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Frankfurt: Der Pokal kehrt zurück

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Von: George Grodensky

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Und jetzt alle: Europas beste Mannschaft! Europas beste Mannschaft! Undsoweiter. Gute Stimmung auf dem Römerberg. Peter Jülich
Und jetzt alle: Europas beste Mannschaft! Europas beste Mannschaft! Undsoweiter. Gute Stimmung auf dem Römerberg. Peter Jülich © Peter Jülich

Die Eintracht feiert den zweiten internationalen Titel der Vereinsgeschichte mit ihren Fans auf dem Römerberg. Und vor allem auf dem Weg dahin.

Eintracht Frankfurt holt im fernen Sevilla den zweiten internationalen Titel der Vereinsgeschichte, und in der Heimat am Main brechen alle Dämme. Am Donnerstag ist der Römerberg bereits um 16 Uhr ansehnlich gefüllt. Tausende Fußballfans sind gekommen, um ihren Helden und dem Pokal zuzujubeln.

„Ein Traum wird wahr“, sagt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der die Spieler zwischen 19 und 20 Uhr zum Empfang im Kaisersaal des Rathauses erwartet. Im Anschluss sollen sie sich auf dem Balkon zeigen. Der Erfolg werde Generationen von Frankfurtern zu Eintracht-Fans machen, so Feldmann. Die Spieler hätten bewiesen, dass Leidenschaft und Teamspirit im Fußball mehr bewegen könnten als astronomische Spieleretats und große Namen. „Mit unserer Eintracht freut sich die ganze Stadt.“

Der Flieger setzt schließlich um 17.50 Uhr auf. Von dort geht es vom Rollfeld aus in offenen Wagen zum Römer. Einen Empfang am Flughafen gibt es nicht. Es dauert allerdings eine ganze Weile, bis sich der Tross nennenswert in Bewegung setzt.

Die Polizei schätzt, dass sich rund 100 000 Menschen im Lauf des Tages in die Innenstadt aufmachen. Ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept rund um den Römerberg soll helfen, dass alle wohlbehalten wieder nach Hause kommen. Die Anweisungen der Ordnungskräfte sollten die Fans befolgen, bittet Feldmann. Solch ein Ereignis sei Teamwork wie ein Sieg im Fußball. „Das klappt nur, wenn alle mitziehen.“

Die Polizei weist darauf hin, dass neben einer Großleinwand am Römerberg weitere am Mainkai, am Paulsplatz und am Rossmarkt aufgebaut seien. Der Römerberg ist denn auch bald zu. Tausende Menschen nehmen es gelassen, säumen die Straßen, an denen die Eintracht im Autokorso entlang fährt.

In den Straßen rund um den Römerberg und in anderen Teilen der Stadt kommt es durch den Autokorso zu erheblichen Verkehrsbehinderungen mit Staus. Die Stationen des Öffentlichen Nahverkehrs im Umfeld des Römers sind ohnehin gesperrt und Parkhäuser geschlossen.

Entspannte Stimmung herrscht am Brückenkopf der Untermainbrücke, Nordseite, also Hibbdebach am Nizza. Als es gegen 18.30 zu regnen anfängt, feiern die meisten stoisch weiter, zünden Rauchpylonen, singen das ganze Liederrepertoire durch.

In der Nacht zu Donnerstag war die große Freude in manchen Momenten tatsächlich gekippt. Im Frankfurter Waldstadion fiebern knapp 60 000 Eintracht-Fans beim Public Viewing mit. Tausende waren am frühen Abend gemeinsam zum Stadion marschiert. Dabei haben sie nicht nur Fahnen geschwenkt, sondern auch Pyro und Feuerwerk gezündet. Die Polizei berichtet von einer „teilweise aggressiven Stimmung“.

Die Vereinsfarben dominierten am Spieltag auch in der Altstadt und im Bahnhofsviertel. Auf dem Römerberg ist der größte Teil der Außengastronomie bereits abgebaut, die Gerüste für Großleinwände und Kamerabühnen aufgebaut - vorbereitend für den Empfang der Mannschaft am nächsten Tag. Kurz nach dem entscheidenden Elfmeterschuss ins Glück füllen sich die Straßen: Autos hupen, fahren im Korso durch die Stadt. Fans schwenken ihre Schals, schreien und singen. Fremde liegen sich jubelnd in den Armen.

„Uns erreichen vermehrt Meldungen von Auseinandersetzungen und Sachbeschädigungen“, twittert die Polizei aber schon kurz nach Mitternacht. Auch die Bühnentechnik auf dem Römerberg, die für den Empfang der Mannschaft am Donnerstag aufgebaut worden ist, wird rabiat angegangen. Auf einer der Hauptverkehrsadern der Innenstadt können sich Rettungsfahrzeuge keinen Weg mehr bahnen, da die feiernde Menge auf der Straße keine Rettungsgasse bildet.

Straßenbahnen kommen nur im Schneckentempo voran. Siegestrunkene Fans hämmern gegen Wagenwände und -türen, springen auf Fahrzeuge und zünden Bengalos. In der U-Bahn erklingen Sprechchöre: „Europacup, Europacup in diesem Jahr!“ Hüpfende Fans lassen die Wagen wackeln. Hüpfende Fans lassen auch einen Funkwagen des ersten Polizeireviers erbeben, als sie auf das Dach klettern und feiern. „Es ist ein einziges Scherbenmeer“, sagt ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen. Vereinzelt habe die Meute auch Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte mit Flaschen- und Böllerwürfen attackiert, allerdings ohne jemanden zu verletzen.

Im mittelhessischen Gießen blockierten rund 250 Menschen eine Straße. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben einen 26-Jährigen fest, der auf einen Streifenwagen einschlug. Ein weiterer Mann erlitt eine Verletzung am Fuß. In Marburg und anderen Städten rückten Beamte aus, weil sich Anwohnende von dem Lärm der Feiernden gestört fühlten.

Für Unbeteiligte ist die Nacht aber auch strapaziös. In Frankfurt hupt fast ständig ein Autokorso. Die Fußgänger sind auch nicht rücksichtsvoller. „Kaum zu glauben, dass die mitten in der Nacht noch genug Stimme zum Grölen hatten und sogar Feuerwerk übrig“, wundert sich ein Anwohner der Schweizer Straße.

Viele haben einfach durchgefeiert, wollen die Helden unbedingt am Balkon des Römers bejubeln. Womöglich wird es also wieder eine laute Nacht. Immerhin taucht 20.10 Uhr die Sonne wieder auf.

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