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Frankfurt: Der unterschiedliche Umgang mit dem Tod

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Von: Timur Tinç

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Ein Blumenkranz mit Versen aus dem Koran auf dem Friedhof Heiligenstock.
Ein Blumenkranz mit Versen aus dem Koran auf dem Friedhof Heiligenstock. © Christoph Boeckheler

Frankfurter Friedhöfe bieten für alle Weltreligionen Bestattungen an. Das Grünflächenamt weist dafür auch neue Grabfelder für verschiedene Religionsgemeinschaften aus. Hindus ziehen die Verstreuung der Asche in der Heimat Indien vor.

Jede Seele wird einmal den Tod kosten. So lautet eine Sure im Koran. „Für Muslime ist es wichtig, auf den Tod vorbereitet zu sein“, sagt Hüseyin Kurt, Koordinator der Arbeitsgemeinschaft der türkischen Moscheegemeinden. Ein Äquivalent zum Totensonntag gibt es im Islam zwar nicht, „aber es ist eine schöne Tradition, der Toten zu gedenken“, findet Kurt. Musliminnen und Muslime besuchen meist einen Tag vor dem Opferfest in großer Zahl die Gräber ihrer Verwandten, um für sie zu beten.

Jede Religion und Kultur geht anders mit dem Tod um, hat andere Bestattungs- und Trauerrituale. „Die Bestattungsfirmen hier haben mittlerweile viel Erfahrung mit Hindus“, sagt Anjali George von der indischen Gemeinde Vishwa Hindu Parishad. Für die Hindus ist es wichtig, dass der Körper der Verstorbenen von Familienangehörigen gewaschen, neu eingekleidet und zusammen mit roten Blumen in ein weißes Tuch gewickelt wird.

Die Feuerbestattung ist die einzig mögliche Bestattungsart, da die Seele nach hinduistischem Glauben aus der Asche wiederaufersteht. Während in Indien die Leichen bei offenen Feuern auf Flüssen verbrannt werden, geschieht dies in Deutschland in Krematorien.

Hindus tragen bei Trauerfeiern weiße Kleidung

Bei den Trauerfeiern tragen Hindus im Gegensatz zum Juden- oder Christentum nicht schwarz, sondern weiß als Farbe. „Bei der Trauerperiode sind die ersten sieben Tage sehr wichtig“, sagt George. Es gebe sehr viele Rituale. Dabei sind die Göttinnen und Götter sowie die Vorfahren wichtiger Teil der Rituale, die symbolisch die ersten Bissen jedes Festmahls bekommen. Die Asche der Verstorbenen wird dann meistens nach Indien gebracht, um im Indischen Ozean oder im Ganges verstreut zu werden. Sollte eine Überführung, warum auch immer nicht möglich sein, wird die Asche in einem anderen Gewässer verstreut. In der Erde vergraben werden die Urnen nie.

Anders im Buddhismus: Hier werden die Leichen ebenfalls verbrannt, aber die Urnen in jedem Fall vergraben. „Wichtig ist, dass wir alles für die Verstorbenen machen, damit sie keine Angst haben“, sagt Jiajia Wang vom Fo-Guang-Shan-Tempel Frankfurt, in dem ein humanistischer Buddhismus praktiziert wird. Buddhistinnen und Buddhisten sind angehalten, nicht um die Verstorbenen zu weinen, da nach dem Glauben die Energie der Toten noch vorhanden ist, ihre Seele aber nicht in eine andere Existenz gehen kann, wenn man traurig oder laut ist, erklärt Wang. Die Trauerzeremonie wird im Tempel abgehalten und sieben Wochen lang an jedem siebten Tag nach dem Tod wiederholt.

In Frankfurt sind mehrere muslimische Grabfelder entstanden

Spezielle Grabfelder gibt es für Buddhisten nicht. Die gibt es hingegen für die Bahá’í-Gemeinde mit besonderer Ausrichtung der Grabstätten, für die Rumänisch-Orthodoxe Gemeinde, die Koreanisch-Katholische Gemeinde, die Alevitische Gemeinde. Darüber hinaus gibt es den Jüdischen Friedhof. Die Fachabteilung des Grünflächenamts bemüht sich, Wünsche religiöser Gemeinschaften nach Grabfeldern umzusetzen.

Für Musliminnen und Muslime sind in den vergangenen Jahren immer mehr Anlagen entstanden, eine weitere ist auf dem Hauptfriedhof geplant. Entscheidend ist dabei, dass das Grab in Richtung Mekka ausgerichtet ist. Seit 2013 sind nach einer Gesetzesänderung auf Landesebene auch Bestattungen im Leichentuch möglich.

Türkischstämmige Menschen werden noch oft in der Türkei bestattet

„Von den türkischstämmigen Menschen werden immer noch rund 80 Prozent in die Türkei überführt“, sagt Hüseyin Kurt. Zum einen sei das der Wunsch vieler älterer Menschen, zum anderen aber auch eine Kostenfrage. Überführung und Bestattung in der Türkei kosteten zuletzt rund 2200 Euro, eine Beerdigung in Deutschland fast das Doppelte. Trotzdem bestehe Bedarf für muslimische Gräber, da viele Menschen wegen Krieg und Vertreibung nicht in ihre Heimatländer können.

Oder weil sie einfach deutsche Muslime sind.

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