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Seit 17 Jahren führt Ralf Karpa die Hafen- und Marktbetriebe.
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Seit 17 Jahren führt Ralf Karpa die Hafen- und Marktbetriebe.

Ralf Karpa

Der Hüter des Hafens

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Ralf Karpa managt seit 2003 die Hafen- und Marktbetriebe in Frankfurt. Die Akzeptanz des Hafengeländes muss er sich stetig neu erkämpfen. Ein Porträt.

Als Ralf Karpa Ende 2002 im fernen München die Ausschreibung für eine leitende Funktion bei den Hafen- und Marktbetrieben Frankfurt las, war er etwas verwundert. „Frankfurt hat einen Hafen?“, habe er sich damals gefragt. 18 Jahre später ist er als Leiter jener Tochtergesellschaft der Stadt nicht mehr wegzudenken und sagt: „Ich war sofort begeistert und mich hat niemals mehr etwas anderes gereizt.“ Gerade ist der Vertrag von Karpa als Geschäftsführer der Hafen- und Marktbetriebe bis 2027 verlängert worden, für ihn quasi der Rentenvertrag.

Als der gelernte Speditionskaufmann 2003 in Frankfurt anfängt, besteht die damalige „Hafen Frankfurt Managementgesellschaft“ (HFM) quasi nur auf dem Papier. Der Westhafen ist kurz zuvor als Frachtstandort aufgegeben worden, viele Einrichtungen bedürfen der Sanierung. Karpa ist geholt worden, damit die Gesellschaft operativ arbeiten kann. Denn schließlich hat die Stadt Frankfurt sich zu ihrem Hafen bekannt.

Zur Person

Ralf Karpa wurde in Gronau im Münsterland, nahe der holländischen Grenze geboren. Beruflich verschlug es den gelernten Speditionskaufmann zunächst für rund 20 jahre nach München, bevor er 2003 nach Frankfurt kam. Karpa hat zwei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau im Nordend, wo er gerne Akkordeon oder Keyboard spielt.

Karpa ist schnell Feuer und Flamme für seinen Job und ist es noch heute. „Die Vielfältigkeit reizt mich.“ Denn die HFM mit ihren rund 100 Mitarbeiter:innen betreibt nicht nur drei öffentliche Häfen mit einem Schiffsumschlag von jährlich über drei Millionen Tonnen, sondern auch 50 Kilometer Gleise der Hafenbahn. In Karpas Anfangszeit fiel die Ertüchtigung des Gleisnetzes und der Bahn. „Ich habe eine Lokomotive gekauft, eines der Highlights meines Lebens“, ruft Karpa unvermittelt aus, um zu verdeutlichen, wie viel Spaß ihm seine Aufgabe macht. Seit der Modernisierung der Hafenbahn kann die HFM mit ihren Lokomotiven auch das Netz der Deutschen Bahn befahren und nimmt an den Gleisanschlüssen an der Hanauer Landstraße 441 und in der Gutleutstraße hinter dem Hauptbahnhof jährlich über eine Million Tonnen Güter aus dem Gleisnetz der Deutschen Bahn in Empfang.

Schiffsfrachten entlasten

Mittlerweile stellt niemand mehr den Frankfurter Hafen als solchen in Frage, schon aus ökologischen Gründen, wie Karpa verdeutlicht: „Für die Fracht eines Schiffs sind 100 Lkw notwendig, es wäre eine Riesenbelastung für Frankfurt, wenn diese Ware auf der Straße geliefert werden müsste.“ Dennoch ist die Arbeit als Hüter des Hafens auch ein Abwehrkampf. Etwa, wenn wie zuletzt die Idee aufkommt, im Osthafen auf dem von Raab Karcher gepachteten Gelände ein neues Opernhaus am Wasser zu bauen. Karpa hält nicht viel von der Idee: „Ich betrachte das als Hafenstandort, wenn ich das nicht leben würde, wäre ich hier fehl am Platz.“

Die geringe Bekanntheit des Hafens ist einer der Gründe für die teils fehlende Akzeptanz. Karpa begleitet das Problem seit Beginn seiner Tätigkeit in Frankfurt. „Niemand kannte die Hafen Frankfurt Management Gesellschaft, das waren immer nur die Hafenbetriebe“, erinnert sich Karpa. Als die Europäische Zentralbank 2006 das Gelände der Großmarkthalle kauft und der Handel nach Kalbach ins Frischezentrum umgesiedelt wird, verlieren die städtischen Marktbetriebe einen Großteil ihrer Existenzberechtigung. „Sie waren zum Leben zu klein und zum Sterben zu groß“, so Karpa. 2007 werden Marktbetriebe in die HFM integriert. Zu den Hafen- und Marktbetrieben passt die alte Abkürzung ganz gut.

Zu den Marktbetrieben gehören heute neben der Kleinmarkthalle auch 18 Wochenmärkte mit 24 Marktveranstaltungen pro Woche. Karpa selbst kümmert sich im operativen Geschäft aber eher um die Entwicklung und Vermarktung des 160 Hektar großen Hafengeländes mit den über 100 Unternehmen, die dort angesiedelt sind und der Stadt immerhin bis zu 10 000 Arbeitsplätze jenseits des Bankensektors sichern.

Die Lindleystraße im Osthafen etwa, in der auch die HFM firmiert, hat sich in den vergangenen Jahren sehr gemacht. Karpa steht in seinem Eckbüro im fünften Stock und schaut über das Hafenbecken und den Schwedlersee. Direkt daneben ist eine größere Brachfläche. Dort werde es demnächst ein größeres Bauprojekt geben, das ihn in den kommenden Jahren stark beschäftigen werde. Mehr will Karpa nicht verraten. Doch seit der Magistrat mitgeteilt hat, dass die Stadt auf dem Gelände der HFM ein Gebäude für Handwerk und Gewerbe errichten will, dürfte klar sein, was auf der Brachfläche in der Lindleystraße ab 2021 entsteht.

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