Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

So sieht es am Morgen danach auf dem Opernplatz aus.
+
So sieht es am Morgen danach auf dem Opernplatz aus.

Stadt und Müll

„Desolate Verschmutzungssituation“

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
    schließen

Was die Stadt im Kampf gegen den Müll unternimmt, listet ein langer Magistratsbericht auf. Auch eine neue Trendsportart soll helfen.

Kennen Sie „Plogging“, „Gum Wall“ oder „PooPick“: So heißen drei von vielen Ideen, mit denen der Magistrat der „Vermüllung“ in der Stadt beikommen will. Auf Verlangen der Stadtverordneten hat die Stadtregierung einen Sachstandsbericht vorgelegt. Darin spielt Corona erwartungsgemäß eine große Rolle, denn besonders im Sommer zog es die Menschen ins Freie, um einander zu treffen – und um Abfall zu hinterlassen.

„Dadurch ist, insbesondere an Wochenend- und Feiertagen, an vielen beliebten Aufenthaltsorten im Stadtgebiet eine desolate Verschmutzungssituation entstanden“, heißt es amtssprachlich im Bericht. „Dieser Entwicklung wurde durch gezielte Sonderreinigungen, -projekte und -aktionen begegnet.“

Die Zeiten ändern sich, die Menschen offenbar nicht. „Müll ist eines der zentralen Probleme, mit denen wir umgehen müssen“, sagte Claudia Gabriel, die Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, schon bei ihrem Amtsantritt vor sechseinhalb Jahren. Seither gab es Appelle, Kampagnen – alles ohne den durchschlagenden Erfolg. 2016 machten Stabsstelle und Grünflächenamt die Probe aufs Exempel, stellten am Mainufer Schilder auf ein Testgelände: Es sei genug mit der Schweinerei – und die Leute warfen ihren Müll direkt daneben.

Dabei seien das Mainufer und die Parks, eigentlich die ganze Stadt doch quasi das Wohnzimmer der Frankfurter:innen, darauf weisen alle immer wieder hin, ob Umwelt- oder Ordnungsdezernat, Ämter oder die Sauberkeitsbotschafterinnen und -botschafter, die draußen unterwegs sind.

Bereits seit dem vorigen Jahr kümmert sich zusätzliches Personal – elf Personen – im Zuge der Sauberkeitskampagne „Cleanffm“ um Gebiete, in denen besonders viel Müll anfällt: Hauptwache, Zeil, Konstablerwache, Allerheiligen- und Bahnhofsviertel, Alt-Sachsenhausen, Höchster Altstadt. Außerdem gibt es Sondereinsätze gegen wilde Müllablagerungen und seit Corona regelmäßigen Austausch zwischen Ämtern, Stabsstelle und den Müllentsorgern FES und FFR. Peter Postleb, den der Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) im Sommer als Berater in Sachen Stadtsauberkeit ins Boot holte, kommt im Bericht namentlich nicht vor.

400 Guerilla-Tonnen

Zu den aufsehenerregenden Müllmomenten zählte jener Abend im Juli am Opernplatz, als die Stadt 400 Mülltonnen herankarrte – was nicht überall auf Beifall stieß. „Guerillaaktion“ nennt es der Magistrat, konzipiert für „Feierhotspots“, zu denen er auch den Friedberger Platz und den Matthias-Beltz-Platz zählt. „Wildpinklern“ begegnete man mit mobilen Toiletten dort und am Luisenplatz.

Zu den modernen Ideen: „Gum Walls“ (deutsch: Gummiwände) sollen davon abhalten, Kaugummis auf den Boden zu spucken, was immensen Reinigungsaufwand erfordert. Der Kippensauger „Citybee“ (Stadtbiene) saugt Kleinzeug auf. „PooPick“-Spender halten gratis plastikfreie Behältnisse zum Aufsammeln von Hundekot bereit. Da kann man den englischen Namen halbwegs verstehen, denn „KotGreif“-Spender würde nicht besonders fein klingen. Aber was ist gegen Gummiwand und Stadtbiene einzuwenden?

Bei den Pfandringen an Müllbehältern (für Pfandflaschen) und beim Mainbecher, dem ebenfalls auf Pfandbasis konzipierten Gefäß für Getränke unterwegs, hat sich gleich die deutsche Bezeichnung durchgesetzt. Und was ist „Plogging“? Eine schwedisch-englische Kombination aus plocka (schwedisch für aufheben) und Jogging – eine saubere Trendsportart also, international.

7500 Mülleimer stehen laut Magistrat inzwischen in der Stadt, viele mit Fakten zur Sauberkeit bedruckt. Die „Cleanffm“-Kampagne habe 42 Unterstützende, vom Grandhotel bis zum Radiosender, 13 Projektpartner:innen, darunter die Eintracht und den Palmengarten, und 14 Frankfurter Promipat:innen, vom „Bahnbabo“ Peter Wirth über den Eintracht-Präsidenten Peter Fischer bis zur Grüne-Soße-Fee Maja Wolff.

Die Aktionen sollen im kommenden Jahr weitergehen, immer mit dem Ziel, am wichtigsten Ort Überzeugungsarbeit zu leisten: in den Köpfen der Leute.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare