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Frankfurt: Dialog für Oeder Weg erwünscht

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Von: Fabian Böker

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Ist skeptisch: „Gorilla Café“-Betreiber Frank Schürrer. Monika Müller
Ist skeptisch: „Gorilla Café“-Betreiber Frank Schürrer. Monika Müller © Monika Müller

Geschäftsleute sind unschlüssig, ob die Umgestaltungsarbeiten den erhofften Erfolg bringen.

Geht es nach Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne), sind die bisherigen Arbeiten am Oeder Weg zu einer fahrradfreundlichen Straße eine Erfolgsgeschichte. „Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen rund um den Oeder Weg die ersten Umgestaltungsmaßnahmen positiv aufgenommen haben“, wird er in einer Pressemitteilung der Stadt Frankfurt zitiert. Hört man sich allerdings vor Ort um, sehen das längst nicht alle so.

Zum Beispiel Frank Schürrer. Er betreibt das Gorilla Café im Oeder Weg, im unteren Bereich, also nahe der Kreuzung mit der Eschenheimer Anlage. Dort, wo im August eine Schranke und drei Poller errichtet wurden, um die Zufahrt in den Oeder Weg vom Eschenheimer Tor kommend zu verhindern. Er findet die Umgestaltung und die zunehmende Fokussierung auf den Fahrradverkehr zwar „prinzipiell gut“. So werde zum Beispiel das Straßenbild verschönert. Aber bislang merke man keine Verbesserungen. „Der Verkehr ist nicht weniger geworden, die Autos rasen immer noch hier durch“, sagt der Gastronom.

Planungen noch nicht fertig

Und ist damit bei dem Aspekt, der ihm viel wichtiger ist als die Frage, ob die Straße nun eher für Autos oder für Fahrräder gemacht sein soll. Er fasst es mit den Worten „Schikane statt Schranke“ zusammen, denn er fände es besser, wenn den Autos ein hohes Tempo erschwert werde, zum Beispiel durch Blumenkübel, die vor den Geschäften am Straßenrand stehen. „Diese oder andere Ideen hätte sich die Stadt ja mal von uns anhören können, bevor sie mit der Planung anfängt.“

Diese Planungen sind auch noch nicht fertig. Erledigt wurden bisher Markierungs- und Beschilderungsarbeiten, vor allem zwischen Mittelweg und Fürstenbergerstraße, in deren Rahmen auch neue Fahrradbügel aufgestellt wurden und die Außengastronomie mehr Platz erhalten hat.

Im kommenden Frühjahr werden die Arbeiten fortgesetzt. Das sollte bereits jetzt erfolgen, doch diesem Zeitplan hängt die Stadt hinterher. Was noch kommt, sind Markierungen und Beschilderungen im nördlichen Abschnitt des Oeder Weges, von der Fürstenbergerstraße bis zur Eckenheimer Landstraße, sowie im Süden zwischen Mittelweg und Anlagenring. Zudem wird eine sogenannte Diagonalsperre an der Holzhausenstraße errichtet, die eine Reduzierung des Durchgangsverkehrs aus Richtung Norden fördert.

Für Helge Petroll, der seit 1999 am Oeder Weg ein Musikfachgeschäft führt, ist das alles noch zu abstrakt, er kann sich unter den weiteren Plänen wenig vorstellen. Was er aber tagtäglich beobachtet: „Bisher fahren die Autos hier nicht langsamer.“ Auch Petroll fände es besser, wenn auf der Straße selbst etwas gegen zu schnelles Fahren unternommen würde. „Und wenn es fünf Blitzer sind“, sagt er süffisant.

Alle Gruppen im Blick

Petroll nimmt aber auch die Fahrradfahrenden in die Pflicht. Manche von ihnen würden „regelrecht heizen und nehmen keine Rücksicht“. Eine Beobachtung, die auch Maria Lucia Klöcker immer wieder macht, wenn sie täglich zu ihrer Buchhandlung „Weltenleser“ in der Hausnummer 40 fährt. Und zwar mit dem Auto, „ich brauche das für viele Besorgungen einfach“. Daher ist es ihr auch wichtig, „dass man alle Gruppen – Fahrradfahrer, Autofahrer, Anwohner und Geschäftsleute – im Blick hat. Sie alle hätte die Stadt vorher ja mal fragen können“, pflichtet sie dem Vorschlag von Café-Betreiber Frank Schürrer bei.

Ob die bisher umgesetzten Projekte zu einer Verbesserung beigetragen haben, können die drei Befragten also noch nicht sagen. Ähnliches ist von mehreren Passanten zu hören. In den Osterferien sollen die Arbeiten weitergehen. Dann sollen auch auf Plätzen und im neuen Multifunktionsstreifen Verweilelemente platziert werden – und Blumenkübel. Frank Schürrers Wunsch könnte also doch noch erhört werden.

Wer soll Vorrang haben? Autos oder Fahrräder? Renate Hoyer
Wer soll Vorrang haben? Autos oder Fahrräder? Renate Hoyer © Renate Hoyer

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