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Ausbilder Klaus-Stefan Ruoff (rechts) und Azubi Max Herbst. Beide kamen über ein digitales Speed-Dating der IHK in Kontakt. Rolf Oeser
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Ausbilder Klaus-Stefan Ruoff (rechts) und Azubi Max Herbst. Beide kamen über ein digitales Speed-Dating der IHK in Kontakt. Rolf Oeser

Menschen in Hessen

Frankfurt: Der Meister und sein Lehrling

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Der Frankfurter Ausbilder Klaus-Stefan Ruoff und Azubi Max Herbst haben trotz Corona zueinander gefunden. Heute beginnt die Woche der AusbildungVon Steven Micksch

Wenn Klaus-Stefan Ruoff über die Ausbildung bei Horne Frankfurt spricht, dann weiß er im doppelten Sinne wovon er redet. Zum einen ist der geschäftsführende Gesellschafter bei Gebrüder Horne in Frankfurt-Höchst für die Ausbildung zuständig. Zum anderen hat der 53-Jährige dort selbst schon seine Ausbildung absolviert. „Aber schon vor meiner Ausbildung war ich oft im Unternehmen und habe dort gespielt“, sagt Ruoff und lacht. Sein Vater war bereits Inhaber des Unternehmens in der Silostraße.

Seit 1997 ist Klaus-Stefan Ruoff im Betrieb. Er hat Betriebswirtschaft studiert, dazu die Ausbildung bei Horne. Er ist Handwerksmeister im Bereich Sanitär und Heizung und war 20 Jahre im Prüfungsausschuss der IHK, hat also selbst viele Lehrlinge auf ihre Eignung hin getestet.

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich im Bereich Ausbildung viel verändert. Beispielsweise die einzelnen Ausbildungszweige mit ihren Inhalten. Manche Berufe seien mehr im Wandel als andere, so sei die Ausbildung der IT-Kaufleute besonders schnelllebig. Auf der anderen Seite habe es aber auch negative Veränderungen gegeben. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen sei merklich zurückgegangen. „Das liegt an der Demographie aber oft auch an der Konkurrenz des Studiums“, sagt Ruoff. Dabei müsse es gar nicht so sein. Zunächst eine Ausbildung und dann ein Studium oder umgekehrt sei eine solide Grundlage in vielen Berufsfeldern. Auch, so der 53-Jährige, weil sich die Unternehmen lieber Nachwuchskräfte wünschen, die praktische Erfahrungen haben. Das komme bei einem Bachelorstudium oft zu kurz.

Woche der Ausbildung

Klaus-Stefan Ruoff ist Geschäftsführer der Gebrüder Horne Rohrleitungen und technischer Bedarf GmbH in Frankfurt. Gegründet wurde der Betrieb 1907. Der 53-Jährige wohnt in Königstein. Er ist verheiratet und hat vier Töchter.

Die Firma ist Ausrüster für die öffentliche Trinkwasserversorgung. Zur Firmengruppe gehört unter anderem ein Trinkwasserlabor und Desinfektionsmittelhersteller.
Eine „Woche der Ausbildung“ soll von 15. bis 19. März Jugendliche auf dem Weg von der Schule in Ausbildung und Studium unterstützen. „Anruf genügt“ lautet das Motto des Berufsberatungsteams der Agentur für Arbeit in Frankfurt dafür.

Erreichbar ist das Beratungsteam unter der Rufnummer 069 / 217 121 71 von Montag bis Freitag jeweils von 14 bis 16 Uhr. Auch eine Videoberatung ist möglich. mic/pgh

Das verminderte Interesse an Ausbildungsstellen hat sich durch die Corona-Pandemie nochmals verschärft. Ausgefallene Betriebspraktika, abgesagte Berufsmessen oder auch Tage der offenen Tür – die sonst etablierten Wege zur Azubigewinnung sind versperrt. Deshalb will das Berufsberatungs-Team der Agentur für Arbeit in Frankfurt mit einer Woche der Ausbildung in den kommenden Tagen Azubis und Unternehmen zusammenbringen.

Auch Klaus-Stefan Ruoff ist mit dem Betrieb neue Wege gegangen, um im vergangenen Jahr Auszubildende zu finden. Aktuell gibt es bei Horne Frankfurt zwei angehende Groß- und Außenhandelskaufleute sowie drei Anlagenmechatroniker SHK (Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik). Die Ausbildungen Berufskraftfahrer:in und Lagerfachwirt:in werden zurzeit nicht nachgefragt.

Einer der Kaufleute ist Max Herbst. Der 22-Jährige ist seit Oktober 2020 im Unternehmen und damit im ersten Lehrjahr. Der Frankfurter studierte zuvor ein Semester Physik und entschied sich dann, das Studium abzubrechen. Zu Horne kam er zwei Monate verspätet. Bei einem digitalen Speed-Dating der Industrie- und Handelskammer kam er mit mehreren Firmen in Kontakt, auch mit dem Fachgroßhandel von Klaus-Stefan Ruoff. Der 53-Jährige lud Herbst zum Vorstellungsgespräch und schließlich zum Probearbeiten ein. „Der persönliche Kontakt ist das A und O“, sagt Ruoff. Und Herbst ergänzt: „Man findet vieles nur raus, indem man es ausprobiert.“

Für beide Seiten habe es gepasst und so holte der 22-Jährige den verpassten Stoff in der Schule auf. Zweimal pro Woche ist er in der Stauffenberg-Berufsschule, drei Tage im Unternehmen. „Mir ist es wichtig, dass ich hinter dem stehen kann, was ich täglich tue. Und das kann ich hier“, sagt Herbst über seine Ausbildung. Für die Zeit nach Corona hofft Ruoff vielleicht eine Kombination von digitalen Angeboten und realen Ausbildungsmessen etablieren zu können. Beides biete individuelle Vorteile und man müsse schauen, was am Ende besser angenommen werde.

Der Geschäftsführer betont, dass eine Ausbildung nicht schlechter oder zweitrangig im Vergleich zu Studium oder einem dualen Studium sei. Nach einer Lehre sei man in vielen Bereichen gut einsetzbar. Ruoff glaubt, dass das Image der Ausbildung noch verbessert werden könne. So wüsste eben nicht jeder, dass man als Meister auf dem Niveau eines Bachelorabsolventen sei. Oder dass man gleich nach der Gesellenprüfung mit der Meisterweiterbildung beginnen könne. Als Meister habe man gute Arbeitschancen und Verdienstmöglichkeiten. Diese Dinge müsse man publik machen und vor allem in der digitalen Kommunikation noch präsenter werden. „Am Ende geht es aber um die eigene Neigung. Man muss machen, was einem liegt.“

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