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Die Grüne Beatrix Baumann (Mitte links) spricht beim Flashmob gegen den Paragrafen 219a auf dem Paulsplatz.

Paragraph 219a

Demo in Frankfurt für ein Recht auf Abtreibung

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Hunderte zumeist junger Frauen demonstrieren in Frankfurt gegen den Paragraphen 219a. Die Proteste sind Teil eines bundesweiten Aktionstages.

Lea Wreesmann ist wütend. Sie sei auf der Straße, weil sie nie in die Situation kommen wolle, „dass ich ins Ausland fahren muss, um eine Abtreibung machen zu lassen“, sagt die junge Frau. Tatsächlich sei es aber so, dass die aktuellen Strafanzeigen militanter Abtreibungsgegner und die Gerichtsurteile gegen Frauenärztinnen, die lediglich auf ihrer Internetseite über Schwangerschaftsabbrüche informiert hätten, viele Ärzte verunsicherten – und den Zugang zu Abbrüchen so weiter erschwerten. „Frauen können sich nicht einmal richtig informieren über Abtreibungen“, sagt Wreesmann. „Das betrifft vor allem meine Generation, deshalb müssen wir auf die Straße gehen.“

Lea Wreesmann ist mit ihrer Empörung nicht allein. Mehrere Hundert Menschen, hauptsächlich junge Frauen, beteiligen sich am Samstag in Frankfurt an zwei Protestaktionen für die Streichung des Paragrafen 219a des Strafgesetzbuchs, der „Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft“ unter Strafe stellt. Die Aktionen finden im Rahmen eines bundesweiten Aktionstags statt, zu dem das „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ aufgerufen hat. Mehr als 5000 Menschen hätten sich in rund 30 Städten an Aktionen beteiligt, wird das Bündnis später mitteilen. Ärztinnen, Expertinnen und Aktivistinnen hätten dabei besonders das Eckpunktepapier der Bundesregierung aus CDU und SPD kritisiert, das am Paragrafen 219a festhält und lediglich eine staatliche Informationsplattform vorsieht, auf der die Adressen von Arztpraxen stehen, die Abtreibungen vornehmen.

In Frankfurt beginnt der Protest gegen Mittag mit einem Flashmob am Paulsplatz. Rund 120 Frauen und einige Männer stellen sich zu einem gemeinsamen Foto auf. „Weg mit §219a! Keine Kompromisse“ oder „Selbstbestimmung über unsere Gebärmütter“ haben sie auf ihre Schilder geschrieben. Viele haben sich mit Klebeband den Mund verschlossen – als Symbol für das „Werbeverbot“ aus dem Paragrafen 219a, das sie als „Informationsverbot“ kritisieren. Auch Beatrix Baumann von den Frankfurter Grünen, Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) und die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen sind gekommen. „Wir wollen, dass Frauen sich ausführlich informieren können wie bei jedem anderen medizinischen Eingriff auch“, ruft Beatrix Baumann durch ein Megafon. Die SPD solle den „sogenannten Kompromiss“ mit der CDU aufkündigen und sich für eine Freigabe der Abstimmung über den Paragrafen 219a im Bundestag einsetzen, fordert eine andere Rednerin.

Um 15 Uhr setzt sich dann am Opernplatz ein Demonstrationszug von rund 300 überwiegend jungen Frauen in Bewegung. „Gemeinsam gegen §218 und §219a“ steht auf dem Fronttransparent – die Demo spricht sich für eine generelle Legalisierung von Abtreibungen aus. Einige Frauen haben bunte Luftballons dabei, es dröhnt laute Popmusik. An der Hauptwache gibt es eine Kundgebung, die Demo endet am Paulsplatz.

„Ich bin als Frau selber damit konfrontiert, dass ich ungewollt schwanger werden kann“, sagt eine Teilnehmerin. „Ich will selbst entscheiden, ob es der richtige Zeitpunkt ist, schwanger zu sein oder ein Kind zu bekommen.“ Diese Forderung skandieren gerade auch die Frauen an der Demospitze. Nur auf Englisch. „Raise your voice – my body, my choice!“

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