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Der Goetheturm steht in Flammen.

Rückblick

Der Goetheturm und die Brandstiftung

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Nach dem Brand des Frankfurter Wahrzeichens 2017 erreicht die Aufregung um die Brandserie ihren Höhepunkt. Der Täter ist bis heute nicht gefasst.

Es sind verrückte Zeiten 2017. Im Mai brennt der Koreanische Pavillon im Frankfurter Grüneburgpark nieder, einen Monat später geht der Chinesische Pavillon im Bethmannpark in Flammen auf. Am Morgen des 12. Oktober gegen 4.30 Uhr klingelt das Handy des Autors. „Der Goetheturm brennt, kannst Du?“. 40 Minuten später steht der Geweckte einen Steinwurf vom Goetheturm entfernt und schaut in das Flammenmeer. 60 Feuerwehrleute sind im Einsatz, aber sie können nur noch das Übergreifen der Flammen auf das Ausflugslokal und den Wald verhindern. Ein Feuerwehrsprecher gesteht: „Als wir eintrafen, hat er schon gebrannt wie eine große Fackel.“ Das Teeröl, mit dem der alte Turm lasiert war, um ihn vor dem Verwittern zu schützen, wirkte wie ein Brandbeschleuniger.

Die Verwunderung, die nach den Brandstiftungen an den beiden Pavillons herrschte, schlägt jetzt in Wut um. Internetbeiträge und Leserzuschriften legen die Vermutung einer Lynchjustiz nahe, würden die Frankfurter den Brandstifter ihres Wahrzeichens in die Finger kriegen. Die Polizei reagiert und richtet beim entsprechenden Fachkommissariat 15 eine eigene Arbeitsgruppe ein. Bis zu 15 Beamte ermitteln in der „AG Holz“. Kurz darauf geht am Dornbusch die Kita der Waldorfschule in Flammen auf. Es ist der Brand mit dem bis dahin höchsten Schaden. Dazu ist es erstmals ein Gebäude, das von vielen Kindern besucht wird und denen jetzt tagsüber eine Bleibe fehlt. Doch in der Öffentlichkeit verursacht vor allem der Brand des Goetheturms die meiste Aufmerksamkeit. Denn viele Frankfurter verbinden mit dem Aussichtsturm Kindheits- und Jugenderinnerungen. „Wir wissen das und stecken sehr viel Herzblut in die Ermittlungen“, heißt es bei der Polizei. Die AG Holz zieht sogar Profiler vom Landeskriminalamt zu Rate, um zu erfahren, was das wohl für ein Mensch ist, der Ausflugsziele in Brand steckt. Brandstifter seien meist jüngere, schlecht gebildete Männer, heißt es. Da die Brände jeweils zwischen drei und vier Uhr nachts ausbrachen, werden zeitweise heimliche Wachen bei noch verbliebenen Holzbauten eingeteilt.

Kein plausibles Motiv

Doch alle Mühe ist vergebens und zum Jahrestag des Brands im Stadtwald zieht Kriminaldirektorin Anke Schumacher im Oktober 2019 ein ernüchterndes Fazit „Es gibt kein plausibles Motiv. Wir gehen von einem irrationalen Täter aus.“ Die Leiterin der Inspektion Kapitaldelikte hatte sich insgeheim mehr Hinweise aus der Bevölkerung erhofft. Vielleicht, weil der Täter irgendwo im Internet oder im Bekanntenkreis mit der Tat prahlt.

Nachdem die AG Holz zunächst in Arbeit untergeht, weil 2017 auch viele Gartenhütten, Lagerschuppen und Autos in Brand aufgehen, lassen die Brandstiftungen nach. Zuletzt brennt im Februar 2018 das „Blaue Haus“ in Niederrad, doch ob das Feuer auf die Kappe des ominösen Brandstifters geht, bleibt unklar. Die AG Holz wird sukzessive verringert. Vielleicht ist die Serie auch beendet. Bei einem psychisch labilen Täter reiche schon ein Umzug oder eine neue Freundin, um auf sinnvollere Gedanken zu kommen, heißt es bei der Polizei.

Im November 2018 versucht die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nochmal anzukurbeln, es werden 5000 Euro Belohnung auf Hinweise ausgelobt. Doch der Täter jener Brandserie aus dem Jahr 2017 ist bis heute nicht gefasst.

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