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„Preise runter“: Demonstranten machen vor Mainova ihrem Ärger Luft

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Von: Steven Micksch

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Die Frankfurter Initiative „Ebbe langts“ fordert eine Vergesellschaftung der Energiekonzerne und ein Ende der Energiesperren, die seit Jahren Realität sind.

Frankfurt - So ein Aufmarsch hatte die Mainova-Servicestelle in der Stiftstraße in Frankfurt wohl schon lange nicht mehr. Rund 80 meist jüngere Menschen standen am Samstagnachmittag vor dem Gebäude und riefen lautstark „Preise runter“. Die Teilnehmenden der Demo, die die Initiative „Ebbe langts. Frankfurter Plattform gegen Inflation und Krise“ angemeldet hatte, machten ihrem Unmut über die Explosion der Energiekosten und erhöhten Preise in anderen Lebensbereichen Luft.

Dabei hatten sie sich speziell den städtischen Energieversorger Mainova für ihre Kritik herausgesucht. Das Unternehmen habe eine besondere soziale Verantwortung, habe in den vergangenen Monaten aber keine soziale Preisgestaltung an den Tag gelegt. Die immer wieder erhöhten Energiepreise würden besonders Menschen mit wenig Geld hart treffen.

Martina van Holst, Vorsitzende des Frankfurter Kreisvorstandes der Linken, sagte, dass die Mainova eine Daseinsfürsorge habe. Im ersten Halbjahr habe das Unternehmen 86 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. Vor diesem Hintergrund könne man unmöglich Gas- und Stromsperren durchsetzen. Genau das sei bei der Mainova aber seit Jahren Realität.

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2020 habe es in 4629 Haushalten Energiesperren gegeben. „Das ist eine stille Krise, die aber kein Thema ist.“ In diesem Jahr könnte es noch viel mehr Menschen treffen. Van Holst forderte eine Vergesellschaftung des Unternehmens, das zwar zum größten Teil (75 Prozent) von der Stadt gehalten werde, aber trotzdem als Aktiengesellschaft gewinnorientiert handle.

Die Energiekrise macht Alltägliches zum Luxusgut.
Die Energiekrise macht Alltägliches zum Luxusgut. © Michael Schick

Nora Engel, Aktivistin bei „Ebbe langts“, kritisierte, dass Mainova die Preise hochtreibe und keine sozialfreundliche Perspektive, gerade für Neukund:innen, biete. Sie wies aber darauf hin, dass sich die Kritik der Initiative einzig gegen das Unternehmen und nicht die zahlreichen Mitarbeitenden richte. Dass die Bundesregierung nun ein 200 Milliarden Euro schweres Hilfspaket angekündigt habe, sorge bei der Initiative noch überhaupt nicht für ein Aufatmen. „Es ist erst mal nur eine Ankündigung. Noch sehen wir nichts davon“, so Engel. Und selbst wenn: Das Paket könne nur die Preise auf dem jetzigen Stand halten, der viel zu hoch sei. Man müsse Preise wie vor den Erhöhungen anstreben. „Das Paket hilft nur bedingt.“

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Immerhin positiv gesehen wurde, dass die Gasumlage vom Tisch sei. Diese zu stoppen war laut Vorankündigung vor einigen Tagen noch Ziel der Demo am Samstag. In der Zwischenzeit hatte der Bundeskanzler sie wieder einkassiert. Van Holst mahnte, dass es weiter den Druck der Straße brauche, damit keine solchen unsozialen Maßnahmen in Kraft treten. „Dafür müssen wir kämpfen.“

Das nächste Treffen der Plattform „Ebbe langts“ ist am Freitag (7. Oktober) um 17 Uhr im Studierendenhaus in der Mertonstraße 26 in Bockenheim. Dort wolle man weitere Forderungen ausarbeiten und bestehende an die sich verändernde Situation anpassen. Die nächste Aktion auf der Straße soll dann am 22. Oktober folgen, wenn man sich der Demo des Bündnisses „#SolidarischerHerbst“ anschließe. (Steven Miksch)

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