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Frankfurt: Demo gegen „Stadt der Reichen“

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Von: Christoph Manus, Gregor Haschnik

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In Frankfurt eine bezahlbare Wohnung zu finden, wird immer schwieriger.
In Frankfurt eine bezahlbare Wohnung zu finden, wird immer schwieriger. © Monika Müller

Für eine solidarische Stadt und eine andere Wohnungspolitik gehen am heutigen Samstag, 26. März, Menschen in Frankfurt auf die Straße. Die Demonstration führt zu Orten der Gentrifizierung.

Die Frankfurter Initiative „Eine Stadt für alle!“ ruft anlässlich des europaweiten „Housing Action Day“ am heutigen Samstag, 26. März, zu einer Demonstration für eine andere Wohnungspolitik auf. Sie beginnt um 16 Uhr an der Ecke Frankenallee/Hufnagelstraße im Gallus und steht unter dem Motto „Wohnraum für alle – Gegen die Stadt der Reichen!“. Die Demo führt vom Treffpunkt an der S-Bahn-Station Galluswarte an mehreren Orten vorbei, die nach Ansicht der Initiative für Gentrifizierung und eine verfehlte Stadtpolitik stehen, und endet am Offenen Haus der Kulturen auf dem Campus Bockenheim.

In Marburg findet um 12 Uhr eine Kundgebung am Hauptbahnhof statt, um 13.35 Uhr geht es mit dem Zug zur Demo in Frankfurt. Auch aus vielen anderen hessischen Städten, etwa Gießen, reisen Aktivist:innen an.

Lage verschärft sich

Die Not auf dem Wohnungsmarkt habe sich in der Pandemie verstärkt, heißt es im Aufruf. In Frankfurt gebe es mehr als eine Zwangsräumung am Tag, immer mehr Menschen würden aus ihren Vierteln und aus der Stadt gedrängt. Die Wohnungslosigkeit nehme zu. 7500 Menschen lebten in Notunterkünften, bei mehr als der Hälfte handele es sich um Geflüchtete. Doch die Stadt Frankfurt betreibe weiterhin eine investorenfreundliche Wohnungspolitik. „Es wird Zeit, Widerstand gegen die herrschende Wohnungspolitik zu leisten“, schreibt die Initiative. „Wir können uns die Stadt der Reichen nicht mehr leisten.“ Sie ruft dazu auf, die „solidarische Stadt“ von unten zu erkämpfen.

Der Landesverband Hessen des Deutschen Mieterbundes begrüße den Aktionstag, sagt Geschäftsführerin Eva-Maria Winckelmann: „Es ist wichtig, den Finger in die Wunde zu legen.“ Der Mieterbund unterstütze den Aktionstag über das Bündnis „Mietenwahnsinn Hessen“. Zu den größten Problemen, besonders in den Ballungsräumen, zählt Winckelmann „weit überhöhte Mieten“, aktuell rasant steigende Energiekosten sowie einen eklatanten Mangel an günstigem und sozial gefördertem Wohnraum, der auch viele Geflüchtete treffe und sich weiter verschärfen werde.

Die Landesregierung habe vor einigen Monaten verkündet, dass die negative Entwicklung bei den Sozialwohnungen – es werden mehr gebaut als aus der Bindung fallen – endlich gestoppt sei. Aber es brauche viel größere Anstrengungen; vor etwa 20 Jahren habe die Zahl der Sozialwohnungen in Hessen bei etwa 200 000 gelegen, jetzt seien es gerade einmal 80 000. Wichtig sei zudem, den Klimaschutz so umzusetzen, dass die Mieten bezahlbar bleiben, etwa durch spürbare Einsparungen bei Heizkosten.

Zahlreiche weitere Institutionen, Parteien und Gruppen beteiligen sich am Housing Action Day. Der DGB Hessen-Thüringen beispielsweise fordert ebenfalls mehr bezahlbaren Wohnraum und Entlastungen bei Nebenkosten, die Fraktion der Grünen im Römer „klimagerechten sozialen Wohnungsbau“, auch um unabhängig von fossilen Brennstoffen zu werden. Die Linke im Römer kritisiert die „Verdrängungsprozesse“ etwa im Gallus-Viertel und spricht sich für jährlich mindestens 2000 neue Sozialwohnungen aus.

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