EinheitsSingen2_051020
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Frankfurterinnen singen zum Tag der Deutschen Einheit auf dem Römer.

Frankfurt: Demo und Gesang für 30 Jahre Deutsche Einheit

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Am Römer in Frankfurt versammeln sich am Samstag Sängerinnen und Sänger, um sich für 30 Jahre deutersche Einheit zu bedanken. Ein beherzter Versuch, der Einheitsfeier neues Leben zu verleihen.

Es gibt eine Pro-Sieben-Show namens „The Masked Singer“, bei der erraten werden muss, wer hinter der Maske steckt. Würde man die Hundertschaften an maskierten Sängern, die sich am Samstagabend auf dem Römerberg versammelt haben, fragen, so würden sie wohl antworten: „Wir sind das Volk!“.

Aber es fragt niemand, denn das hier ist keine Show, es ist „die deutschlandweite Danke-Demo“ (DDDD). Auch in anderen Städten haben sich Menschen versammelt, um sich singend für 30 Jahre Deutsche Einheit zu bedanken.

Es sind viele gekommen – wie viele, ist nicht ganz klar, aber es müssen wohl mehr als 500 sein, denn so viele Liedtextheftlein haben die Organisatoren bereitgestellt, und die sind schon vor Beginn der Singerei um 19 Uhr aus.

Helfer haben sie an den Eingängen zum Römerberg kostenlos verteilt, zusammen mit plastikbechergeschützten Kerzen, die auch als Windlicht funzeln können. Ist aber gar nicht nötig. Das Wetter ist schön, der Wind hält still.

Der an diesem Feiertag ubiquitäre Bürgermeister Uwe Becker begrüßt das Publikum und stellt klar, dass „nicht die Farbe der Haut, sondern die Farbe des Herzens“ entscheidend dafür sei, wer mitsingen dürfe. Nachgeguckt wird aber nicht.

Ein Anheizer fordert die Mummensänger auf, sich schon einmal mit „Wind of Change“ warmzupfeifen, denn auch der Scorpions-Wendehammer steht – quelle surprise! – auf der Programmliste.

Das erste Lied des Abends aber ist der universell einsetzbare Gassenhauer „Die Gedanken sind frei“ mit einer Botschaft, die heute beherzigenswerter scheint denn je: „Ich denke, was ich will, und was mich beglücket – doch alles in der Still’, und wie es sich schicket.“

Es ist eine schöne Veranstaltung und ein beherzter Versuch, dem etwas hüftsteif daherkommenden Einheitsfeiertag ein wenig Leben einzuhauchen. Wenn es etwas zu beckmessern gibt, dann vielleicht, dass die Begleitmusik so laut ist, dass man gar nicht hören kann, ob und wie die Hundertschaften überhaupt mitsingen.

Gut, das kann ja auch ein Segen sein. Eher verzichtbar sind auch die Gäste, die zwischen den einzelnen Liedern auf der Bühne von ihren Einheitserlebnissen berichten. „Wir dachten, wir kämen ins Paradies – aber das Paradies war dann doch nur Hessen“, berichtet ein rübergemachter Erfurter. „Wo bitte ist denn da der Unterschied?“, möchte man fragen, aber man ist ja nicht zum Disputieren hier, sondern zum Singen.

Trotz kleiner Macken ist es eine Veranstaltung mit Wiederholungscharakter – beim nächsten Mal vielleicht mit etwas leiserer Musik und weniger Reden.

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