Auf einer Straßenkreuzung stehen zahlreiche Demonstrierende und Polizist:innnen in Vollmontur. im Bildvordergund ist ein Polizist zu sehen, der eine Person mit Mütze und Mundschutz in Richtung Bildbetrachter schubst.
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Nicht nur Gegenprotestierende wurden in Frankfurt angegriffen, sondern auch zwei Fotoreporter.

„Querdenker“-Demonstration

„Querdenken“-Proteste in Frankfurt: Polizeigewalt gegen Pressefotografen

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Fotojournalisten kritisieren das aggressive Vorgehen seitens der Polizei im Rahmen der „Querdenken“-Demonstration in Frankfurt. Ordnungsdezernent Frank (CDU) verteidigt die Einsatzkräfte.

  • Am Samstag (14.11.) haben selbsternannte „Querdenker“ in Frankfurt gegen den politischen Umgang mit der Coronakrise demonstriert.
  • Parallel dazu fanden Gegenproteste statt, an denen auch viele Menschen aus dem linken Spektrum teilnahmen.
  • Die Polizei setzte Wasserwerfer und Schlagstöcke ein – ohne Anlass, wie zwei Fotojournalisten berichten.

Die Kritik am Vorgehen der Polizei bei der „Querdenker“-Demonstration und den Gegenprotesten flaut nicht ab. Zwei Fotojournalisten berichten der Frankfurter Rundschau, dass sie mehrfach gezielt von Polizeibeamten verbal und körperlich angegriffen wurden. „Wenn ich mal eine mitkriege, dann ist das völlig normal. Wenn aber ein Polizist drei Schritte gezielt auf mich zugeht und mich wegschubst, dann ist das nicht okay“, sagt einer der Fotografen, der seit 25 Jahren von Demonstrationen berichtet.

Beamte hielten ihn außerdem am Arm fest oder rissen die Kamera herunter. Darüberhinaus tätigten die Polizist:innen Aussagen wie „wir bestimmen, wer hier fotografiert“, „hau ab“ oder „du hast genug fotografiert“ All das trotz mehrfachen Vorzeigens des Presseausweises.

Unverhältnismäßig: Fotoreporter berichten von anlassloser Gewalt gegen Demonstrierende

Ein weiterer Fotojournalist spricht von einem „völlig unerwartetem Aggressionspotenzial“. Auch er wurde gezielt körperlich angegriffen. „Ich stand drei bis vier Meter zwischen der Polizeikette und den Gegendemonstranten, als ein Polizist gezielt auf mich zukam und mir mit den Händen gegen die Brust schlug.“ Auch den Einsatz von Schlagstöcken gegen Gegendemonstrierende, den er aus nächster Nähe beobachtete, kritisiert er. „Es ging keinerlei Gewalt von den Demonstranten aus.“ Es sei zudem unverständlich, dass der Wasserwerfer bei den Gegenprotesten deutlich früher zum Einsatz kam als bei der Kundgebung der Querdenkenden. „Der erste Wasserwerfer wurde nach einer Androhung eingesetzt. Der zweite nach zwei oder drei Androhungen. Bei der Querdenker-Kundgebung habe ich nach 20 Androhungen aufgehört zu zählen. Der Polizeieinsatz war grenzwertig.“

Polizei Frankfurt: „Keine Informationen“ zu Vorwürfen von Fotoreportern

Und er fügt hinzu: „Ich wurde nicht von Querdenkern angegriffen wie in Leipzig, sondern von der Polizei. Ich war in Hongkong und in Südamerika im Einsatz, aber in Deutschland erlebte ich bisher am intensivsten Polizeigewalt.“ Zu den Vorwürfen der Fotoreporter kann die Polizei nichts sagen. „Es liegen uns keine Informationen vor,“ heißt es auf Anfrage der FR.

Das Ordnungsdezernat kritisiert die Angriffe. „Die Polizei soll Blockaden verhindern und mit Geduld dagegen vorgehen, aber Angriffe auf Fotografen sind inakzeptabel“, sagt Andrea Brandl, Büroleiterin von Ordnungdezernent Markus Frank (CDU). Dennoch stärkt Frank der Polizei den Rücken. „Unsere Einsatzkräfte verdienen Anerkennung, Dank und Respekt.“ Dies zeige gerade wieder der besonnene Einsatz am Samstag.

Wegen Polizeigewalt in Frankfurt: Fraktionsvorsitzender der Linken kritisert Stadtrat Frank scharf

Von einem besonnenen Einsatz spricht Martin Kliehm, Fraktionsvorsitzender der Linken, hingegen nicht. „Wenn Stadtrat Markus Frank gutheißt, dass Menschen in den Bauch geknüppelt werden, gleichzeitig aber massive Auflagenverstöße der Coronaleugner*innen ohne Abstand und Masken stundenlang ignoriert, dann hat er jegliches Rechtsgefühl verloren und ist als Ordnungsdezernent untragbar.“ Kliehm war vor Ort und beobachtete das „unverhältnismäßige Vorgehen der Polizei“, welches zu „25 verletzten Demonstrierenden“ führte. Bei 15 Verletzten zumindest kann die Sanitätsgruppe Süd-West, die am Samstag im Einsatz war, versichern, dass diese durch polizeiliche Angriffe verletzt wurden und vermutlich alle Teil der Gegenproteste waren. Die Polizei hingegen spricht von drei Verletzten. (Stefan Simon)

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