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Zoo Frankfurt

Frankfurt: Der Bankier der wilden Tiere

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Gerhard Kittscher hilft, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt finanziell auf Kurs zu halten – auch mit 85 Jahren. Dabei hielt er sich in einem Punkt überraschenderweise stets heraus.

In Indonesien geht es den Orang-Utans schlecht. In Tansania sind die Nashörner enorm unter Druck. Von Frankfurt aus tun Menschen alles, damit diese und viele andere Tierarten in der Ferne eine Zukunft haben. Zu diesen Menschen gehört Gerhard Kittscher. Jüngst ist er 85 Jahre alt geworden – und die Stiftung „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“, die er mitgründete, 20.

Vor allem aber setzt sich Kittscher seit 1980 für die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) ein, jene Organisation, die weltweit Tier- und Naturschutzprojekte anstößt und betreut. 34 Jahre lang wirkte er in deren Vorstand, lange Zeit als Präsident. Das Verblüffende daran: Mit Tieren hat er eigentlich gar nicht viel am Hut. Aber mit Finanzen.

„Ein Lieblingstier?“ Gerhard Kittscher überlegt. „Nein, nicht, dass ich wüsste.“ Über Bartgeier, sagt er, habe er viel gelernt in den Jahrzehnten. Die ZGF gehört zu der starken Gemeinschaft, die die großen Vögel wieder in den Alpen ansiedeln will – auch im deutschen Hochgebirge gebe es seit neustem wieder welche, sagt Kittscher. Aber Lieblingstiere? Sind auch die Geier nicht, nein.

Das Bartgeierpaar im Frankfurter Zoo heißt Ricarda und Fausto. Nicht ohne Hintergedanken. Richard Faust ist der Name eines legendären Frankfurter Zoodirektors, und mit ihm hatte Kittscher viel zu tun. Die Geschichte beginnt aber noch früher, wie so viele Geschichten aus der Tierparkgeschichte am Main: bei Bernhard Grzimek.

Der Diplom-Kaufmann Kittscher war gerade erst aus Düsseldorf nach Frankfurt umgezogen, um hier in den Vorstand der Stadtsparkasse einzuziehen; es war die Zeit kurz vor der Fusion mit der Sparkasse von 1822. „Für Grzimek waren wir die Kontoverbindung von Anfang an“, sagt der Bankexperte. Bald wollte der Zoodirektor die Zusammenarbeit erweitern. Er brauche jemanden für seinen Verein, ließ er die Sparkasse wissen. Und die schickte ihren jungen Vorstand Kittscher.

„Ich hatte da null zu tun“, sagt er heute und muss dabei lächeln. „Wir hatten alle nichts zu tun“, also auch nicht der Mäzen Bruno H. Schubert und der Bundesbankvorstand Karl Otto Pöhl, die ebenfalls in das Führungsgremium der jungen ZGF rückten – „das machte alles Grzimek“.

Eine ausstrahlende Persönlichkeit sei der Direktor gewesen. „Doch dann ist das Leben von Bernhard Grzimek zu Ende gegangen“, sagt Kittscher. In der Folge sei die Arbeitsteilung entstanden, die die ZGF bis heute starkmacht: „Sie ist eine Kooperation zwischen denen, die Naturschutz betreiben, und denen, die dafür sorgen, dass sie das tun können.“ Sprich: „Es muss Leute geben, die Projekte machen, und Leute, die dafür die Finanzen koordinieren.“

Letzteres machte Kittscher, die Projekte steuert bis heute ZGF-Geschäftsführer Christof Schenck, der dafür höchstes Lob vom langjährigen Partner erntet. „Wir haben damals klein angefangen, haben heute einen Jahresetat von 30 Millionen Euro und einen fantastischen Vermögenshintergrund. Diese Werte zu schaffen – das ist Christof Schencks Werk.“

Und dass die Werte erhalten bleiben, sich vermehren, das ist auch Gerhard Kittschers Werk. Zur Jahrtausendwende habe es eine Situation gegeben, in der wollte eine Gruppe von Vereinsmitgliedern der Zoologischen Gesellschaft einen Teil des Vermögens in Berlin investieren. Ein Ansinnen, sagt der Finanzfachmann, das nicht mit den Zielen der ZGF übereingestimmt habe. Die Mehrheit der Mitglieder konnte den Plan abwenden – anschließend entstand die Stiftung „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“, die nun das Geld außerhalb des Vereins verwaltet. Kittscher ist bis heute ihr Stiftungsratsvorsitzender.

An erster Stelle steht die Sorge um die Artenvielfalt, der Kampf um den Bestand der Natur. Großes plant die ZGF mit vielen Partnern: ein Artenschutzzentrum, das Frankfurt Conservation Center (FCC). Die Pläne waren schon so weit gediehen, dass Zeichnungen für ein Gebäude auf dem Zoogelände vorlagen und Ideen für die Kooperation zum Wohle der Biodiversität, ohne die auch der Mensch nicht überleben wird. Corona hat die Konzepte ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Aufschub, sagt Kittscher, dulden sie aber grundsätzlich nicht.

In die Projektgebiete rund um den Globus ist er in seiner Zeit an der Spitze der ZGF kaum gereist, anders als Klaus Becker, sein Nachfolger seit 2014. Die Wildnis sei nicht so sein Ding, stand zum Geburtstag in der Zeitschrift der Zoologischen Gesellschaft. „Aus der konkreten Projektarbeit habe ich mich rausgehalten“, sagt Gerhard Kittscher. In der Serengeti sei er einmal gewesen. Das allerdings habe ihn beeindruckt.

Das Leben hält auch abseits der großen weiten Welt seine Abenteuer bereit. Zwei Enkeltöchterchen beispielsweise. Mit ihnen geht der frühere ZGF-Präsident, wenn sich die Gelegenheit ergibt, durchaus gerne auf eine Expedition – in den Zoo.

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