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Ausbleibende Passagiere auf Grund der Corona-Pandemie: Im September wurden am Frankfurter Flughafen im Vergleich zum Vorjahresmonat 82,9 Prozent weniger Fluggäste abgefertigt.

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Frankfurt: Der Jobabbau bei Fraport beginnt - es geht um bis zu 4.000 Arbeitsplätze

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Frist für das Abfindungsprogramm endet. Die ersten befristete Verträge bei Fraport laufen aus.

Im September lag das Passagieraufkommen am Flughafen Frankfurt im Vergleich zum Vorjahresmonat bei minus 82,9 Prozent. Das kostet jetzt die ersten Jobs: Bei Fraport hat der Arbeitsplatzabbau begonnen. Noch bis Donnerstag können sich Mitarbeiter melden, die den Konzern gegen eine Abfindung verlassen wollen. Schlechter sieht es für die Belegschaft der Konzerntöchtern wie Fraground aus, sagt Verdi-Geschäftsführer Christoph Miemietz. Dort werden in den in den nächsten Monaten 1000 der insgesamt 4000 Beschäftigten auf der Straße sitzen. Es handelt sich um Kollegen mit befristeten Arbeitsverträge, die auslaufen. „Da ist rechtlich nichts zu machen“, sagt Miemietz.

Fraport-Mutter will sich von 2.000 der 8.000 Angestellten trennen

Anders sehe die Position der Angestellten bei der Fraport-Mutter aus, die sich von rund 2.000 ihrer derzeit 8.000-köpfigen Stammbelegschaft trennen will. Viele genössen einen „besonderen Schutz“. Weil sie mehr als 15 Jahre im Betrieb sind oder älter als 40 Jahre. Sollten sich nicht genug von ihnen für das freiwillige Abfindungs-Programm melden, müsse weiter verhandelt werden. Was Verdi ablehne, seien betriebsbedingte Kündigungen: „Der Arbeitsplatzabbau muss sozialverträglich vonstatten gehen“, lautet die Verdi-Forderung in Richtung Fraport sowie Anteilseigner Stadt Frankfurt und Land Hessen.

Septemberbilanz

Für den September meldet der Flughafen Frankfurt gut 1,1 Millionen Passagiere. Im Vergleich zum September des vergangenen Jahres entspricht dies einem Rückgang um 82,9 Prozent. Auf das ganze Jahr 2020 betrachtet sank das Fluggastaufkommen um 70,2 Prozent.

Die Zahl der Flugbewegungen ging mit 16 940 Starts und Landungen um 63,7 Prozent zurück. Die Summe der Höchststartgewichte war mit rund 1,1 Millionen Tonnen um 61,7 Prozent rückläufig. Das Cargo-Aufkommen sank trotz der fehlender Kapazitäten aus der Beiladefracht in Passagiermaschinen um lediglich fünf Prozent auf 165 967 Tonnen.

Die Flughafenbetreiberin rechnet nicht mit einer schnellen Erholung der Luftfahrtbranche: Das Verkehrsaufkommen werde noch 2023/2024 bis 20 Prozent unter den Höchstwerten von 2019 liegen, sagt Konzernsprecherin Sandy Chen. 3.000 bis 4.000 der insgesamt 22.000 Stellen in Frankfurt müssten abgebaut werden. In den „direkt verkehrsabhängigen Bereichen“ ebenso wie in Administration, Logistik und auch auf der Führungsebene. „Bis wann der Stellenabbau tatsächlich realisiert werden kann, hängt von den eingesetzten personalwirtschaftlichen Maßnahmen und Modellen ab.“ Neben dem Abfindungsprogramm gebe es andere Angebote wie Altersteilzeit oder vorzeitiger Renteneintritt mit Ausgleich der Rentenkürzung.

Standort Frankfurt: Zwei Drittel der Angestellten von Fraport in Kurzarbeit

Chen zufolge sind am Standort Frankfurt seit Ende März etwa 16 000 der rund 22 000 Beschäftigten in Kurzarbeit. Hinzu kommen 80 Prozent der knapp 7000 Lufthansa-Beschäftigten, für die es nach dem Abbruch der Verhandlungen durch die Arbeitgeberin Mitte August keinerlei Perspektive gibt. „Die hängen komplett in der Luft“, sagt der zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Uwe Schramm. Der „große Knackpunkt“ sei, dass die Lufthansa die Absenkung des Bruttolohns und Verzicht auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld fordert, ohne im Gegenzug eine Beschäftigungssicherung zuzusagen. Die Situation sei verfahren: „Wir sehen momentan kein Licht am Horizont.“ Die Corona-Politik der Bundesregierung trage noch dazu bei, dass es nicht besser werde. Keiner wolle derzeit mit dem Flugzeug reisen. „Nur das Frachtgeschäft boomt ohne Ende.“ Die Kollegen von Lufthansa-Cargo hätten keine Kurzarbeit, sie hätten genug zu tun.

Das Aufkommen bei Fracht und Luftpost sank laut Fraport im September im Jahresvergleich lediglich um 5,2 Prozent. In den Bäuchen der Jets befindet sich vor allem das, was die Menschen in der Pandemie benötigen, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Schramm: Computer, Laptops und anderes elektronisches Gerät fürs Homeoffice. Außerdem Pharmaprodukte. „Das sind die Renner.“

Die Manager von Fraport tragen dem Rechnung. Am Monatsanfang hat Fraport zwei neue Kühlanhänger für den Transport temperaturempfindlicher Pharma-Güter auf dem Vorfeld in Betrieb genommen. Und in Cargocity Süd entsteht derzeit ein neuer Parkplatz für weitere 61 Lastwagen.

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