

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Mitglieder von End Fossil ketten sich am Institut für Sozialforschung an als Zeichen gegen die Kriminalisierung ihres Protestes. C. Boeckheler
Mitglieder von End Fossil ketten sich am Institut für Sozialforschung an als Zeichen gegen die Kriminalisierung ihres Protestes. C. Boeckheler © christoph boeckheler*

Goethe-Uni und die Gruppe End Fossil reden über Klimaschutz - vermutlich aneinander vorbei.

Die Frankfurter Goethe-Universität hat die Protestgruppe „End Fossil: Occupy! Frankfurt“ zum Gespräch eingeladen. Besagte Gruppe hatte am 6. Dezember das Audimax des Hörsaalzentrums auf dem Campus Westend besetzt, um Aufmerksamkeit für das Thema Klimaschutz zu generieren. Unikanzler Albrecht Fester hatte den Saal noch am gleichen Tag räumen lassen. Am Mittwoch sind die Parteien wieder am Verhandlungstisch zusammengekommen.

Als neutralen Ort hat die Uni dafür das Institut für Sozialforschung gewonnen. Das feiert dieser Tage sein 100-jähriges Bestehen und versteht sich als Mittler zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. So übernehmen Leiter Stephan Lessenich und Uta Ruppert, Politikwissenschaftlerin der Goethe-Uni, die Moderation.

Wie sehr sich die Parteien annähern, ist unklar. Bereits am Tag der Besetzung hatte die Uni Gespräche übers Klima angeboten. Nur dürfe das nicht eine Woche lang im wichtigsten Hörsaal geschehen, was Tausende von Studierenden am Studieren hindern würde. End Fossil findet hingegen, Klimaschutz sei ein so wichtiges Thema, dass der wichtigste Hörsaal gerade gut genug sei.

Nun entsendet die Hochschule zwei Vertreter, die inhaltlich etwas beitragen können. Sebastian Keil ist Leiter des Präsidialbüros und in die meisten Vorgänge an der Hochschule eingebunden. Johannes Reidel leitet das seit etwa einem halben Jahr arbeitende Nachhaltigkeitsbüro der Uni. Sie hätten sich zu jedem Punkt auf der Forderungsliste von End Fossil vorbereitet, versichert Keil. Allerdings lässt er durchblicken, sich nicht so gerne „Statements“ anzuhören, er suche den Dialog.

In einem anderen Punkt gehen die Erwartungen an das Treffen ebenfalls auseinander: Die Uni sieht keine Notwendigkeit, den Polizeieinsatz bei der Räumung des Hörsaals weiter aufzuarbeiten. Das jedoch ist den Aktivistinnen und Aktivisten wichtig, „noch in diesem Semester“. Die Hochschule verweist auf die Sitzung des Senats im Dezember, in der sie sich zum Ziel bekannte, klimaneutral werden zu wollen. Und dazu, dass die Hochschule der richtige Ort für entsprechende Diskurse sei, gerne auch kontroverser Art, nur gewaltfrei sollten sie sein, was „von allen Seiten zu schaffen und gewährleisten ist“. In diesem Sinne habe das Präsidium auf Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs gegen die Hörsaalbesetzer:innen verzichtet.

Andere Universitäten seien „deutlich besser mit den Besetzungen umgegangen“, hält End Fossil dagegen. „Die Goethe-Universität sollte ein kommunikativer Ort sein, in dem die Polizei nichts zu suchen hat“, sagt Lukas Geisler für die Gruppe. Auch wolle man sich nicht in „Hinterzimmergesprächen“ austauschen, sondern „universitätsöffentlich“.

Das wiederum wurmt die Hochschulseite. „Das ist kein Gespräch im Hinterzimmer. Wir hatten das im Senat angekündigt und kein Geheimnis daraus gemacht“, sagt Sebastian Keil. Er sieht im Angebot einen „freundlichen Schritt von uns, auf unsere Studierenden zuzugehen, sie ernstzunehmen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“

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