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Annegreth Schilling, Pfarrerin der evangelischen Hoffnungsgemeinde, wird an Heiligabend den Menschen eine offene Matthäuskirche mit vielen Aktionen bieten.

Frankfurt

Der Kirchgang zu Weihnachten wird im Coronajahr anders als sonst

  • Judith Gratza
    vonJudith Gratza
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iele Gemeinden wollen dennoch den Menschen Halt in der Krise geben. Auch die evangelische Hoffnungsgemeinde an der Frankfurter Messe.

Odu fröhliche. Dieses beliebte Weihnachtslied möchte Pfarrerin Annegreth Schilling an Heiligabend ganz oft mit den Menschen singen. Ob in der Kirche oder auf der Straße. Auch per Livestream mit den Christen auf dem heimischen Sofa. Zu Corona ist eben alles etwas anders, auch Weihnachten. Volle Gänge und lautes gemeinsames Singen darf es in den Kirchen nicht geben. Dennoch wollen die Gemeinden mit den Menschen die Geburt Jesu feiern. Auch die evangelische Hoffnungsgemeinde.

„Wir werden alte Traditionen in einer anderen Weise zum Klingen bringen und die frohe Botschaft verkünden“, verspricht Annegreth Schilling. Seit März ist die 39-jährige promovierte Theologin als Pfarrerin der Hoffnungsgemeinde im Gutleut tätig. Ihr Kollege, Pfarrer Andreas Klein, ist seit eineinhalb Jahren dabei. Gemeinsam betreuen sie von ihrem Sitz in der Hafenstraße aus eine der größten Kirchengemeinden Frankfurts mit rund 3300 Mitgliedern, die in den Stadtteilen Gutleut, Bahnhofsviertel, Gallus, Westend und Bockenheim leben.

Diese haben nicht nur einen Umbruch im Pfarrteam erfahren: Ihr Gotteshaus, die Matthäuskirche an der Friedrich-Ebert-Anlage, soll abgerissen und neu gebaut werden. Und jetzt erleben sie auch noch Weihnachten in der Pandemie. „Die Leute erwarten von uns, dass wir ihnen Hoffnung schenken“, berichtet Schilling.

Seit Herbst überlegt sie mit ihrem Kollegen, wie sie das trotz aller Corona-Beschränkungen an Heiligabend bieten können. „Kirche soll ja zu Weihnachten kein Corona-Hotspot werden“, spricht Schilling die Befürchtung vieler Menschen aus. Dennoch sei es wichtig, präsent zu sein. „Weihnachten findet statt, aber anders.“

Statt Gottesdiensten mit 300 Leuten soll es kürzere Zeremonien geben, drinnen wie draußen, mit kleineren, wechselnden Gruppen, mit Abstand und Masken, Desinfektionsmittel, separaten Ein- und Ausgängen, vor Ort und online.

„Das ist eine absolute Herausforderung“, sagt Schilling, und der stellt sich das Pfarrteam gerne. Er ist ein „Technikfreak“, sie eine Kreative. Gemeinsam haben sie Angebote für Heiligabend entwickelt, die nicht zu viele Leute an einem Ort über einen längeren Zeitraum versammeln.

Das fängt beim Krippenspiel an. Sonst proben Kinder der evangelischen Kita am Westhafen, des evangelischen Kinderhauses Matthäus und die Konfirmanden der Hoffnungsgemeinde mit dem Kinderchor wochenlang gemeinsam. Diesmal erarbeiten sie Szenen der Weihnachtsgeschichte getrennt voneinander in den jeweiligen Einrichtungen. Eine Kamera filmt mit. So proben die Kitakinder am Westhafen als kleine Engel aufgeregt, wie sie den Hirten die frohe Botschaft verkünden, während die nichtsahnend um ein Feuer auf dem Außengelände des Kinderhauses in der Niedenau sitzen. Die Konfis geben den Szenen eine Rahmenhandlung, die an dieser Stelle nicht verraten wird. Und anstelle des Kinderchors sollen ein bis zwei Familien nacheinander Lieder in der Kirche singen, die ebenfalls aufgenommen werden. Alles zusammen ergibt einen Krippenspiel-Film, der an Heiligabend auf dem Youtube-Kanal der Hoffnungsgemeinde läuft.

Zur Aktion „Offene Matthäuskirche“ lädt Annegreth Schilling für den Nachmittag des 24. Dezember ein. Wer den mit grünen Zweigen geschmückten Treppenaufgang der Kirche hinaufkommt, wird von einem Begrüßungsdienst empfangen. Die Helfer achten darauf, dass sich nicht zu viele Leute zu lange gleichzeitig im großen Kirchenraum aufhalten, dass sie Abstand halten, Masken tragen und unterschiedliche Ein- und Ausgänge nehmen.

Rechts vom Altar wird die Krippe stehen, links ein mit Kugeln verzierter Weihnachtsbaum, der noch Platz für mitgebrachten Schmuck bietet, schildert Schilling. Auf einem Tisch in der Mitte des Raums können Kerzen angezündet und in eine Schale mit Sand gesteckt werden. Drumherum gruppieren sich paarweise Stühle für maximal 70 Besucherinnen und Besucher. Kinder können basteln oder die Weihnachtsgeschichte lesen. Dazu erklingen Weihnachtslieder auf Klavier und Orgel.

„Wir haben kein Drehbuch“, sagt Schilling. „Da wir nicht wissen, wie viele Leute kommen und was sie benötigen, wollen wir keinen Ablauf vorgeben.“ Wichtig sei, dass die Menschen einen Ort hätten, an den sie Heiligabend für zehn Minuten hingehen können.

„Viele haben in dieser unsicheren Zeit Angst, sich zu begegnen“, beobachtet die Pfarrerin. „Wir wollen Gottes Botschaft vermitteln: Fürchtet euch nicht!“ So wie Gott in jener Nacht ins Dunkle kam und das Licht der Krippe zu leuchten begann, so wolle die Gemeinde mit der Öffnung der Matthäuskirche an Heiligabend die Hoffnung verbreiten, dass es ein Ende der Pandemie gibt und dass diese Hoffnung die Menschen gemeinsam durch die schwere Zeit tragen wird. Da wegen Corona nicht alle Christen den Weg ins Gotteshaus auf sich nehmen wollen, weil sie zur Risikogruppe gehören, zu alt sind oder Angst vor Ansteckung haben, will die Gemeinde ihnen entgegenkommen. Pfarrer Klein will von der „Hoffnung auf den Plätzen“ erzählen. Geplant sind 20-minütige Weihnachtsfeiern auf dem Außengelände der Kita am Westhafen, des Kinderhauses Matthäus sowie im Hof des Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrums. „Da können die Senioren aus dem Fenster schauen und die Angehörigen mit uns auf dem Hof sein.“

Rund 50 Personen dürften den Feiern im Freien jeweils beiwohnen, schätzt Schillling. „Wir sind noch dabei, die jeweiligen Areale auszumessen, damit wir den Mindestabstand von eineinhab Metern gewährleisten können.“ Ordner kontrollieren Einlass, Abstand und das Tragen von Masken. Der Ablauf ist minimalistisch: Musik, zwei Weihnachtslieder, die Weihnachtsgeschichte, Gebet und Segen. „Die Hirten waren auch draußen auf dem Feld, vielleicht wird das spürbar.“

Wer möchte, kann am 24. Dezember in der der Matthäuskirche an der Friedrich-Ebert-Anlage eine Kerze anzünden.

Da es sich um eine gottesdienstliche Versammlung handelt und nicht um eine private Feier, sei das erlaubt, versichert die Pfarrerin. Unklar war, ob die Lieder wenigstens im Freien mit Maske gesungen oder nur gesummt werden dürfen. „Wir sprechen uns eng mit dem Evangelischen Stadtdekanat, dem Ordnungs- und Gesundheitsamt ab“, sagt Schilling. Die Kirchenleitung informiere regelmäßig per Rundschreiben aus Darmstadt. Jetzt teilte sie mit, dass Singen mit Mundschutz nur möglich sei, wenn ein Abstand von mindestens drei Metern gewährleistet werden kann.

„Wir brauchen Helfer, die das Ganze mit umsetzen“, sagt Schilling. 15 bis 20 Leute würden benötigt, sie sollen auch zum Gelingen der Christvesper beitragen, die den Heiligabend abschließt, ohne Krippenspiel. „Wir hören das Weihnachtsevangelium, lauschen bekannten Liedern und singen im Herzen: Stille Nacht, heilige Nacht“. 70 Personen können daran teilnehmen, der Gottesdienst ist live auf Youtube zu sehen.

Wer vor Ort dabei sein möchte, muss sich online oder telefonisch anmelden, ebenso für die Gottesdienste im Freien. Unter Angabe von Name, Adresse und Telefonnummer. Die erfassten Daten werden beim Einlass von Ordnern abgehakt und 21 Tage im Gemeindebüro aufbewahrt, um eventuell Infektionsketten zurückverfolgen zu können, und danach vernichtet.

„Natürlich hoffen wir, dass sich niemand ansteckt“, sagt Schilling. „Aber wir haben ein halbes Jahr Corona-Training hinter uns, die Hygienekonzepte sind gut und die Gottesdienste so zugeschnitten, dass wir keine Probleme erwarten.“

Sie persönlich hoffe, dass sich die Menschen an Heiligabend von der Botschaft, die das Lied „O du fröhliche“ vermittelt, mitnehmen lassen: Ein Kind ist geboren, das Frieden und Gerechtigkeit bringt. Die Welt kann sich zum Guten wenden und die Pandemie enden.

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