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Frankfurt: Den Nieren mehr Bedeutung zumessen

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Von: Steven Micksch

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Der künftige Direktor der Nephrologie Thimoteos Speer.
Der künftige Direktor der Nephrologie Thimoteos Speer. © Monika Müller

Das Universitätsklinikum Frankfurt gründet eine eigene Klinik für Nephrologie und stärkt mit einem Else-Kröner-Fresenius-Zentrum auch die Forschung in Frankfurt.

Steffen Lehmann sitzt in seinem Krankenbett und ist in die Donnerstagsausgabe seiner Zeitung auf dem Tablet vertieft. Neben ihm brummt die Dialysemaschine, die das Blut des 62-Jährigen reinigt. Vier Stunden dauert die Prozedur. Da ist es eine durchaus willkommene Abwechslung, als einige Pressevertreter:innen und der künftige Direktor der Klinik für Nephrologie am Universitätsklinikum Frankfurt, Thimoteus Speer, den Raum betreten und einige Fragen stellen. Speer wird im Oktober die neugeschaffene Klinik für „Nierenlehre“ leiten.

„Etwa neun Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer chronischen Nierenerkrankung“, sagt der 41-Jährige, der zuletzt am Uniklinikum des Saarlands aktiv war. Damit einher gehe auch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einen Schlaganfall. Und da immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichten, steige auch die Anzahl der Nierenerkrankungen. Die Nephrologie sei also ein bedeutsames Gebiet, das bisher aber nicht die Beachtung erhalte, die es bräuchte.

Das Universitätsklinikum Frankfurt möchte das an seinem Standort künftig ändern. Bisher gab es nur einen Funktionsbereich innerhalb der Medizinischen Klinik 3 des Krankenhauses am südlichen Mainufer. Ab 1. Oktober bildet die Nephrologie eine eigene Klinik mit 20 Ärzt:innen und einem Labor mit zehn Angestellten. Der Vorstandsvorsitzende des Uniklinikums, Jürgen Graf, rechnet mit einem stetigen Wachstum der neuen Klinik für die nächsten fünf bis acht Jahre.

Für die Patientinnen und Patienten sollen sich mit der neuen Klinik weniger Wartezeiten und verkürzte Abläufe ergeben. Außerdem werde man aktiv an laufenden Studien teilnehmen und den Menschen damit möglichst früh neue Therapieverfahren anbieten können.

Als Krönung des Ganzen wird am Frankfurter Standort das Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für nephrologische Forschung gegründet. Dadurch gewinnt auch die Goethe-Universität einen selbstständigen und wichtigen Schwerpunkt in der Nierenforschung hinzu. Thimoteus Speer wird den Lehrstuhl der Nephrologie innehaben.

„Wir werden eine translationale Forschung betreiben“, sagt Speer. Die bedeute, dass bei den Patient:innen gewonnene Proben ins Labor kämen und dort erforscht würden. Gewonnene Erkenntnisse gelangten zurück ans Krankenbett und schlussendlich würden hoffentlich neue therapeutische Ansätze identifiziert. Eine Schlüsseltechnik bei der Forschung seien dabei ultrahochauflösende Mikroskope, mit denen man in einzelne Zellen hineinschauen könne und die Abläufe und Veränderungen dort genau untersuchen könne.

Finanziert wird die Gründung des Zentrums von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung aus Bad Homburg. Zehn Millionen Euro werden zur Verfügung gestellt, wobei fünf Millionen auf zehn Jahre gegeben werden. Zwei Millionen gehen in die Ausstattung und drei Millionen können für spezielle Projekte beantragt werden. „Nierenerkrankungen waren ein zentrales Thema im Lebenswerk unserer Stifterin Else Kröner“, freut sich Vorstandsvorsitzender Michael Madeja.

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