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Es lebe Rojava – viele in Frankfurt lebende Kurden haben Verwandte in den Kriegsgebieten und sorgen sich um sie.

Protest

Frankfurt: Demo gegen türkische Militäroffensive

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4000 Menschen fordern ein Ende der Angriffe in Nordsyrien und sehen die Bundesregierung in der Pflicht. Viele haben Angst um ihre Verwandten, die in den Kriegsgebieten leben.

Drei junge Männer klettern auf die Schultern von anderen Demonstranten und stützen sich auf. Ein weiterer Mann klettert noch höher und schwenkt eine rot-weiß-grüne Fahne mit einer gelben Sonne darauf. „Biji Kurdistan, biji Rojava“, ruft er von oben – es lebe Kurdistan, es lebe Rojava. Die Menge um ihn herum erwidert den Ruf und applaudiert den Männern.

Etwa 3800 Menschen sind nach Angaben der Polizei am Samstagnachmittag in Frankfurt auf die Straße gegangen, um gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien zu demonstrieren. Ein Großteil waren in Deutschland lebende Kurden, aber auch viele Deutsche drückten auf der Demo ihre Empörung gegen den Angriff der Türkei und ihre Solidarität mit den Menschen in Nordsyrien aus. Vom Kaisersack am Hauptbahnhof zogen die Teilnehmer über den Willy-Brandt-Platz bis zum Römer, wo es eine Zwischenkundgebung gab.

Die kurdischen Demonstranten sind wütend, dass merkt man ihnen an. Es wird laut gerufen, immer wieder brüllt die Menge: „Faschist Erdogan“ oder „Terrorist Erdogan“. Ein Sprecher der Demo erklärt, dass man wegen Rojava hier sei. Deswegen sollten die Teilnehmer auf unerlaubte Parolen und Zeichen verzichten – also nichts über die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK oder des Anführers Abdullah Öcalan. Die Demonstranten halten sich daran.

Der junge Musa läuft am Samstag mit seinen Freunden bei der Demo mit. „Ich habe Verwandte in den Kriegsgebieten“, sagt er. Er sei hier, weil er endlich Frieden schaffen wolle. Dies sei der Grundstein für alle Länder dieser Welt. Er finde es schön, andere Nationen auf der Demo neben sich zu haben, die für dieselbe Sache einstünden. Auch bei den kommenden Demonstrationen wolle er wieder mitlaufen. Von den deutschen Politikern fordert der junge Mann, dass sie endlich die Augen aufmachen. Die Waffen, die Deutschland liefere, schadeten jetzt den Menschen in Nordsyrien.

Flugverbotszone über Nordsyrien gefordert

Über die Lautsprecher eines Begleitfahrzeugs erklärt ein Sprecher der Demo, was die Forderungen sind. Zum einen fordere man eine Flugverbotszone über Nordsyrien. Zum anderen müssten sofort alle Waffenlieferungen an die Türkei gestoppt werden. Und darüber hinaus müsse die Türkei aus der Nato ausgeschlossen werden.

Birgit Koch-Dallendörfer ist mit weiteren Mitgliedern vom Verein Städtefreundschaft Frankfurt – Kobane zur Demo gekommen. „Ich verurteile die Invasion der Türkei und die deutsche Mithilfe“, sagt sie. Aufklärungsflüge und deutsche Waffenlieferungen verschlimmerten die Situation der Menschen in Syrien und unterstützten direkt oder indirekt die Türkei. Koch-Dallendörfer fordert von der Bundesregierung sich nicht von der Türkei erpressen zu lassen. Der Flüchtlingsdeal mit Erdogan werde aktuell als Druckmittel genommen. „Es ist lau, was die Regierung derzeit macht.“

Die Demos werden in den kommenden Tagen weitergehen. Das kurdische Gesellschaftszentrum Frankfurt hat ab Montag täglich Kundgebungen um 18 Uhr an der Hauptwache angekündigt.

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