Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Sitzen erlaubt: Auf dem titellosen Kunstwerk des Wiener Bildhauers Franz West verbringen viele Banker aus der Nachbarschaft ihre Mittagspause. Foto: Renate Hoyer
+
Sitzen erlaubt: Auf dem titellosen Kunstwerk des Wiener Bildhauers Franz West verbringen viele Banker aus der Nachbarschaft ihre Mittagspause.

Frankfurt

Frankfurt: Denkmälerdichte in den Wallanlagen sucht ihresgleichen

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
    schließen

Immerhin können die Monumente eine ganze Menge über die vergangenen 200 Jahre verraten. Das Kulturamt stellt sie jetzt genauer vor.

Jessica Beebone vom Kulturamt Frankfurt hat einen schönen Vergleich für das Denkmälersammelsurium, das sich in den Frankfurter Wallanlagen ballt wie an keinem zweiten Ort in der Stadt. „Es erinnert ein bisschen an die Glasvitrine bei der Oma, in der der Nippes neben dem Fußballpokal oder der kostbaren Meissener Porzellanfigur stand“, sagt die Kunsthistorikerin, die bei der Stadt für Kunst im öffentlichen Raum zuständig ist.

Die meisten Vorübereilenden nehmen diese eigenartige Mischung historischer Monumente, aufsehenerregender Kunstwerke, aus Skurrilem und manchmal auch recht Kitschigem höchstens aus den Augenwinkeln wahr. Dabei würde sich das Stehenbleiben vor allem auf dem kurzen Stück zwischen dem Schauspiel und der Alten Oper durchaus lohnen. Und das Kulturamt bietet viel Material, das Neugierige ziemlich umfassend informiert - wie heute üblich via Internet und Handy.

„Wir profitieren gerade von der Pandemie“, sagt Beebone über das spürbare Interesse an den Denkmalen im öffentlichen Raum. „Die Museen sind geschlossen und die Leute zieht es raus. Da entdecken viele die Kunst vor der Haustüre.“

Seit kurzem hat das Kulturamt mehrere neue Kunstspaziergänge im Angebot, die sich beliebig unterbrechen oder nur stückchenweise unternehmen lassen, weitere sind geplant. „Wir wünschen uns besonders ein Tourenangebot für kleine Menschen“, sagt Beebone.

Kunst und Geschichte am Wegesrand

Entdecken lässt sich auf Frankfurter Plätzen und in den Grünanlagen eine Menge Kunst jeder Qualität, etwa vom herausragenden Bildhauer Constantin Meunier, von dem hier seit mehr als 100 Jahren zwei große Skulpturen stehen, an der Friedensbrücke und im Günthersburgpark.

Die Stadt Frankfurt gibt online eine Übersicht unter www.kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de. Dort gibt es zu sehr vielen Werken, vom Wegkreuz über die Gedenktafel bis zum Monument, ausführliche Hintergrundinformationen. Der Vorteil: Man kann selbst auf die Suche gehen. Und anders als im Museum sind diese Sehenswürdigkeiten stets zugänglich.

Neu sind drei Touren für das Smartphone, die sich in Abschnitten unternehmen lassen, zu Fuß oder mit dem Fahrrad (auf der Homepage unter „Touren zur Kunst“). Zum einen geht es raus in die Natur zur „komischen Kunst“ (Tour 1) im Grüngürtel. Die beiden anderen Touren umrunden oder queren die Innenstadt, man kann sie mit Hilfe des Handys und einer Karte beliebig abkürzen oder verlängern.

Besonders viel Kunst und Krempel finden sich auf den wenigen Hundert Metern zwischen dem Jüdischen Museum am Mainufer, wo Tour 3 zur „Frankfurter Prominenz“ beginnt, und der Alten Oper. Da muss man keine Expertin, kein Experte sein - will man zu einzelnen Figuren etwas genauer wissen, lässt sich das einfach auf der Seite nachschlagen, auf der die Kunsthistorikerin Christine Taxer Fakten und Formen erklärt.
Es lässt sich hier staunen über doch einige sehr meisterhafte Werke am Wegesrand, etwa die große Steinfigur einer trauernden Frau, die der Bildhauer Benno Elkans zwar schon 1913/14 geschaffen hatte, die aber an die Opfer des Ersten Weltkriegs erinnern soll, oder das fast zeitgleich entstandene Heinrich-Heine-Denkmal von Georg Kolbe nur wenige Meter weiter. Das erste Denkmal für den Dichter in Deutschland zieht voraussichtlich im Herbst an einen anderen Standort in der Friedberger Anklage.

Wenn wieder geführte Touren möglich sind: Führungen bietet neben dem Kulturamt der Stadt auch Kunstkontakt Frankfurt an, www.kunstkontakt-frankfurt.de, Kontakt über www.kunstkontakt-frankfurt.de oder info@kunstkontakt-frankfurt.de. aph

Das ist zwar noch nicht fertig, aber auf dem Spaziergang durch die Wallanlagen gibt’s durchaus auch Kurioses für Kinder. Wir erinnern uns: In Omas Vitrine fanden sich einst ja auch märchenhafte Schätze. Warum wohl die Stadt Frankfurt mitten zwischen ihre Heroen 1930 das Schneewittchen mit den sieben Zwergen, nun ja, im wahrsten Wortsinne gelagert hat? Bis vor einiger Zeit war diese Arbeit des wirklich guten Bildhauers August Haag efeubewachsen, nun ist sie gereinigt und wieder gut sichtbar. „Wieso das hier aufgestellt wurde, kann ich mir auch nicht erklären“, sagt Beebone.

Das wäre durchaus eine Recherche wert. Immerhin ist es ein ziemlich gut gelauntes Ensemble, denn Schneewittchen ist zur Freude ihrer Zwerge gerade aus dem Todesschlaf erwacht. Direkt vor den Märchenfiguren ist eine Metalltafel in den Boden eingelassen, die an die Drogentoten der Taunusanlage erinnert, und wiederum direkt daneben steht völlig unmotiviert eine abstrakte Steinarbeit mit aufdringlichem Schildchen - rätselhafte Kombination, rätselhafte Ästhetik.

In Sichtweite sind von hier aus zu sehen: zwei abstrakte Denkmäler für Goethe, ein sehr monumentales für Beethoven, ein staatstragend-altmodisches für Friedrich Schiller, ein elegantes für Heine. Denkmäler in Frankfurt sind, wie landauf, landab, sehr häufig Erinnerungen an große Männer und nackte Frauen, gerne auch mal miteinander kombiniert.

Beim Spazierengehen drängen sich viele Fragen auf, hier nur einige: Sind Frauen nur denkmalwürdig, wenn sie jung und schön sind? Was verwundert, was berührt, was langweilt uns an Denkmälern? Wie und warum werden Kunstwerke beschmiert oder zerstört? Darüber lässt sich auf dem Spaziergang wunderbar nachdenken und diskutieren - einfache Antworten gibt es wohl eher nicht (aber das Kulturamt hat schon einige ganz gute auf besagter Homepage gesammelt).

Wem würden wir heute noch Denkmäler setzen? Und wem nicht? Soll weg, was nicht mehr gefällt? „Wegräumen finde ich die schlechteste Lösung“, sagt Beebone. Für sie ist die Zeit neuer Monumente ohnehin vorüber. „Es geht doch um die Leistung, nicht um die Person. Müsste man nicht viel eher die Ideen feiern, für die sich ein Mensch begeisterte, als ein Abbild auf einen Sockel zu heben?“, fragt Beebone. „Das war eine Form des Gedenkens, die von Männern geprägt wurde. Um bedeutende Frauen zu ehren, fände ich Preise oder Stipendien, die an sie erinnern, eine bessere Lösung.“

Im September kommt an der Ecke Kaiserstraße aber doch noch einmal ein neues Denkmal dazu, ein sehr abstraktes. Das „Waisen-Karussell“ der in Berlin und Amsterdam lebenden Künstlerin Yael Bartana erinnert dann an die Kindertransporte 1938/39, die Frankfurter Kinder ins rettende Exil brachten.

Nazizeit und Krieg hat Benno Elkans trauernde Steinfigur überstanden - die Nase schlug ein Unbekannter erst vor einigen Jahren ab.
Abstraktes Gedankenspiel: „Ein Haus für Goethe“ des berühmten spanischen Bildhauers Eduardo Chillida. Foto Renate Hoyer
Mit hohem Wiedererkennungswert: das Eurozeichen von Ottmar Hörl am Willy-Brandt-Platz.
Würdig auf hohem Sockel: Der Bronze-Schiller von 1859 sieht genau so aus, wie man sich ein klassisches Denkmal vorstellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare