Linke Szene

Antisemitismus von links: Israelfeindliche Parolen auf Frankfurter Demo führen zu Streit

  • Hanning Voigts
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Auf einer Demonstration des Bündnisses „Migrantifa Hessen“ werden israelfeindliche Parolen skandiert. Der Vorfall löst in Frankfurt eine scharfe Kontroverse um Antisemitismus von links aus.

Bei einer Demonstration wurden in Frankfurt antisemitische Parolen skandiert.
  • Israelfeindliche Parolen auf einer Demonstration in der Frankfurter Innenstadt entfachen Diskussion um Antisemitismus von links.
  • Nach Kritik in den sozialen Medien distanzieren sich die ersten Unterstützer der Frankfurter Demo von antisemitischen Inhalten.
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    Der Frankfurter Stadtkämmerer und hessische Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker (CDU) stellt Strafanzeige. 

Frankfurt - Nachdem bei einer Demonstration des Bündnisses „Migrantifa Hessen“ am vergangenen Samstagabend israelfeindliche Parolen skandiert wurden, distanzieren sich mehrere beteiligte Gruppen vom Verlauf des Protestes und antisemitischen Äußerungen von links. Am Samstag hatten die Bündnisse „Migrantifa Hessen“ und „Black Power Frankfurt“ zu einer Demo unter dem Motto „Moria befreien“ in der Frankfurter Innenstadt aufgerufen. Unterstützt wurde der Aufruf, in dem es um die Lage in den griechischen Flüchtlingslagern ging, etwa vom Netzwerk „Seebrücke“ und den Frankfurter „Fridays for Future“. Nach Polizeiangaben waren bis zu 180 Menschen durch die Innenstadt gezogen.

Parole zur „Befreiung“ Palästinas auf Frankfuter Demo kann antisemitisch verstanden werden

Im Laufe des Protestzuges hielt dann eine Vertreterin der Gruppe „Free Palestine FFM“ eine Rede, in der Israel mit „Siedlungs-Kolonialismus“ in Verbindung gebracht und als „Unterdrücker“ bezeichnet wurde. Die Rede endete mit den Worten „Yallah Intifada“, also etwa „Auf geht’s zur Intifada“. Im weiteren Verlauf der Demonstration durch die Frankfurter Innenstadt wurden Palästinafahnen geschwenkt, mehrfach ertönte der Slogan „Palestine will be free – from the River to the Sea“. Diese Parole, die auf eine „Befreiung“ Palästinas vom Jordan bis zum Mittelmeer anspielt, wird häufig als antisemitischer Aufruf verstanden, den Staat Israel zu zerschlagen.

Fridays for Futre Frankfurt verurteilen antisemitsche Demoparolen

Nachdem in sozialen Netzwerken Kritik an der Demo laut wurde, distanzierten sich mehrere der beteiligte Gruppen: Die „Fridays for Future“ teilten mit, es habe „Reden und Parolen mit antisemitischen Inhalten“ gegeben. „Wir distanzieren uns von Antisemitismus in jeder Ausprägung, insbesondere auch, wenn er unter einem vermeintlich emanzipatorischen Deckmantel geäußert wird“, so die Frankfurter Gruppe. Es sei ein „schwerer Fehler“ gewesen, nicht besser darauf zu achten, wer sich alles an der Demonstration beteiligen würde.

Weitere Frankfurter Gruppen positionieren sich nach der Demonstration gegen Antisemitismus

Ein Sprecher der „Seebrücke“ sagte der Frankfurter Rundschau, die Vorbereitung der Demo sei „hektisch und kurzfristig“ gewesen. Man habe nicht genau genug hingeschaut, „wer da beteiligt ist“. Es sei der Frankfurter Gruppe Seebrücke wichtig, „sich gegen Antisemitismus deutlich zu positionieren“. Die Gruppe „Copwatch“, die ebenfalls zu der Demo aufgerufen hatte, teilte der FR mit, man sei „sehr bestürzt“ und wolle den Vorfall aufarbeiten. Nach FR-Informationen ist auch innerhalb des Migrantifa-Bündnisses eine kontroverse Debatte über den ganzen Vorfall entbrannt.

„Blanker, israelbezogener Antisemitismus“: Frankfurter Stadtkämmerer stellt Strafanzeige

Der Frankfurter Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU), zugleich hessischer Antisemitismusbeauftragter, sagte der FR, er habe wegen der Demo-Parolen Strafanzeige gestellt. „Wer ein freies Palästina vom Fluss bis zum Meer fordert, der propagiert die Zerstörung Israels und die Vernichtung jüdischen Lebens vom Jordan bis zum Mittelmeer“, so Becker. „Dies ist blanker, israelbezogener Antisemitismus und diesen darf es auf den Straßen und Plätzen Deutschlands nicht geben.“

Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt nannte den Aufruf zu einer neuen Intifada „skandalös“. Die Demo sei „durch antiisraelische Demonstranten vereinnahmt“ worden.

Neu ist die Debatte um Antisemitismus in der Linken nicht. In dem Beitrag „Umstrittene Denkmuster in der 68er-Linken“ begibt sich der Journalist Ludger Fittkau auf Spurensuche im Frankfurter Studierendenmilieu.

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold / dpa

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