1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Den Jazz zu den 16-Jährigen bringen

Erstellt:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Musikförderung liegt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft am Herzen : von den Kleinsten bis zu den Operntalenten. Einige Konzerte stehen bevor.

Achtzehn Saxophone waren sie, in Zahlen: 18. Außerdem Posaunen, Flöten, Bass, Schlagzeug – und ein Weltstar: Nils Landgren, der schwedische Ausnahmeposaunist. Roland Kaehlbrandt gerät direkt ins Schwärmen, wenn er daran zurückdenkt. „Jeder hatte sein Solo, jeder hatte seinen Auftritt, das war das Großartige“, sagt er. „Lauter 17-, 18-Jährige, die standen mit solchen Ohren vor Landgren“, er macht eine Geste rechts und links am Kopf, sehr große Ohren. „Das werden sie nie vergessen.“

Er auch nicht, Kaehlbrandt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt. Wie Landgren im vorigen Jahr im Zusammenhang mit einem Auftritt in Frankfurt schnurstracks vom Flughafen zur Schirn fuhr, um dort mit jungen Leuten zu jammen. Dem Bassisten sagte er: „Du hast so ein Talent, du kannst alles spielen. Denk dran: The sky is the limit.“ Jede Musikerin und jeder Musiker bekam ein paar aufmunternde Worte zu hören, ehe Landgren weiterzog. Eine weitere Grundlage für ein tieferes Verständnis, eine innige Beziehung zur Musik war geschaffen.

Das ist es, was die Polytechnische nach ihrem Selbstverständnis antreibt – neben ihren anderen Projekten der Bildung und Weiterbildung: junge Leute an die Musik heranführen, und zwar nicht unbedingt an die Musik, die Jugendliche sowieso hören. „Wir haben vor mehr als zehn Jahren gesagt: „Wir wollen den Jazz von den 60-Jährigen zu den 16-Jährigen bringen“, sagt Kaehlbrandt. Frankfurt, große Jazztradition. Wer führt sie weiter? Eben. „Wir haben Kontakte geknüpft zu Einrichtungen, zur Musikpädagogik, wir haben gefragt: Ist das interessant für Sie?“

Das war es. Inzwischen organisieren die Polytechniker mit dem entstandenen Netzwerk Workshops, Lehrkonzerte, bauen Bigbands auf, bilden Lehrerinnen und Lehrer fort, denn nicht einmal die Hälfte der Musikstunden in der Schule werde von Fachkräften gehalten, hält die Stiftung fest. Es gibt sogar ein Schülerensemble. Seine Konzerte reißen Gleichaltrige mit – weil das fasziniert: wenn die Leute aus der Parallelklasse Jazz spielen, und nicht nur Oma und Opa.

Aber Jazz ist nicht alles. Die Stiftung fördert die Auseinandersetzung mit Musik vom Kindergartenalter an mit Formaten wie „Sinfonik hautnah“, mit riesigen Konzerten vor 2000 Kindern in der Alten Oper. „Der Dirigent erklärt, was passiert – die Kinder hören total gebannt zu“, schildert Kaehlbrandt. „Breitensport“ nennt er das scherzhaft, die Kita-Chöre zu fördern, die Jüngsten fürs Musizieren zu interessieren.

Für die Spitze gibt’s auch was: das Opernstudio in Kooperation mit der Oper Frankfurt, intensive Nachwuchsförderung für hochbegabte junge Sängerinnen und Sänger. Dann ist da noch der Stiftungschor, entstanden aus einem Jahrgang der Bürger-Akademie der Polytechnischen. Er hatte ein Lied intoniert, „Happy“ von Pharrell Williams – „das war so gut“, sagt Kaehlbrandt, „dass wir uns gefragt haben: Was machen wir damit?“ Einen Chor eben, der inzwischen alles draufhat von Mozart über James-Bond-Filmmusik bis Coldplay und Adele.

Kürzlich war Nils Landgren wieder hier, in der Alten Oper. Und wieder bei den Polytechnikern zum Jammen. Diesmal mit der Stiftungsband namens Plan Zehn, gewachsene Combo mit Talenten aus den eigenen Reihen. Mit dem schwedischen Gaststar gab man ein paar Klassiker, „Sunny“, „Upside Down“, „Heard It Through The Grapevine“. An den Tasten: Roland Kaehlbrandt.

Auch interessant

Kommentare