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Da geht’s lang: Radfahren hilft auf dem Weg aus der Klimakrise.
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Da geht’s lang: Radfahren hilft auf dem Weg aus der Klimakrise.

Klimaschutz

Frankfurt: „Der Fokus muss vom Auto weg“

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Frankfurter Reaktionen auf die Klimaschutzpläne des Bundes. „Fridays for Future“ verlangen mehr Tempo, die Umweltdezernentin setzt unter anderem auf Dächer.

Dreimal besser werden beim Klimaschutz: Das müssen wir, wenn es nach Bundeswirtschafts- und -energieminister Robert Habeck (Grüne) geht. Viel mehr Solar- und Windenergie, viel mehr Ökostrom für Industrie und Heizung: Sind seine Pläne machbar – und reichen sie überhaupt im Kampf ums Klima? Reaktionen aus Frankfurt.

„Es ist das absolute Minimum, was Habeck ankündigt“, sagt ein Sprecher der Frankfurter „ Fridays for Future “-Gruppe der FR. „Wir sind weit weg vom 1,5-Grad-Pfad.“ Manches, was das Klima dringend brauche, sei in Frankfurt lokal nicht umsetzbar, aber vieles schon: „Der Fokus muss vom Auto weg, wir brauchen ein anderes Verständnis von Mobilität.“

Auch beim Bauen, Stichwort Wärmewende, müsse mehr passieren, und das Heizkraftwerk der Mainova gehöre viel früher abgeschaltet als geplant. „Das Argument, so schnell gehe das alles nicht, hört man seit 30 Jahren“, sagt der Fridays-Sprecher. „Es war genug Zeit.“ Technische Diskussionen lenkten nur ab vom Grundproblem, etwa der EU-Taxonomie: „Es werden Millionen in absolut schädliche Energien, Gas und Atom, gelenkt.“

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) lobt den Parteikollegen Habeck und sagt: „Er hat ja Recht – wir müssen unglaublich Fahrt aufnehmen.“ Was die Stadt machen könne sei: Fotovoltaik auf die Dächer bringen. Verwaltungsgebäude und Betriebshöfe kämen jetzt schnell an die Reihe, auch die Privathaushalte seien gefragt: „Fotovoltaik und Dachbegrünung, das geht zusammen.“ Frankfurt könne wegen des Flughafens und der Sicherheit keine Windräder aufstellen, bedauert Heilig. „Sonst hätten wir längst Flächen etwa in Bergen-Enkheim und am Lohrberg verspargelt“, sprich: für Windkraft ausgewiesen.

So bleibe, etwa auf Niedrigenergie- und Passivhäuser zu setzen: „Da sind wir Hauptstadt.“ Doch der Autoverkehr verhagele die CO2-Bilanz massiv. Heiligs Gegenmittel: „Fußgängerverkehr muss Nummer eins, Radverkehr Nummer zwei werden, dazu der ÖPNV-Ausbau und das 365-Euro-Ticket. Da sind wir dran.“

Was sagt die Wissenschaft? „Das Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 – im Vergleich zu 1990 – um 65 Prozent zu reduzieren und bis 2045 klimaneutral zu werden, ist natürlich zu begrüßen“, sagt Senckenberg-Generaldirektor Klement Tockner auf FR-Anfrage. „Die Maßnahmen müssen jedoch so gesetzt werden, dass neben dem Klimaschutz auch eine Verbesserung für die biologische Vielfalt erreicht wird.“ Sonst schritten die Erosion unseres Naturkapitals und der dramatische Rückgang der biologischen Vielfalt ungebremst voran. Nötig seien ein ganzheitlicher Ansatz und eine grundlegende Transformation im Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen, fordert Tockner: „Klimaschutz darf nicht zu Lasten der Natur erfolgen.“

Detailliert nimmt Immanuel Stieß zu den Plänen Stellung, der Leiter des Forschungsschwerpunkts „Energie und Klimaschutz im Alltag“ beim Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung. Ein zentraler Baustein in Habecks Klimaschutz-Sofortprogramm sei die Steigerung der Energieeffizienz: „Dies ist gerade mit Blick auf den Gebäudesektor positiv, allerdings auch überfällig.“ Die Herausforderungen auf dem Gebiet seien groß, denn der Gebäudebestand könne– anders als etwa Automobile oder Kraftwerke – nicht einfach ersetzt, sondern müsse energetisch ertüchtigt werden. „Eine rasche Abkehr von fossilen Brennstoffen für die Wärmeerzeugung ist auch aus sozialer Sicht entscheidend“, betont Stieß. Vor allem Haushalte, die zur Miete wohnten, müssten einen hohen Anteil ihres Einkommens für Energiekosten aufwenden. Steigende Preise für fossile Energieträger trügen erheblich zur Belastung geringer und mittlerer Einkommensgruppen bei – rasche Entlastung sei nötig.

„Kritisch ist das Ziel zu bewerten, dass ab 2025 jede neu eingebaute Heizung auf der Basis von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien betrieben wird“, sagt Stieß. „Fossile Heizungsanlagen sollten sehr viel schneller ersetzt werden, um ökologische und soziale Synergien zu heben.“ Zudem fehlten bislang Anreize, die eine effizientere Nutzung bestehender Wohnflächen stärken. „Erfolgversprechende Konzepte gibt es bereits“, betont der promovierte Stadt- und Landschaftsplaner und nennt etwa Wohnungsteilung, Erleichterung des Wohnungswechsels und bedarfsgerechte Wohnungsangebote für ältere Menschen nach Auszug der Kinder. All dies könne helfen, den Energiebedarf beim Wohnen zu senken.

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